Eigentlich wollte Franziska nur ein Haus kaufen – doch anstatt sie in Immobilienfragen zu beraten, reicht der Anwalt Enno Winkel aufgrund eines Missverständnisses ihre Scheidung von dem treulosen Regisseur Will Gross ein. Nach dem ersten Schreck findet die frustrierte Ehefrau schnell Gefallen an der Vorstellung, bald wieder Single zu sein.
Als sie kurz darauf unter Pseudonym ein Buch über die Geschichte ihrer turbulenten Ehe veröffentlicht, landet sie prompt einen Bestseller. Dann aber will ausgerechnet ihr künftiger Exmann das Buch verfilmen – und dazu möchte er die geheimnisvolle Autorin natürlich kennenlernen …
Eine Frau lässt sich scheiden, emanzipiert sich mit einer aufgeschriebenen Lebensgeschichte, die zum Bestseller mutiert, und gerät in die Fänge der Männer. So in etwa lautet der rote Faden des Films, dessen Romanvorlage vor zwei Jahren Schlagzeilen insofern machte, weil dieser rote Faden von einer Frau zu einem Roman ausgebaut worden war, da klinge das gleich viel authentischer.
Der vorliegende Film ist von einem Mann inszeniert worden, unter Zuhilfenahme eines von einer Frau geschriebenen Drehbuchs, das Jürgen Egger, ein Mann, nochmal überarbeitet hat. Sönke Wortmann gilt seit Allein unter Frauen (1991), Kleine Haie (1992) und vor allem seit Der bewegte Mann (1994) als mittlerweile arrivierte Nachwuchshoffnung des deutschen Films, als Mann, der den deutschen Alltagsmann vor seine größte Herausforderung stellt: die Frau – und als Regisseur, der das filmische Derrick-Deutschland der 80er Jahre aufmischt, junge Menschen in pointierten Dialogen große Träume diskutieren lässt. Insofern gilt Sönke Wortmann als perfekte Besetzung auf dem Regiestuhl, um Deutschlands liebsten Bestseller zu verfilmen, in dem eine Frau … s.o.
Eine eigene Sönke Wortmann-Handschrift ist kaum noch zu erkennen, vielleicht in dem ein oder anderen gesprochenen Satz. Manchmal, wenn es überhaupt nicht um die aktuelle Geschichte der sich emanzipierenden Frau, sondern um Wortmanns Metier, das Filmbusiness geht, blitzt der Witz früherer Tage auf, wenn auch nur aus dem Off, wenn zum Beispiel die junge Schauspielaspirantin immerhin schon mal „einen sprechenden Blumenkohl in einem Werbespot, der nie gesendet wurde“ gespielt hat und erzählt, wie sie ihren späteren Mann, den Regisseur mit dem sprechenden Namen Will Gross kennenlernte: „Es ging um einen gesellschaftlich hoch relevanten Kunstfilm, der mit gezielten Verfremdungseffekten die herkömmlichen Sehweisen aufbrechen wollte.“ In diesem Off-Text hat Veronika Ferres, die die Franziska spielt, ihren glaubwürdigsten Auftritt: Sie formuliert diesen Unsinn-Satz mit einer plaudernden Selbstverständlichkeit, als wüsste sie, was das heißen soll. Aus dem Off beschreibt sie da jenes Kino der deutschen 70er Jahre, mit dem die zeitgenössischen deutschen Filmemacher nichts zu tun haben wollen, weshalb der jüngste deutsche Film aus lauter romantischen Komödien besteht ("Irren ist männlich" – 1996; Stadtgespräch – 1995; "Frauen sind was wunderbares" – 1994).
Veronika Ferres (Voll normaaal – 1994; Schtonk – 1992) kann übrigens nichts dafür, dass ihre On-Szenen allesamt gestelzter wirken, als ihr oben erwähnter Off-Text. Für den Film "Das Superweib" stoßen ein begabter Filmemacher, eine wirtschaftlich professionell (und erfolgreich) arbeitende Produktionsgesellschaft und ein geschriebener Bestseller aufeinander und niemand aus der Produktionscrew hat sich getraut, am bereits gut verkauften Wort filmisch noch zu arbeiten. Sönke Wortmann filmt ab, was Hera Lind vorher in ihrem Buch aufgeschrieben hat. Ironischerweise macht der Film genau das nicht, worüber er sich inhaltlich lustig macht. Während der Regisseur in Wortmanns Film aus dem Buch über die Emanzipation einer Hausfrau einen vollbusigen, schmolllippigen Dirndlfilm machen will – „Der Autorin erzählen wir das Übliche von der klaren dramaturgischen Filmstruktur im Gegensatz zur literarischen Freiheit und so weiter, bla…“ – und damit beweist, dass er nichts verstanden hat, macht die reale Münchner Constantin Film unter Bernd Eichinger und Martin Moszkowicz aus der realen Buchvorlage genau nichts als verfilmte Buchstaben.
Aber Buchstaben leben erst, wenn sie zu Sätzen geformt werden. Im Kino leben Sätze erst, wenn sie keine Platitüden sind. Die Sätze in diesem Film werden mal vorgelesen, mal ausgekeucht, weil zum Beispiel Thomas Heinze als Will Gross diesen Deklamationen anders nicht Herr wird ("Japaner sind die besseren Liebhaber" – 1995; "Frauen sind was Wunderbares" – 1994; "Mr. Bluesman" – 1993; Allein unter Frauen – 1991; "Homo Faber" – 1991). Die Charaktere in diesem Film sind nicht mehr als eben das: Charaktere. Sie sind keine Menschen. Dabei war doch das Buch so erfolgreich, weil es aufzeigt, wozu eine vermeintlich allein mit der Kinderbetreuung schon überforderte Frau so alles in der Lage ist – zum Beispiel zu der intellektuellen Leistung, Abend für Abend an einem Roman zu schreiben, nachdem sie die Kinder ins Bett gebracht hat – worin sich sehr viele Menschen, vor allem Frauen, wiedergefunden haben.
Aber was sehen wir? Die überforderte Mutter, die gleich in der ersten Szene gleich beide Kinder beinahe über die Klippe rollen lässt. Dann einen schmierigen Anwalt, den Joachim Król wirklich mit allerliebstem Schleimcharme ausfüllt ("Keiner liebt mich" – 1994; Der bewegte Mann – 1994; Die tödliche Maria – 1993; "Wir können auch anders…" – 1993; Happy Birthday, Türke! – 1992), der aber nicht zuhört und seine vermeintliche Klientin bei der ersten Gelegenheit begrapscht, was sie nur leicht nicht okay findet. Während sie weiter ihrem Alltag mit Kinderbetreuung hinterherstöhnt, wird sie von Richy Müller angeflitzt, während sie dem Anwalt, der sich schon mit ihr verheiratet wähnt, nun klare Grenzen aufsetzen muss.
Und dann bleibt die Steigerung auf der Strecke. Nachdem der Film mit den maskulinen Abziehbildern weibliche Grenzen aufgezeigt hat, kommt Ex-Mann Will und diskutiert fröhlich weiter am eigentlichen Thema, dem Verhältnis von Mann zu Frau zu Mann, vorbei. Auch das ehemalige Ehepaar – sie hat ein Buch über die gemeinsame Ehe geschrieben, er will dieses Erfolgsbuch verfilmen – diskutiert nur die Oberflächlichkeiten, was sich gut verkaufen lässt, für welche Bilder Menschen ins Kino gehen, aber nicht ihre festgefahrenen Rollenbilder.
Stattdessen klebt das Drehbuch einfach eine sonnendurchflutete finale Szene an den Film: Franziska telefoniert lässig am Pool mit Ex-Mann Will, der zu Hause unter Stress die mit der neuen in Polen auf Dreh arbeitende Partnerin gezeugten Zwillinge wickelt, weil die Babysitterin schwänzt.
Als der Vorhang sich schließt, habe ich nichts erfahren und nichts gesehen, was ich nicht schon wusste. Obwohl der Stoff es hergegeben hätte. Etwas mehr Mut, den Zuschauer zu fordern, darf sich das kommerziell orientierte deutsche Kino schon gönnen.
