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Plakatmotiv: Allein unter Frauen (1991)

Abseits der Klischees sind Männer
und Frauen am Ende alle gleich

Titel Allein unter Frauen
Drehbuch Philipp Weinges
Regie Sönke Wortmann, Deutschland 1991
Darsteller

Thomas Heinze, Jennifer Nitsch, Carin C. Tietze, Meret Becker, Michael Schreiner, Andi Egginger, Nina Petri, Katharina Lehmann, Anita Köhler, Arnulf Schumacher, Hedi Kriegeskotte, Gaby Reichardt, Henny Sch.-Wenzel, Dieter Junck, Uwe Karsten Koch, Olaf Mill, Albert Bauer, Heike Faber, Sascha Opitz, Birgit Brandes, Rabea Stellmann, Micha Baumann, Andreas Spenzberger u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 88 Minuten
Deutschlandstart
7. November 1991
Inhalt

Mit Tom Blattner, einem eingefleischten Macho, meint es das Schicksal nicht gut. Von der Chefin gefeuert, von der Freundin aus der gemeinsamen Wohnung geworfen, wird er zu allem Überdruss bei einem Flirtversuch von einer Frau zusammengeschlagen.

Vorübergehendes Asyl findet er bei seinem schüchternen Kollegen Manfred. Als dieser eines Tages die attraktive Anette zum Essen eingeladen hat, lässt Tom seinen vermeintlichen Charme spielen. Obwohl seine Selbstinszenierung Anette sichtlich langweilt, bietet sie ihm an, in ihrer Frauen-WG einzuziehen.

Dort wird Tom statt Hahn im Korb Versuchskaninchen für ein Experiment: Kann man aus einem Macho einen emanzipierten Mann machen ..?

Was zu sagen wäre

Der Film hat es auf den Fremdschämfaktor angelegt. Wenn Du zum männlichen Geschlecht gehörst. Der lüsterne Filmtitel und die aus männlicher Sicht sehr attraktiven Hauptdarstellerinnen auf den B-Plakaten wecken möglicherweise falsche Erwartungen. Das ist gewollt. Sönke Wortmann erzählt keine Geschichte über einen Mann, der am Ende die Welt, die Stadt, wenigstens die Familie rettet. Der Mann in "Allein unter Frauen" lernt Lektionen für die Männer im Kinosessel. Und am Ende zerstören Frauen des Mannes Pornovergnügen.

Hauptfigur dieses Films ist ein gegelter Lederjackenträger, den wir Bildungsbürger in der ölverschmierten Zweiradwerkstatt am Stadtrand erwartet hätten. Aber womöglich stecken wir (männlichen) Bildungsbürger zu tief in unseren Büchern und Zeitungen und merken nicht, dass gegelte Lederjackenträger weder gegelte Haare noch die knarzende Lederjacke tragen müssen, und durchaus auch in Anzug und offenem Hemd im Nachbarbüro Frauen mit breitbeiniger Welterklärattitüde nerven können. Plakatmotiv: Allein unter Frauen (1991) Auf Äußerlichkeiten sind Männer schon immer schneller reingefallen als Frauen. Sagt der Rezensent, nachdem ihm gewisse Parallelen zum richtigen Leben in dieser Komödie des jungen Regisseurs Sönke Wortmann aufgefallen sind.

Tom Blattner ist ein Prototyp, eher die Kumulation männlicher Archetypen, wie sie das Kino hervorbringt, als Abbild eines lebendigen Menschen. Deswegen ist er nicht weniger peinlich. Der Film folgt einer Versuchsanordnung: Unterschiedliche Frauen versuchen 70 Minuten lang, diesen peinlichen Vertreter des männlichen Geschlechts zu einem wertvollen Mitglied der gesamtgeschlechtlichen Menschheit zu machen. Es bleibt nicht aus, dass da Klischees bedient werden – welche Komödie käme ohne Klischees aus? Tom, der Mann mit dem amerikanisierten Kurznamen und der schwarzen Lederjacke bekommt zuallererst mal eine verpasst von Vio, die einen Selbstverteidigungskurs besucht. Aus Gründen – wie alle Frauen in dieser Wohngemeinschaft, in diesem Film, sich aus Gründen mit irgendwas gegen Männer gewappnet haben.

Steht es so schlimm um den männlichen Benimm? Und warum muss dann ein Mann das Drehbuch zu diesem Film schreiben und ein anderer Mann als Regisseur fungieren? Unterstreicht das nochmal die ganze Machohaftigkeit der Filmbranche, in der die Männer sogar die kritischen Anmerkungen ans eigene Geschlecht übernehmen? Dass Männer zum friedlichen Zusammenleben nicht unbedingt beitragen, ist doch seit Alice Schwarzers Großzeiten in den 70er Jahren bekannt. Aber stimmt: Das deutsche Kino hat sich diesem Thema – Frauen/Männer, Männer/Frauen – nie so richtig angenommen. Haben da jetzt verspätet findige Marketingleute auf der Leinwand eine Marktlücke für Frauenfilme entdeckt, die sie lieber schnell mit männlicher Selbstironie füllen, bevor eine weibliche Filmemacherin bei dem Thema möglicherweise ernst macht und unbequem wird? Warum mutet der Pornofilm, den die WG-Frauen im Film sabotieren wollen, akustisch (sehen tun wir nichts) gleich an, wie ein harter Vergewaltigungsfilm – als gäbe es keine, nun ja, normalen Pornofilme? 

Thomas Heinze ist in der Rolle des Tom die Idealbesetzung. Mit Sonnenbrille, Lederjacke und öligem Haar geht er locker durch als schwanzgelenkter Dummbeutel – als solche sind Männer, bevor sie in der zweiten Filmhälfte lernen, vermeintlich weiblich zu denken, zunächst zu deklarieren. Wenn Heinze aber die Sonnenbrille abzieht, ist da dieser Dackelblick aus blauen Augen, der jedes Machoimage konterkariert. Dazu passt, dass die Filmemacher den Frauen dann doch noch Gelüste ins Drehbuch geschrieben haben, die hier nur über einen Mann zu beheben sind.

Rocker. Obdachlose. Frauen. Punker“, stöhnt ein Einsatzpolizist im Finale. „Alle diese Randgruppen haben ihre guten Gründe, Steine zu werfen. Mal ist es dies, mal ist es das.“ Am Ende bleiben Frauen als Randgruppen. Sönke Wortmanns Film ist mehr bebildertes Thesenpapier, als kluges Kino. Dabei aber sehr unterhaltsam.

Wertung: 7 von 10 D-Mark
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