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Kinoplakat: The Punisher
Böse Verfilmung eines
mörderischen Comics
Titel The Punisher
(The Punisher)
Drehbuch Jonathan Hensleigh + Michael France
nach dem gleichnamigen MARVEL-Comiccharakter von Gerry Conway + Ross Andru + John Romita Sr.
Regie Jonathan Hensleigh, USA, Deutschland 2004
Darsteller Thomas Jane, John Travolta, Will Patton, Rebecca Romijn, James Carpinello, Laura Harring, Ben Foster, John Pinette, Eddie Jemison, Samantha Mathis, Marcus Johns, Russell Andrews, Roy Scheider, Eduardo Yánez, Omar Avila, Kevin Nash, Mark Collie, Veryl Jones, Tom Nowicki, Hank Stone, Marc Macaulay, Terry Loughlin u.a.
Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 124 Minuten
Deutschlandstart
10. Juni 2004
Website Marvel-Wiki zum Punisher
Inhalt

Es soll der letzte Job sein. Frank Castle will aussteigen. Er ist als verdeckter Agent fürs FBI unterwegs, hat seine Familie – Frau und Kind – aber fest versprochen, Schluss zu machen und nach London zu übersiedeln. Dazu kommt es nicht mehr. Bei dem Waffendeal an den Docks, den er mühsam eingefädelt hatte, geht etwas schief, es fallen Schüsse, Bobby Saint kommt ums Leben.

Bobby Saint ist der Sohn des mächtigen Unterweltbosses Howard Saint. Und der ist jetzt mächtig sauer. Waffendeal geplatzt! Sohn tot?? Dafür soll jemand bezahlen und es dauert auch nicht lange, das hat Howard Saint herausbekommen, dass das ein Fed im Spiel war, ein Verräter vom FBI – und der Mann heißt Frank Castle. Angestachelt von seiner wütenden Frau Livia befeihelt Saint: „Kill them all!“

Die Handlager des Paten nutzen eine Familienfeier der Castles im sonnigen Puerto Rico, um ihren Job zu erledigen – Castles gesamte Verwandtschaft kommt bei dem Massaker ums Leben, er selber überlebt schwer verletzt aber von den Gangstern unbemerkt und als ein Fischer ihn Wochen später wieder halbwegs zusammengeflickt hat, kennt Castle nur ein Ziel: Rache! Er stattet sich mit dem Waffenarsenal seines toten Vaters aus und findet außerdem sein schwarzes Shirt mit dem großen Totenkopf wieder, das sein Sohn ihm kürzlich geschenkt hatte.

In Tampa, Florida richtet er sich in einem schäbigen, halb leer stehenden Mietshaus am Stadtrand ein. Seine einzigen Nachbarn: Die alkoholabhängige Kellnerin Joan, Piercingträger Dave und der dicke Koch Bumbo. Alle drei sind wie er Außenseiter der Gesellschaft; sie werden so etwas, wie Freunde. In der Zwischenzeit hat er über Howard Saint herausgefunden, was man wissen muss, will man Augue-um-Auge-Zahn-um-Zahn-Rache nehmen. Er kennt jetzt die Schwachpunkte des Unterweltbosses: Seine Geschäfte, seine rechte Hand und Freund Quentin Glass und seine geliebte Frau Livia. Fortan manipuliert er Saints Geschäfte und vernichtet Saints Geld. Das geht so lange, bis Saints Geschäfte ruiniert sind und nun der bis dato ahnungslose Saint bei seinen Geschäftspartnern unter Druck gerät.

Aber dann erkennt Saint die Wahrheit und setzt neue Killer auf Castle an. Auf Castle und dessen freundliche Nachbarn …

Was zu sagen wäre

Eine gelungene Comicverfilmung. Die Vorlage war schon in der Comicwelt ein Wagnis – da tauchter er Mitte der 1970er jahre zunächst als Gegner von Spider-Man auf; ein Mann, ein Killer, der erst mordet und dann auch gar nicht fragen will. Einer, der sich durch sein Schicksal legitimiert sieht. Aber nachdem im Konkurrenzverlag DC ein paar Jahre später Frank Miller aus dem populären „Batman“ einen nachschwarzen, depressiven Psycho mit Mordinstinkt geformt hatte, RoboCop, Terminator und allerlei irre Killer die Leinwand eroberten, bekamen es auch die Comic-Helden mit allerlei brutalen Killern zu tun – da war plötzlich The Punisher der richtige Kerl am richtigen Fleck.

Den Film gibt es in unterschiedlichen Schnittfassungen

Es gibt schon einen Punisher-Film – mit Dolph Lundgren, aber der spielt nur im Dolph-Lundgren-Umfeld eine Rolle – Lundgren trägt nicht einmal das charakteristische T-Shirt. Thomas Jane („Stander“ – 2003; „Dreamcatcher“ – 2003; Mörderisches Spiel – 2000; Deep Blue Sea – 1999; The Thin Red Line – 1998; Boogie Nights – 1997) macht es besser. Er hat auch den passenden Gegner: John Travolta („Basic“ – 2003; Tödliches Vertrauen – 2001; Passwort: Swordfish – 2001; „Lucky Numbers“ – 2000; Wehrlos – Die Tochter des Generals – 1999; The Thin Red Line – 1998; „Im Körper des Feindes“ – 1997; Operation: Broken Arrow – 1996)! Der ist immer dann am besten, wenn er den Schurken geben darf. Das macht er hier so routiniert irre, dass man gar nicht sagen kann, ob er Spaß hatte an der Rolle, oder ob sich der Schauspieler ganz furchtbar langweilt, während er Leute umbringt – ist aber egal … wie gesagt.

Es ist nicht so ganz klar zu ermitteln, wie lang nun der eigentlich Film sein sollte. Es existieren, was bei so einem Thema nicht verwundert, verschiedene Schnittfassungen. Erst gab's nicht mal eine FSK 18 – „wegen exzessiver Gewaltdarstellung und rechtsstaatlich bedenklicher Tendenzen bei menschenverachtender Grundhaltung“. Es wurden 90 Sekunden rausgeschnitten, von da ab hatte er das verkaufsfördernde Label „keine Jugendfreigabe – FSK 18“. Auf DVD ist mittlerweile noch ein „extendet cut“ erschienen, der aber lediglich die normale Kinofassung von 118 Minuten darstellt. Darüberhinaus gibt es in den USA noch eine Version, die um die 140 Minuten lang ist, welche um zwei Nebenhandlungen erweitert ist.

Freundliche Nachbarn als Konzession ans Kinopublikum

Eine fragwürdige – offenbar – Konzession ans Kinopublikum ist die Einführung der Nachbarn, die der Figur des Punishers so etwas wie eine menschliche Seite geben sollen. Im Comic hat er sie – nicht zuletzt dadurch, dass er die Sympathie der Leser auf seiner Seite hat. Aber im Kino kann man nicht so nonchalant über drei Panels mal eben menschliche Trauer zeichnen. Nun erleiden die Nachbarn ein sehr schmerzhaftes Schicksal – vor allem der Gepiercte – sind aber sonst ganz ulkig und lockern die düstere Rachestory ein wenig auf. Die Kernstory kommt – dadurch unbeeindruckt – zügig voran, baut sich trickreich und boshaft auf und wird, als Castles Racheplan langsam offenbar wird, richtig gemein. Seine Tricks, die Boshaftigkeiten von Regie, John Travolta und dessen rechter Hand, einem wunderbar schleimig-bösen Will Patton („The Mothman Prophecies“ – 2002; Verlockende Falle – 1999; Armageddon – 1998; Postman – 1997; „Die Geschichte vom Spitfire Grill“ – 1996; Copykill – 1995), werden der Vorlage, die auch düsterere Tage und lustigere Tage erlebt hat, gerecht.

Voraussetzung für einen gewissen Spaß im Kinosessel ist natürlich, dass man sich darauf einlässt, dass hier die schwarze Comicstory über einen gnaden- und humorlosenKiller verfilmt wird. Und dass Regisseur Hensleigh, der bislang Drehbücher für Actionfilme geschrieben hat (Armageddon – 1998; The Saint – 1997; Jumanji – 1995; Stirb langsam – Jetzt erst recht – 1995), seine Zuschauer nicht mit innovativem Kino erschrevcken will. Die Inszenierung ist brav und zeigt die zu erwartenden Bilder – bis auf das letzte Bild des Rachefeldzuges des Punishers; da ist Hensleigh eine schöne Idee geglückt.

Wertung: 4 von 6 €uro
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