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Kinoplakat: ted

Ein pöbelndes Pelztier
ersetzt keine gute Story

Titel ted
(ted)
Drehbuch Seth MacFarlane + Alec Sulkin + Wellesley Wild
Regie Seth MacFarlane, USA 2012
Darsteller Mark Wahlberg, Mila Kunis, Seth MacFarlane, Joel McHale, Giovanni Ribisi, Patrick Warburton, Matt Walsh, Jessica Barth u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
2. August 2012
Website tedisreal.com
Inhalt

John Bennett durchlebte diese unangenehme Form von Jugend. Er wurde gehänselt, wurde verhauen und sein einziger Freund war „Ted”, sein Plüschteddy. Von dem sich John dringend wünscht, der möge lebendig werden. Eine Sternschnuppe, die gerade das Haus der Bennetts passierte, hörte den Wunsch und ließ ihn in Erfüllung gehen. Am anderen Morgen begrüßte Ted seinen gerade erwachenden Freund John mit einem kieksigen „Guten Morgen, John!”

Fortan werden Ted und John beste Freunde. Erster Arg der Eltern, die einer Beziehung zu einem sprechenden Stoffteddy nicht so viel abgewinnen können, zerschlägt sich, nachdem die jungen Freunde weltweit als einzigartiges Phänomen in den Medien gefeiert werden.

27 Jahre später teilen sich John und Ted eine Bude mit Johns Freundin Lori Collins. Die mediale Party rund um das Teddy-Mensch-Gespann ist lange verraucht, John und Ted verbringen die meiste Zeit Pott rauchend auf der etwas heruntergewohnten Couch im Wohnzimmer. Einmal lädt sich Ted vier Prostituierte ein und überspannt damit den Bogen und Loris Geduld. Sie stellt John vor die Wahl „Er oder ich!” Eine schwierige Entscheidung und John lässt sich auch Zeit. Und setzt dann Ted vor die Tür. Man muss ja mal erwachsen werden.

Lori ist zunächst sehr glücklich damit, dass ihr Freund ein so großes Opfer für sie bringt. Aber es dauert natürlich nicht lange, da muss sie lernen, was John irgendwie immer gewusst hatte: Gute Buddies lassen sich nicht einfach so durch einen Wohnungswechsel trennen ...

Was zu sagen wäre

Furzfilme sind ja In im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Und als solchen muss man den Film auch sehen. Aber wenigstens einen mit Teddy. Um so mehr ist er eine Enttäuschung. Das einzig Neue in dieser Sympathischer-Loser-und-sein-unmöglicher-bester-Freund-Variante ist ja der computeranimierte Teddy. Alles drumrum ist eine zähkomische schon mal gekaute Drehbuchidee.

Da gibt es diesen gemobbten Teenager, der nur von seinem besten Freund – dem eingebildeten Hasen, dem Telefon suchenden Außerirdischen, dem sprechenden Teddy – getröstet werden kann. Dann gibt es da diesen Mitdreißiger, der einfach nicht erwachsen werden will, was sich darin zeigt, dass er gerne in Jeans und T-shirt herumläuft, gerne mit seinem besten Kumpel einen Joint durchzieht – häufig steht auch noch ein Surfbrett/Fahrrad/Skateboard (Sinnbild für juvenile Verkanntung) in einer Ecke des meist geräumigen Loft und es auch nach vier Jahren nicht für nötig hält, seiner Freundin die Ehe anzutragen – denn darum geht es am Ende immer, auch bei Furzfilmen; Mark Wahlberg („The Fighter“ – 2010; Departed – Unter Feinden – 2006; The Italian Job – Jagd auf Millionen – 2003; Planet der Affen – 2001; Der Sturm – 2000; The Yards – 2000; Three Kings – Es ist schön König zu sein – 1999; Corruptor – 1999; Boogie Nights – 1997) gibt als dieser Jeans-und-T-shirt-Typ alles, hat aber dann doch nichts Substanzielles im Drehbuch stehen. Und dazwischen – und mit zunehmender Dauer des Films im Weg herumstehend – gibt es halt einen Teddybären, der unflätig spricht. Dem kann auch die entzückende Mila Kunis keinen Glanz aufsetzen.

Die Teddy-Idee nützt sich auch bald ab. Wieder zeigt sich: Die wirklich guten Szenen mit dem Teddy wurden schon in den diversen Trailern gefeiert – ob kiffend auf der Couch oder pöbelnd zwischen vier Prostituierten und sich aus Angst vor Gewitter unter der Bettdecke verkriechend; „Boah“, denkt man, „da muss ja noch was kommen im Film!“ Es kommt nicht. Eine Szene, in der sich John und sein Teddy wild durch die Wohnung prügeln ist lustig auch nur, weil der Teddy in dieser Szene so grotesk fehlbesetzt sein müsste, dies dann aber eben nicht ist. Schön! Aber nach der zweiten Szene dieser Art habe ich es dann auch verstanden. Es kommen aber immer neue.

Der zentrale Satz des Drehbuches ist wohl Teds Antwort auf Johns Vorwurf, der Bär müsse endich mal erwachsen werden und nachdenken. Ted sagt: „Hey Mann. Ich bin ein Teddy-Bär! Ich muss so etwas nicht tun.“ Damit hat der Teddy natürlich Recht. Warum nur verhält er sich aber in allem anderen wie ein zu pummelig und zu klein geratener Mann mit auffallender Körperbehaarung, der in die Jahre gekommen ist?

Am Rande gibt es noch so was wie eine Krimigeschichte. Da will ein von Giovanni Ribisi (Avatar - USA 2009) gespielter Vater seinem Sohn (vor allem aber sich selber) diesen einst weltweit gefeierten Teddybären schenken. Weil John Ted aber nicht verkaufen will, ersinnt Ribisi allerlei Tricks, um doch noch an den Teddy zu kommen. Dieser Handlungsstrang löst sich völlig sinnfrei im Allerlei auf und wirkt, als wäre den Autoren des Drehbuchs aufgefallen, dass die Beziehungskiste zwischen Mark Wahlberg und dem Teddy noch keine Geschichte ist

Ted kommt als Fremdkörper in diese Welt und so sehr er sich bemüht, er bleibt ein Fremdkörper. Robert Zemeckis war 1988 ein ähnliches Wagnis eingegangen. In Who framed Roger Rabbit gab er einem Zeichentrickhasen die Hauptrolle in einem Kriminalfilm, in dem die Menschen - unter ihnen Bob Hoskins und Christopher Lloyd (Zurück in die Zukunft - USA 1985) - zu interessanten Nebenfiguren schrumpften, der Film seinen Reiz aus dem Umstand sog, dass die Welt der Trickfiguren die tragende Rolle spielte. Im vorliegenden „Ted“ gibt es eine vergleichbare (Teddy-)Welt nicht - der liebenswert pöbelnde fish out of water bleibt den ganzen Film hindurch bis zum Schluss ein fish out of water.

Wertung: 3 von 7 €uro
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