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Plakatmotiv: Der Wixxer (2004)

Ein großer Spaß aus der
Feder intelligenter Macher

Titel Der Wixxer
Drehbuch Oliver Kalkofe & Oliver Welke & Bastian Pastewka
frei nach Charakteren von Edgar Wallace
Regie Tobi Baumann, Deutschland 2004
Darsteller

Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka, Tanja Wenzel, Olli Dittrich, Thomas Heinze, Anke Engelke, Thomas Fritsch, Christoph Maria Herbst, Wolfgang Völz, Antoine Monot Jr., Lars Rudolph, Eva Ebner, Oliver Welke, André Meyer, Daniel Steiner u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 85 Minuten
Deutschlandstart
20. Mai 2004
Inhalt

In die Wälder von Blackwhite Castle haben sich Doris und Dieter Dubinsky aus Ostdeutschland verirrt. Statt London müssen sie nun einen Mord ansehen, denn direkt vor ihren äugen wird der "Mönch mit der Peitsche" überfahren.

Chief Inspector Even Longer und sein neuer Kollege Very Long von Scotland Yard treffen bald darauf am Tatort ein und vermuten, dass hier der schon lange gesuchte Wixxer wieder zugeschlagen hat. Der hat nicht nur Even Longers Kollegen Rather Short auf dem gewissen, sondern auch einige Gangster aus der Unterwelt, denn sein Ziel ist es, Herr derselben zu werden.

Die Spur führt direkt nach Blackwhite Castle, wo der Mopszüchter Earl of Lockwood residiert.

Doch Longer hegt da einen Verdacht …

Was zu sagen wäre

Hallo! Hier spricht Edgar Wallace sein Nachbar!

Sie haben sich auch schon immer gefragt, was die vielen teilnahmslos in der Kulisse herumstehenden Bobbys in den Edgar-Wallace-Filmen aus den 1960er Jahren gemacht haben? Endlich, nach Jahrzehnten des Verschweigens – „Darum geht es doch jetzt gar nicht!“ – werden Sie rehabilitiert. Die Bobbys hüpfen an den zahlreichen Tatorten Himmel und Erde, spielen Badminton und sind mit Tuba, Horn und Trompete bewaffnet für die dramatischen Schreckjingles zuständig, die bei Filmen wie Der grüne Bogenschütze (1959) oder Der Hexer (1964) dramatische Erkenntnisse akustisch unterstreichen sollen.

Oliver Kalkofe, Oliver Welke, Bastian Pastewka, Comedians aus der niedersächsischen Privatradio-Szene, haben sich, nachdem Bully Herbig mit dem Schuh des Manitu (2001) so erfolgreich den einen deutschen Filmklassiker, Winnetou, durch den Kakao gezogen hat, den anderen deutschen Filmklassiker zur Brust genommen – den Edgar-Wallace-Film. Von dem es in der hier karikierten Ausprägung 38 gab (es gab Verfilmungen schon in den 1930er Jahren, es gab britische Verfilmungen, es gab weitere deutsche TV-Produktionen nach Edgar Wallace. Aber hier ist von diesen 38 zwischen 1959 und 1972 die Rede).

Viele dieser Filme in der schlagschattenartigen Schwarz-Weiß-Optik gelten heute als Klassiker des deutschen Unterhaltungskinos. Die Rialto-Film schuf mit der dänischen Produktion Der Frosch mit der Maske (1959) eine deutsche Spielart des Kriminalfilms, dessen Erfolg eine Serienproduktion einläutete, die auch zahlreiche Nachahmer auf den Plan rief. Die Filme wurden wie am Fließband produziert, gedreht meist an Schauplätzen in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Dänemark. Plakatmotiv: Der Wixxer (2004) Diese Filme waren nach damaligem Verständnis so spannend und gruselig, dass in nahezu allen der Komiker Eddie Arent als Comic Relief besetzt wurde, um den Zuschauern Mitte der 60er Jahre die Angst im Kinosessel zu erleichtern. Die Filme zeichneten sich aus durch viele Morde pro Film, häufig durch ein Erwürgen, für das der oder die anonyme Mörderin kurz die Hände um den Hals des Opfers legte, welches kurz schrie, dann die Augen verdrehte und ohne weiteres tot war. Ein anderes Merkmal dieser Filme war ein sehr salopper Umgang mit dem weiblichen Personal: Die erste blonde Frau, die die Leinwand betrat, wurde vom Filmhelden – wahlweise Joachim Fuchsberger oder Heinz Drache, zwei Stars des damaligen deutschen Films – nach kurzer, förmlicher Begrüßung in den intimen Arm genommen, aus einer gefährlichen Situation gerettet und dann geküsst.

Mitte der 1960er Jahre fand man(n) all das als Kinozuschauer normal. Damals durften Frauen noch nicht alleine entscheiden, ob und wenn, welchen Beruf sie ergreifen dürfen. Aus der heutigen Perspektive des Jahres 2004 auf diese Filme muss man deshalb sagen: „Naja, woher sollten die Männer das damals denn wissen? Sie kannten es ja nicht anders!“ Aus diesem sehr geänderten Zeitgeist und der Schule der Nackte-Kanone-Filme ziehen Kalkofe, Welke und Pastewka einen Großteil ihrer Witze. Damals beherrschte ein Gangster wie Der Hexer ein, zwei Tage die Titelseite einer Zeitung. Heute beherrscht ein Typ wie der "Wixxer", der monatelang die Polizei narrt alle Titelblätter – Tageszeitungen recherchieren die geheimnisvollen Hintergründe, Magazine wie das Time-Magazine und Der Spiegel analysieren die soziokulturellen Hintergründe des Wixxer-Phänomens; und die BRAVO zeigt, wie „Ihr den perfekten Wixxer-Look hinbekommt“.

Oliver Kalkofe spielt den Chief Inspector mit dramatischer Vergangenheit, eine Figur, die es so dramatisch in den Wallace-Filmen noch nicht gab; hier bedienen sich die Autoren fröhlich im Kriminalfilm der 80er Jahre. Er hat seinen Partner verloren, den er nicht retten konnte, weil er damals nur in Zeitlupe laufen konnte. Er ist dem Alkohol verfallen, schläft in seinem Auto und wenn er die Beifahrertür öffnet, kullert jede Mange Altglas aufs Pflaster (hier ist eine der herzlichen Verbeugungen vor den Nackte-Kanone-Machern). Seinen neuen Partner mit korrekt sitzendem Anzug und Bowler Hat spielt Bastian Pastewka als Eddie-Arent-Lookalike. Ihm in seiner stets bemühten Tölpelhaftigkeit zuzuschauen, ist ein großer Spaß, ebenso, wie dem ostdeutschen Ehepaar, das sich auf England-Urlaub in die neblige Schwarzweißigkeit des Londoner Nordens verirrt hat. Nur dort ist es übrigens schwarz-weiß, nur im – wie der Name schon sagt – Blackwhite Castle. Im Rest dieses fröhlichen Mädchenschieberreigens ist es quitschbunt. Die Handlung orientiert sich in groben Zügen an – wie der Name schon andeutet – der Wallace-Verfilmung Der Hexer von 1964. Auch damals raffte der geheimnisvolle Hexer einen Mädchenschieberring hin, allerdings aus anderen Motiven. Damals wollte er seine Schwester rächen, heute will sich der Wixxer selbst zum Boss der Bosse der Londoner Unterwelt aufschwingen, in der neben dem "Frosch mit der Maske" auch der "Hausmeister mit dem Hut", der "Dicke Hai" oder der "Räuber Hotzenplotz" für Unruhe sorgen.

Zwischen intelligentem Zitieren der Klassiker und plumpen Möpse-Witzen findet "Der Wixxer" eine komödiantische Balance, die im deutschen Kino selten geworden ist. Christoph Maria Herbst interpretiert Adolf Hitler als freundlichen Hausdiener oder Lars Rudolph gibt eine zeitgenössische Interpretation des klassischen Klaus-Kinski-in-einem-Edgar-Wallace-Film. Diese "Wixxer"-Farce kennt ihre Vorbilder und zelebriert eine Sehnsucht nach einer Zeit zu erkennen, in der das Kino noch eine allgemein akzeptierte Traumwelt war, in der nicht jede Wendung auf ihren Realitätsgrad hin abgeklopft wurde. Zeitgemäße Unterhaltung im Retro-Look.

Wertung: 5 von 6 D-Mark
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