In einem Tennisclub in der deutschen Provinz wird das Sommerfest geplant, und unter Heriberts strenger Leitung stehen die Vorbereitungen im Mittelpunkt. Als vorgeschlagen wird, für Erol, das einzige muslimische Clubmitglied, einen separaten Grill zu organisieren, brechen unerwartete Spannungen auf.
Was als scheinbar harmlose Diskussion beginnt, weitet sich schnell zu einer Debatte über gesellschaftliche und persönliche Konflikte aus. Während die Gemüter immer höher kochen, steht der Verein schließlich kurz vor dem Zerfall …
Das musste mal gesagt werden! Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob haben mit ihrem Bühnenstück den Nerv der deutschen Debattengesellschaft 2026 getroffen: Du darfst alles sagen, aber wehe, man Du sprichst es aus!
Was wir auf der Leinwand sehen, bevölkert mit Größen der deutschen Komödie, ist ursprünglich als Schwank für die Theaterbühne geschrieben worden. Diese Genese sieht man dem Film logischerweise an: Theaterstücke begrenzen sich selbst auf wenige Schauplätze. Hier sind es der Versammlungsraum, die Tennishalle und der Geräteschuppen, in denen sich ein urdeutsches Drama aus Wokeness, Leben und leben lassen sowie Zeigefingerdeutsch entfaltet. Regisseur Markus H. Rosenmüller, komödienerfahren ("Pumuckl und das große Missverständnis" – 2025; "Beckenrand Sheriff" – 2021; Trautmann – 2018; Sommer in Orange – 2011; "Wer früher stirbt, ist länger tot" – 2006), macht das Beste draus. Das Stück ist sehr lustig, der Film selbst dann bedingt aufregend.
Das Buch spießt die Besonderheit des deutschen Debattenmichels auf, der einen Misstand, eine Ungerechtigkeit selten in seinem eigenen Bereich sieht, sondern in dem vom Nachbarn. In diesem Fall ist es Melanie, die es eine gute Idee fände, wenn der Verein für ihren Doppelpartner Erol, dessen Eltern einst aus der Türkei zugezogen sind und der muslimischen Glaubens ist, einen speziellen Grill anschafft, auf dem garantiert kein Schweinefleisch gegrillt wird. Während Erol noch damit beschäftigt ist abzuwinken, er brauche das nicht, kochen die Wogen bei einigen Vereinsvertretern hoch und wirbeln alte Ärgernisse an die Oberfläche.
Dem Vereinsvorsitzenden wird Maulkorbgehabe vorgeworfen, alte Schulfreunde stellen fest, welche tief sitzenden Vorurteile sie gegeneinander haben, hippe Prenzlauer-Berg-Abkömmlinge stellen fest, dass „der Türke“ beim Siegerjubel seine deutsche Partnerin zu lange umarmt und bald geht es nur noch darum, wer was nicht sagen darf, nicht sagen soll und als Erol zur Entspannung vorschlägt, er könne im Fall der Fälle seinen eigenen Grill von zuhause mitbringen und dieser Grill sich dann als ein viel mondäneres Modell entpuppt als jenes, das der Tennisclub anschaffen will, ist der Friede kaum mehr wiederherzustellen.
Wunderbar, wie das Buch jede platte Peinlichkeit umschifft, nie auf den schnellen Pruster zielt. Großartig, wie feinfühlig sich die Schauspieler auf die verklemmten Nuancen ihrer jeweiligen Figur einlassen. Denn verklemmt sind die Leute alle. Hape Kerkeling ("Der Boandlkramer und die ewige Liebe" – 2021; "Horst Schlämmer – Isch kandidiere!" – 2009; Kein Pardon – 1993), der als Clubpräsident Heribert „seit 25 Jahren“ für Ordnung sorgt, aber versagt, als zum ersten mal die Ordnung nicht so will wie er. Friedrich Mücke als Vereinsvize, der sich seit Jahren für den besseren Vorsitzenden hält, seit Jahren seinen Frust runterschluckt und unter der Fuchtel seiner strengen Mutter in der Diskussion um den politisch korrektesten Grill alle seine Vorbehalte gegen Minderheiten auspackt.
Christoph Maria Herbst spielt, wen er immer spielt ("Stromberg: Wieder alles wie immer" – 2025; "Der Spitzname" – 2024; "Der Nachname" – 2022; Contra – 2020; Jim Knopf und die Wilde 13 – 2020; Der Vorname – 2018; Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer – 2018; Stromberg – Der Film – 2014; Neues vom Wixxer – 2007; Der Fischer und seine Frau – 2005; (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 – 2004; Der Wixxer – 2004). Den nach dem besten Wort suchenden Besserwisser, der sich im vorliegenden Fall weniger über ein Gegenüber aufregt, sondern eher über allgemeine Zustände, die dazu führen, dass ein Gegenüber so argumentiert wie es argumentiert. Und Fahri Yardim spielt seinen Erol lange als zurückhaltenden Beruhiger, der gar nicht versteht, wieso sich andere für seine gar nicht geäußerten Belange so ins Zeug legen, bis auch Erol sich schließlich als latenter Alltagsrassist entpuppt, der sich von denen Clubkameraden kaum unterscheidet. Deshalb dauert diese komische Posse auch 100 Minuten. Eigentlich ist nach 30 Minuten ja alles gesagt und geklärt. Hätte da nicht im letzten Entschuldigungssätzchen eines der Protagonisten ein schwieriges Wort getriggert, was die Diskussion gleich wieder anfacht und in neue Bahnen lenkt.
"Extrawurst" macht als Stück und in dieser Besetzung großen Spaß. Als Kinofilm indes bleibt er so blass, wie das ein so wortgewaltiges Bühnenstück erwarten lässt.
