IMDB

Plakatmotiv: Der Nachname (2022)

Ein lustiges Marketingprodukt, das durchaus
auch ohne namhafte Vorgänger funktioniert

Titel Der Nachname
Drehbuch Claudius Pläging
mit Charakteren von Alexandre de La Patellière & Matthieu Delaporte
Regie Sönke Wortmann, Deutschland 2022
Darsteller

Franka Potente, Axel Milberg, Dagmar Manzel, Farina Brock, Sibylle Canonica, Peter Ender, Thomas Schmauser, Johann von Bülow, Max Urlacher, Natali Seelig, Karlheinz Vietsch, Simone Ascher, Matthias Beier, Stefan Hunstein, Alexander Wagner, Wilfried Hochholdinger u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 87 Minuten
Deutschlandstart
20. Oktober 2022
Inhalt

Die lebensfrohe Patriarchin Dorothea versammelt ihre Großfamilie auf Lanzarote, um eine wichtige Mitteilung zu machen. Ihre Kinder Elisabeth und Thomas, die mit ihren Partnern Stephan und Anna anreisen, verbinden mit der Finca nostalgische Erinnerungen.

Bei ihrer Ankunft merken die Böttcher-Geschwister jedoch, dass sich nicht nur baulich einiges verändert hat. Thomas tut sich damit schwer, dass sein Stiefbruder René bei der 68-jährigen Dorothea an die Stelle des verstorbenen Vaters getreten ist und sogar sein Nachname "König" auf einem Brief an sie steht. Als herauskommt, dass die Patriarchin ihren Adoptivsohn heimlich geheiratet hat, gerät der Familienfrieden aus dem Lot.

Die Ankündigung des jungen Paares, auch noch ein Kind zu wollen, bringt das Fass zum Überlaufen. Nicht nur die Frage der Erbschaftsverhältnisse, sondern auch kaschierte Ehekrisen und pikante Geheimnisse heizen die Stimmung unter der kanarischen Sonne immer weiter auf …

Was zu sagen wäre

Ach, zum Glück geht es nicht wirklich um den Nachnamen eines Menschen, darum, dass 90 Minuten über einen Nachnamen und dessen gegebenenfalls justiziablen Implikationen gestritten wird. Der Filmtitel ist nur einem versteinerten Marketinggedanken der Constantin Film entsprungen, die ihren eigenen Erfolgsregisseuren nicht mehr über den Weg traut.

Sönke Wortmann hat vor vier Jahren Der Vorname inszeniert und dieser Film war mit einem Kasseneinspiel von rund neun Millionen Euro ein ordentlicher Erfolg – so, wie auch einige andere Filme dieses Regisseurs ein ordentlicher bis sehr großer Erfolg waren (Eingeschlossene Gesellschaft – 2022; Contra – 2020; Der Vorname – 2018; Frau Müller muss weg – 2015; Die Päpstin – 2009; "Deutschland. Ein Sommermärchen" – 2006; Das Wunder von Bern – 2003; St. Pauli Nacht – 1999; Der Campus – 1998; Das Superweib – 1996; Der bewegte Mann – 1994; "Mr. Bluesman" – 1993; Kleine Haie – 1992; Allein unter Frauen – 1991). Aber das weiß heute die Constantin nicht mehr. Deshalb muss nach dem lustigen Vornamen-Film jetzt ein Nachname-Film folgen und ein Film mit dem Titel "Der Spitzname" ist in Vorbereitung.

Der vorliegende Film ist ein klassischer Wortmann-Film. Er legt Wert auf das gesprochene Wort und den darin bisweilen enthaltenen Wortwitz: „Elisabeth ist einem fremden Mann zugetan.“ „Oohhh, zugetan. Sind wir hier bei Shakespeare, oder was?“ „Gut, vereinfachte Sprache: Sie hat was am Laufen mit 'nem anderen!“ Im Zentrum steht eine ein wenig dysfunktionale Familie, die mit der aus Der Vorname gewisse Übereinstimmungen aufweist, ohne das drehbuchmäßig zu müssen. Im Verlauf der 88-minütigen Handlung zerlegen sich die diversen Familienmitglieder, Ehepartner, Söhne, Töchter, Adoptivkinder dann gegenseitig und selbst.

Was zu erwarten war. Sönke Wortmann seziert gerne innerfamiliäre Befindlichkeiten. Egal, worüber er in seinen Filmen redet, die eingangs zementierten Familienverhältnisse erleben die Schlusstitel des Films nicht unbeschadet. im vorliegenden Film werden schwule Turnlehrer als behauptete Sexualpartner missbraucht, junge Väter nehmen Viagra, weil sie glauben, nicht mehr genügen zu können, junge Mütter nehmen heimlich die Pille, weil sie Erwartungen nicht bedienen können und stinknormale Hypotheken gelten im Bildungsbürgertum als Ausweis des Versagens.

Sönke Wortmanns Film spielt auf Lanzarote. Und neben den katastrophalen Familienverhältnissen verbreitet sein Film sehr ordentliches Urlaubsfeeling. Wortmann ist gut darin, scharfkantige Dialoge zu inszenieren. Man kann diesen Film gut auf der großen Leinwand im Kino gucken, weil Wortmann ein Verständnis für die Situation hat: Da mag sich gerade eine Familie sezieren, die Dialoge werden immer noch von Urlaubern gesprochen. Kurzerhand verbreitet der Film mit dem diskussionswürdigen Titel "Der Nachname" dennoch richtig Spaß und Lust auf den nächsten Urlaub auf den Kanaren.

Wertung: 5 von 8 €uro
IMDB