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Plakatmotiv: Tödliche Fragen (1990)

Ein großer Auftritt für Nick Nolte
in einem spannenden, kalten Film

Titel Tödliche Fragen
(Q & A)
Drehbuch Sidney Lumet & Alan Smithee
nach dem Roman "Q & A" von Edwin Torres
Regie Sidney Lumet, USA, UK 1990
Darsteller

Nick Nolte, Timothy Hutton, Armand Assante, Patrick O'Neal, Lee Richardson, Luis Guzmán, Charles S. Dutton, Jenny Lumet, Paul Calderon, International Chrysis, Dominic Chianese, Leonardo Cimino, Fyvush Finkel, Gustavo Brens, Martin E. Brens u.a.

Genre Crime, Drama
Filmlänge 132 Minuten
Deutschlandstart
6. September 1990
Inhalt

Der korrupte New Yorker Polizist Mike Brennan ist in Spanisch Harlem berüchtigt wegen seiner brutalen Methoden, die von seinen Vorgesetzten jedoch toleriert werden.

Selbst als Brennan einen Drogendealer brutal ermordet, und den Mord als Notwehr darstellt, erhält er die Rückendeckung der Polizeiführung und des Bezirksstaatsanwalts Kevin Quinn. Pro forma muss jedoch eine Ermittlung eingeleitet werden, die im Sinne von Quinn jedoch ergebnislos bleiben soll. Der junge und unerfahrene Staatsanwalt Al Reilly, dem Quinn die Leitung der Ermittlung anvertraut, stellt sich jedoch als unbequemer, weil moralisch integrer Ermittler heraus, der um eine Aufklärung des Falls ehrlich bemüht ist.

Als wichtige Augenzeugen getötet werden und Beweismaterial verschwindet, ahnt Reilly, dass Brennan hochrangige Unterstützer hat. Hilfe erhält er von dem Drogendealer Bobby Texador, dem einzigen noch lebenden Augenzeugen. Dieser ist mit Reillys Exfreundin Nancy verheiratet. Mit Bobby Texadors Hilfe deckt Reilly ein Komplott auf, das weit über die Person Mike Brennan hinausgeht …

Was zu sagen wäre

Sidney Lumet guckt sich nach "Serpico" und "Prince of the City" jetzt zum dritten Mal bei der New Yorker Polizei um und auch beim dritten Mal, wenig überraschen d, findet er Korruption Zeugenmisshandlung. Aber diesmal entlarvt er engmaschigere netz der Korruption. Jeder hat ein bisschen dreck am Stecken; der eine Straßencop lässt hier und da Fünfe gerade sein und geht mit 150 Dollar Cash im Monat mehr nach Hause, der nächste transportiert ein bisschen Marihuana durch die Stadt und der dritte schaut weg, wenn sein Partner krumme Dinger dreht, anstatt ihn zu melden.

Alle wissen es. Alle akzeptieren es. So läuft das System. Hauptsache, am Ende sitzen ein paar Leute im Gefängnis. Der Schlimmste ist Mike Brennan, ein Kerl wie ein Schrank, zurückgegelte Haare, Walross-Schnauzer, Bierbauch, breitbeiniges Gehabe, großspurige Erzählungen, Rassist. Großartig gespielt von Nick Nolte ("Zoff in Beverly Hills" – 1986; Under Fire – 1983; Nur 48 Stunden – 1982; "Die Bullen von Dallas" – 1979; "Dreckige Hunde" – 1978; Die Tiefe – 1977). Dieser Brennan ist ein widerlicher Unsympath. Er ist aber auch selbst Opfer, wie sich im Laufe des Films herauskristallisiert; Opfer aber auch, weil er keine Familie hat außer seinen Kollegen beim NYPD. Also tut er alles, um dazuzugehören. aber eben auch alles, um oben mitmischen zu können, da wo Macht und Geld sind.

Die Geschichte, die vor einem Nachtclub in Manhattan mit einem Mord beginnt, zieht immer weitere Kreise, bis in die Amtsstuben im Rathaus, irgendwann umfasst das Personaltableau Straßencops, Kleindealer, Drag-Queens, höhere Beamte, die Mafia, die Bosse unterschiedlicher Gangs; die Story zieht Kreise über Florida bis nach Puerto Rico. Lumet hält die Fäden in der Hand und verwebt sie geschickt – das Bild hinter dem Bild schält sich nach und nach erst heraus – und deckt auf, dass das Korruption kein jeweils lokales Phänomen bleibt, sondern dass sie Kreise zieht, Auswirkungen ins anderen Ländern haben kann.

Seine Geschickte erzählt Sidney Lumet (Family Business – 1989; "The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" – 1982; "Equus – Blinde Pferde" – 1977; Network – 1976; Hundstage – 1975; Mord im Orient-Express – 1974; Serpico – 1973; "Sein Leben in meiner Gewalt" – 1973; "Der Anderson Clan" – 1971; "Angriffsziel Moskau" – 1964; "Die 12 Geschworenen" – 1957) in blaustichigen Bildern, kalten Farben und ruhigen Einstellungen. Zusammen mit dem jungen, noch unerfahrenen Staatsanwalt Reilly beobachtet er ohne nervöse, wacklige Kamera das Geschehen und überlässt es dem Zuschauer, eine Haltung dazu zu entwickeln. Diesen Staatsanwalt spielt Timothy Hutton ("Der Falke und der Schneemann" – 1985; Die Kadetten von Bunker Hill – 1981; Eine ganz normale Familie – 1980). Sein Al Reilly wirkt wie ein schüchterner Hübschling, hat aber Rückgrat, lässt sich nicht einschüchtern und bleibt stur seinem Ziel auf den Fersen. Da muss das Script ihm schon eine ehemalige große Liebe andichten, um ihn Gefühle zeigen zu lassen.

Aber in dieser kalten Welt sind Gefühle ohnehin eine kitzlige Angelegenheit. Wer sie zeigt, stirbt für gewöhnlich. Auch bei seinem dritten Besuch im NYPD fördert Sidney Lumet wenig Schönes zutage.

Wertung: 7 von 10 D-Mark
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