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Plakatmotiv: Serpico (1973)

Einer der größten Polizeiskandale
in nüchternen Bildern aufbereitet

Titel Serpico
(Serpico)
Drehbuch Waldo Salt & Norman Wexler
nach der gleichnamigen Bestseller-Biografie von Peter Maas
Regie Sidney Lumet, Italien, USA 1973
Darsteller

Al Pacino, John Randolph, Jack Kehoe, Biff McGuire, Barbara Eda-Young, Cornelia Sharpe, Tony Roberts, John Medici, Allan Rich, Norman Ornellas, Edward Grover, Albert Henderson, Hank Garrett, Damien Leake, Joseph Bova, Gene Gross, John Stewart, Woodie King Jr. u.a.

Genre Biografie, Crime, Drama
Filmlänge 130 Minuten
Deutschlandstart
28. März 1974
Inhalt

Serpico tritt frisch von der Polizeischule kommend seinen Dienst als New Yorker Streifenpolizist an. Noch ist er voller Ideale und träumt von einer besseren Welt. Doch schon bald macht er die Erfahrung, dass viele seiner Kollegen kein Stück besser sind, als die Verbrecher, die sie jagen sollen. Viele sind korrupt und erpressen sogar Schutzgeld. Serpico weigert sich jedoch, das schmutzige Geld anzunehmen.

Damit isoliert er sich in seiner Einheit immer mehr. Niemand will noch mit ihm zusammenarbeiten. Er wird immer wieder in andere Dienststellen versetzt, doch das ändert nichts. Einzig in Bob Blair findet er einen Verbündeten. Der Versuch, die Korruption ihren Vorgesetzten zu melden, scheitert. Das Netz der Kriminellen ist zu groß und zu gut gespannt. Schon bald müssen die ehrlichen Polizisten um ihr Leben fürchten

Was zu sagen wäre

Frank Serpico hat's erwischt“, sagt der Cop auf der Wache. „War es einer von uns?“,fragt sein Kollege. Dieser Dialog kommt nach knapp fünf Filmminuten. Sydney Lumet erzählt eine andere Polizeigeschichte als die übliche von den harten, dem Gesetz Geltung verschaffenden Polizisten. Von wegen "New York's Finest". In diesem Film sind die Cops korrupt, die ganze Behörde von Korruption durchseucht, sodass Serpicos Hinweise auf diese Korruption immer wieder irgendwo im Apparat versanden. Und die ganze Geschichte ist auch noch wahr.

In "Serpico" portraitiert Lumet den Polizisten Frank Serpico, der in New Yorks Kriminalgeschichte einging als der der erste Polizeibeamte, der gegen die systematische Korruption in der Polizeibehörde aussagte und damit Anfang der 70er Jahre einen großen Skandal entfachte. Lumet erzählt die Geschichte in dokumentarischer Strenge. Plakatmotiv: Serpico (1973) Kaum einmal setzt er Musik ein, verlässt sich ganz auf den Klang der Straßen Brooklyns und der Bronx, den Einsatzgebieten des Titelhelden, und dreht ausnahmslos an Originalschauplätzen, was die Authentizität des Films noch verstärkt.

Für die Titelrolle hat Lumet Al Pacino geholt, der im vergangenen Jahr als Michael Corleone in Der Pate (1972) beeindruckte. Sein Serpico ist ein junger, idealistischer Polizist, der nie etwas anderes werden wollte als Polizist und der sich einfach nicht auf die kleinen Korruptionen seiner Kollegen auf dem Revier einlässt – tatsächlich einfach so. Sidney Lumet und seine Autoren Waldo Salt und Norman Wexler suchen keine Erklärung für Serpicos Aufrichtigkeit, lassen der Figur ihre natürlich Integrität; tatsächlich ist die Rechtschaffenheit nicht erklärungsbedürftig, auch nicht in einem unrechten System. Auch Serpicos Kollegen aber kommen nicht mit wilden Erklärungen, warum sie sich schmieren lassen. Da erzählt niemand etwa weitschweifig, dass er hohe Schulden habe und drei Kinder durchs College bringen müsse. In dieser Welt der Ordnungshüter ist es ganz selbstverständlich, Farbige zu misshandeln und von allen anderen Geld zu nehmen, damit die Cops sie in Ruhe lassen. Es ist ein über Jahre eingespieltes System, das schon die obersten Polizeichefs bedient haben. Der aufrechte Serpico wird in diesem Milieu der Aussätzige, Gebrandmarkte, misstrauisch Beäugte, der sich mehr und mehr einigelt, dabei zwei Liebesbeziehungen zuschanden schreit; Pacino spielt Serpicos Verlust des Glaubens an das System mit elektrisierender Intensität und sehr starker Präsenz. Der Mann ist vor dem Auge einer Filmkamera genau richtig.

Der Film offenbart Lumet tiefes Misstrauen gegenüber den Polizeibehörden, am meisten dadurch, dass nirgendwo jemand laut Skandal ruft. Als Serpico seine Geschichte endlich an die Öffentlichkeit bringt und die New York Times sie auf der Titelseite bringt, zeigt Lumet nur eine keine Titelzeile oben links in der Zeitung., Die reißerischen, fetten Lettern, die in Kriminalfilmen der 40er und 50er Jahre an solchen Stellen prangten, suchen wir hier vergeblich, Lumet hält seinen nüchternen Erzählstil bis zum Ende durch. Das ist im Kinosessel über die insgesamt 128 Filmminuten manchmal anstrengend zu verfolgen, aber dann muss man sich nur noch einmal ins Gedächtnis rufen, dass der Film nah an den historischen Gegebenheiten entlang erzählt ist, die noch keine zehn Jahre zurückliegen. Das nimmt einem dann den Atem. Wenn der Ordnungshüter in Uniform die Ordnung nicht mehr hütet, steht das zivile Miteinander der Konsensgesellschaft auf tönernen Füßen. Lumet hat einen großartigen Polizeifilme geschaffen.

Wertung: 7 von 8 D-Mark
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