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Kinoplakat: Tür der Versuchung
Eine Liebe endet in Blass-Blau
perfektes Schauspieler-Kino
Titel Tür der Versuchung
(The Door in the Floor)
Drehbuch Tod Williams
nach dem Roman „Witwe für ein Jahr” von John Irving
Regie Tod Williams, USA 2004
Darsteller Jeff Bridges, Kim Basinger, Mimi Rogers, Bijou Phillips, John Rothman, LeAnna Croom, Elle Fanning, Jon Foster, Harvey Loomis, Louis Arcella, Robert LuPone, Kristina Valada-Viars, Claire Beckman, Tod Harrison Williams, Carter Williams u.a.
Genre Drama
Filmlänge 111 Minuten
Deutschlandstart
21. Oktober 2004
Inhalt

Ted Cole, ein erfolgreicher Kinderbuchautor und Illustrator, seine Frau Marion und ihre kleine Tochter Ruth wohnen in einem schönen Haus am Meer, in einem malerischen Küstenort auf Long Island.

Die Familie ist von einem tragischen Ereignis in der Vergangenheit gezeichnet: Bei einem Verkehrsunfall haben sie ihre beiden Söhne verloren. Die Coles werden mit dem Verlust nicht fertig. Mit ihrer Ehe haben beide innerlich abgeschlossen.

Marion gibt sich ganz ihrem Leid hin. Die Liebe für ihre kleine Tochter Ruth kommt dabei zu kurz. Ted stürzt sich von einer flüchtigen Affäre zur nächsten.

Als Eddie bei ihnen einzieht, um in seinen Schulferien für Ted als Praktikant zu arbeiten, ändert sich alles. Einen Sommer lang wird Marion ihn leidenschaftlich lieben. Eddie erfährt zum ersten Mal die Freuden, aber bald auch die Leiden der Liebe …

Was zu sagen wäre

Einmal fragt Ted Marion, wie die beiden Söhne ums Leben kamen und Marion wird zu Stein. Sie liegt auf dem Sofa, den Blick ins Nirgendwo, stumm. Und die Kamera bleibt bei ihr. Bleibt über den Moment hinaus, bis zu dem der Zuschauer noch denkt, sie überlege eine Antwort, bleibt, bis klar ist: Der Schock des damals Erlebten sitzt tief.

Diese Szene ist bezeichnend für den Film. Er nimmt sich viel Zeit für die – oberflächlich gesehen – einfache Geschichte. Die äußere Handlung lässt sich tatsächlich in wenigen Worten erzählen: Eine Ehe ist am Ende. Die kleine Tochter leidet. Ein junger Mann fördert den Zerfall.

Hier ist wichtig, was sich zwischen den Bildern abspielt. Und was für schöne Bilder das sind. Die blassen Pastelltöne strahlen Kühle aus – keine Kälte; in „Kälte” steckt nichts Warmes mehr. Dieser Zustand spiegelt sich in der kaputten Ehe wider. Es fliegen keine Teller, es tönt kein Gekreische; zwischen Ted und Marion herrscht sowas wie akzeptierter Waffenstillstand. Hass aus Frustration bricht sich nur selten Bahn – und das dann kontrolliert.

Zu so einem Film braucht es echte Schauspieler statt hübscher Kleiderständer. Kim Basinger (L.A. Confidential - USA 1997; 9 1/2 Wochen - USA 1986; Sag niemals nie - UK/USA 1993) und Jeff Bridges (Rufmord – Jenseits der Moral – 2000; Arlington Road – 1999; The Big Lebowski – 1998; Liebe hat zwei Gesichter – 1996; White Squall – Reißende Strömung – 1996; Starman – 1984; Tron – 1982; Mr. Universum – 1976; Die Letzten beißen die Hunde – 1974; Die letzte Vorstellung – 1971) zeigen scheinbar ohne Mühe, dass Schönheit keine Frage des Alters, dass Souveränität keine Frage der Klamotten ist. Hier spielen zwei Aspiranten für eine Oscar-Nominierung 2005.

Tod Williams hat den komplexen Roman Witwe für ein Jahr von John Irving verfilmt und dabei auf das zweite und dritte Drittel verzichtet. Aus dem, was bei Irving sowas wie die Einleitung in den Roman ist, machen andere einen ganzen Film. Was nicht zuletzt viel über die Qualität Irvingscher Romane sagt.

Wertung: 6 von 6 €uro
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