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Plakatmotiv: Find me guilty – Der Mafiaprozess (2006)

Aufregender als der
Film ist Vin Diesel

Titel Find me guilty – Der Mafiaprozess
(Find me guilty)
Drehbuch Sidney Lumet + T.J. Mancini + Robert J. McCrea
Regie Sidney Lumet, Deutschland, USA 2006
Darsteller

Vin Diesel, Peter Dinklage, Annabella Sciorra, Ron Silver, Alex Rocco, Linus Roache, Frank Pietrangolare, Richard DeDeomenico, Jerry Grayson, Richard Portnow, Roger Zamudio, Aleksa Palladino, Raúl Esparza, Frank Adonis, Robert Stanton u.a.

Genre Biografie, Drama
Filmlänge 125 Minuten
Deutschlandstart
17. März 2006
Inhalt

Jackie DiNorscio wird von seinem eigenen Cousin Tony Compagna angeschossen. Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, wird er bei einem Drogendeal festgenommen und zu 30 Jahren Haft verurteilt. Unterdessen hat sich sein Cousin aus Angst vor Jackies Rache dem FBI anvertraut. Diese bereiten gerade einen Großfall nach dem RICO-Act gegen die Calabrese-Familie vor. Auch Jackie bieten sie eine Zusammenarbeit gegen Strafmilderung an, doch dieser lehnt ab. Schließlich wird er zusammen mit 20 weiteren Mitgliedern der Calabrese-Familie angeklagt. Da sein letzter Anwalt ihm nicht wirklich helfen konnte, entscheidet sich Jackie dazu, sich selbst zu verteidigen.

Zu Anfang der Verhandlung übernimmt Jackie die Rolle des Witzboldes. Damit bringt er zwar die Geschworenen zum Lachen, sorgt aber auch für Ärger in den Reihen der Verteidigung. Nach mehreren Monaten, in denen Jackie den Gerichtssaal regelrecht in eine Zirkusveranstaltung verwandelt hat, stellt der Richter ihm ein Ultimatum. Und tatsächlich: Jackie ändert sein Verhalten und versucht sich seriöser zu benehmen. Die Anklage jedoch nutzt jede Gelegenheit und Schwäche von Jackie aus. Bei einer Leibesvisitation kurz vor dem Verhör von Tony Compagna eskaliert die Situation und Jackie wird von den Wärtern zusammengeschlagen. Verletzt erscheint er im Gerichtssaal, schweigt jedoch zu den Fragen des Richters und gibt an, hingefallen zu sein. Er verzichtet später darauf, seinen drogensüchtigen Cousin ins Kreuzverhör zu nehmen.

Plakatmotiv (US): Find me guilty – Der Mafiaprozess (2006)Nach zwei Jahren ist der Prozess zu Ende und Anklage und Verteidigung halten ihre Schlussplädoyers. Der Verteidiger der Familie plädiert, dass die Angeklagten nur wegen ihrer italienischen Herkunft angeklagt seien und nichts bewiesen sei. Jackie beschwört die Jury nicht seine Freunde zu bestrafen und von ihren Familien zu trennen, sondern stattdessen ihn alleine für schuldig zu befinden, da er sowieso 30 Jahre absitzen muss …

Was zu sagen wäre

Ein Drama. Eine Farce, manchmal eine Komödie ist dieser auf realen Gerichtsakten basierende Film über einen zweijährigen Prozess gegen rund 20 angeklagte, mutmaßliche Mafiosi Ende der 80er Jahre in New York. Sidney Lumet kehrt in den Gerichtssaal zurück, den er schon in "Die zwölf Geschworenen" (1957) zum Mittelpunkt eines Films gemacht hat. Damals stellte er den Kampf der Jury um die Wahrheit in den Mittelpunkt, diesmal einen der Angeklagten, Jackie DiNorscio, der sich selbst verteidigt und die Fallstricke juristischer Wortklauberei kennen lernt.

Es ist ein wortreicher Film, der mit wenig Raum auskommen muss; nahezu der gesamte Film spielt in dem großen Gerichtssaal. Auch im Drehbuch ist nicht viel Raum: Es stehen Mafiosi vor Gericht, das verschweigt der Film dem Zuschauer nicht, der diese Angeklagten aber sympathisch finden muss, um Interesse zu investieren und da kommt Vin Diesel ins Spiel, die eigentlich große Überraschung des Films.

Auf der Berlinale, auf der sein Film 2006 im Wettbewerb lief, nannte er seinen Vater als den großen Motivation: „Junge, wenn Du es mal schaffst, müssen zwei Menschen von Dir beeindruckt sein: Die Schauspielerin Judy Dench und Sidney Lumet.“ Den hat er offenbar überzeugt. Durch ein Spiel, das wenig Körper und viel Kopf erfordert – Mimik, kleine Gesten. Wir kennen Diesel aus Spektakelfilmen wie xXx – Triple X (2002), The Fast and the Furious (2001), Der Soldat James Ryan (1998) oder Der Babynator (2005), in denen er Glatze und seine Oberschenkel-dicken Oberarme glänzen lässt. Als Jackie DiNorscio, genannt Fat Jack, hat er sich ein paar Kilo drauf gefuttert, eine Perücke aufgezogen und aus sich rausgeholt, was er sich über die Technik des Schauspiels unter anderem im Handbuch "Making Movies" angelesen hat. Autor: Sidney Lumet. Dass er nun vor dessen Kamera steht, ist Zufall.

Ein Schauspieler kann immer nur so gut sein, wie ihn der Regisseur sein lässt“, sagt Sidney Lumet (Tödliche Fragen – 1990; Family Business – 1989; "The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit – 1982; "Prince of the City" – 1981; Network – 1976; Hundstage – 1975; Mord im Orient-Express – 1974; "Serpico" – 1973; "Angriffsziel Moskau" – 1964; "Die zwölf Geschworenen" – 1957). „Und Vin kann noch viel besser!“ Da hat die Regielegende sicher Recht. Sonst wäre der Film wohl baden gegangen, denn im Fach Dramaturgie erklärt sich, weshalb der Film mit deutschem Geld produziert wurde: Es fehlt dem Buch dieser klassische Hollywood-Spin, der durch Zuspitzungen Drama erzeugt. Lumet konzentriert sich – zum Teil angeblich sogar wörtlich – auf die Gerichtsakten und zeigt Szenen aus den spannenderen Momenten dieses zwei Jahre dauernden Prozesses. Sowas finden europäische Finanziers cooler als amerikanische. Lumets Film deutet an, wie schwierig es ist, augenscheinlich offensichtliche Mafiamitglieder als eben solche in einem Rechtsstaat zu überführen, verheddert sich aber nicht in juristischen Spitzfindigkeiten. Dafür inszeniert Lumet den leitenden Staatsanwalt als einen, der vor allem seine Karriere im Blick hat. Solche Typen – und das ist wieder sehr amerikanisch – können nicht gewinnen, weil sie alles Entscheidende übersehen.

Es ist kein großer Film, aber einer, der unterhält; und das liegt in erster Linie an Vin Diesel.

Wertung: 4 von 6 €uro
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