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Plakatmotiv: Cleopatra (1963)
Ein Film, der zwischen monumentalem Epos
und emotionalem Kammerspiel irrlichtert
Titel Cleopatra
(Cleopatra)
Drehbuch Joseph L. Mankiewicz + Ranald MacDougall + Sidney Buchman
nach den Schriften des Plutarch + Suetonius + Appiander und der romanhaften Biografie „Kleopatra. Ihr Leben und ihre Zeit“ von Carlo Maria Franzeros
Regie Joseph L. Mankiewicz, USA, UK, Schweiz 1963
Darsteller Elizabeth Taylor, Richard Burton, Rex Harrison, Pamela Brown, George Cole, Hume Cronyn, Cesare Danova, Kenneth Haigh, Andrew Keir, Martin Landau, Roddy McDowall, Robert Stephens, Francesca Annis, Grégoire Aslan, Martin Benson, Herbert Berghof, John Cairney, Jacqueline Chan, Isabel Cooley, John Doucette, Andrew Faulds, Michael Gwynn, Michael Hordern, John Hoyt, Marne Maitland, Carroll O'Connor, Richard O'Sullivan, Gwen Watford, Douglas Wilmer, Elisabeth Welch, Vanoye Aikens, John Alderson, John Alderton, Ronald Allen, Audrey Anderson, María Badmajew, Michèle Bailly, Marina Berti, Salvatore Billa u.a.
Genre Biografie, Drama, Abenteuer
Filmlänge 192 / 241 Minuten
Deutschlandstart
24. Oktober 1963
Inhalt

Nach der Schlacht von Pharsalos, der Entscheidungsschlacht der Römischen Bürgerkriege, bei der Gnaeus Pompeius Magnus von Gaius Iulius Caesar vernichtend geschlagen wird, flüchtet Pompeius nach Ägypten zu Pharao Ptolemaios XIII. und dessen Schwester Kleopatra VII. Als Caesar hinterherreist, erfährt er, dass Pompeius in Ägypten ermordet wurde; ferner ist er verwundert, nur Ptolemaios, aber nicht Kleopatra vorzufinden.

Am Abend schmuggelt sich Kleopatra in einem Teppich zu Caesar, den Caesar über einen Boten als Geschenk von Kleopatra überreicht bekommt. Caesar, der lediglich die Zwistigkeiten zwischen Ptolemaios und Kleopatra schlichten will, wird von Kleopatra gebeten, sie zur Königin von Ägypten zu machen; diese bleibt jedoch mit ihrer Bitte erfolglos.

Bei einem weiteren Gespräch im Bad der Kleopatra bekräftigt diese ihre Forderung nach dem ägyptischen Thron. Als Caesar Nachricht erhält, dass die Ägypter ihre Kriegsflotte bereit machen, gibt er Befehl, am nächsten Tag Feuer zu legen, um diese zu zerstören. Das Feuer greift jedoch auf die Innenstadt über und zerstört auch die Bibliothek von Alexandria. Die nun folgende Schlacht zwischen der römischen und der ägyptischen Flotte geht für die Römer siegreich aus.

Nachdem ein Giftanschlag von Ptolemaios' Hofkämmerer Pothinus auf Kleopatra fehlschlägt, wird Pothinus von Caesar zum Tode verurteilt; Ptolemaios wird von Caesar der Vormundschaft durch Rom als unwürdig erachtet und ins Feldlager des Achillas verbannt. So hat Caesar es geschafft, Kleopatra auf den ägyptischen Thron zu verhelfen. Aus Caesar und Kleopatra wird - während Caesars rechtmäßige Ehefrau Calpurnia in Rom verweilt – ein Paar; Kleopatra, die davon träumt, mit Caesar die Welt zu beherrschen, bringt den Sohn Caesarion zur Welt.

Im römischen Senat wächst unterdessen der Unmut über Caesars Verhalten. Caesar kehrt in der Zwischenzeit nach Rom zurück; er verspricht, Kleopatra so bald wie möglich nachzuholen. In Rom wird Caesar zum Diktator auf Lebenszeit ernannt. Wenig später erfährt Kleopatra in Rom einen pompösen Empfang. Als Caesar dahinterkommt, dass sein Diktatortitel ihm nur eingeschränkte Macht bringt, und daher fordert, zum Imperator ernannt zu werden, bildet sich um seinen Stiefsohn Marcus Iunius Brutus eine Verschwörung mit dem Ziel, Caesar zu töten. Als Caesar an den Iden des März in den Senat will, um seine neuen Ehren als Imperator zu empfangen, hat Calpurnia einen Albtraum über das ihm drohende Schicksal; Caesar lässt sich jedoch von ihrer Warnung nicht beirren. In einer Vision sieht Kleopatra, wie Caesar von seinen Attentätern erstochen wird. Da Kleopatra für sich und Caesarion keine Zukunft in Rom sieht, kehrt sie mit ihm nach Ägypten zurück. Aus der Schlacht bei Philippi gehen Marcus Antonius und Octavian (der spätere Augustus) als Sieger hervor; Brutus stirbt. Antonius und Octavian bilden gemeinsam mit Marcus Aemilius Lepidus ein Triumvirat.

Obwohl Antonius dem Senat Caesarions Ansprüche auf die Nachfolge Caesars vorbringt, wird Octavian römischer Kaiser. Da Antonius für die bevorstehende Schlacht gegen die Parther Geld braucht, lässt er Kleopatra um Hilfe bitten. Nachdem Kleopatra eine Erfüllung dieser Bitte erst verweigert, treffen sie und Antonius sich schließlich in Tarsus. Nach einem rauschenden Fest verleben Antonius und Kleopatra eine Liebesnacht miteinander. Der Senat ist in Aufruhr, dass Antonius und Kleopatra ein Paar sind; mit dem eigennützigen Ziel, durch Antonius’ Abwesenheit selbst Caesar sein zu können, spielt Octavian die Bedeutung dieser Liaison herunter.

Marcus Antonius schafft es, in Rom einen Vertrag auszuhandeln, der Ägypten mit Rom verbündet; jedoch findet auch eine Ehe aus Staatsräson zwischen Antonius und Octavians Schwester Octavia statt. Als im Lauf des folgenden Jahres Antonius’ Gesandte nicht zu Kleopatra vorgelassen werden, tritt Antonius schließlich selbst vor Kleopatras Thron, um einen Vertrag mit Kleopatra auszuhandeln. Die gekränkte Kleopatra behandelt ihn jedoch wie einen Bittsteller. Sie verlangt die Vermählung mit Antonius, die Einsetzung von Caesarion als König von Ägypten sowie ein Achtel des römischen Reiches als Gebietsabtretung an Ägypten.

Als Krieg zwischen Rom und Ägypten droht, will Kleopatras alter Lehrer Sosigenes sich in Rom für Frieden einsetzen, wird jedoch von Octavian ermordet. An der Westküste Griechenlands kommt es nun zur Schlacht bei Actium. Als Antonius’ Schiff brennt und Kleopatra ihn für tot hält, befiehlt diese die Rückreise nach Ägypten. Antonius hingegen fühlt sich im Stich gelassen und folgt ihr per Boot; Octavian gewinnt die Schlacht.

Nach Ägypten zurückgekehrt, fleht Kleopatra Antonius um Verzeihung an. Octavian marschiert mit seinen Truppen nach Ägypten und fordert von Kleopatra als Zeichen ihres guten Willens Antonius’ Kopf. Nach einem klärenden Streitgespräch zwischen Antonius und Kleopatra macht sich Antonius auf den Weg, Octavian zu vertreiben. Kleopatra lässt Caesarion in Sicherheit bringen; sie selbst bleibt in Alexandria und zieht sich in ihre Gruft zurück; wenn Antonius komme, solle ihr Diener Apollodorus ihm ausrichten, dass sie sich am allerletzten einem Menschen möglichen Zufluchtsort befände. In der Nacht vor der entscheidenden Schlacht wird Antonius von seinen Soldaten im Stich gelassen; seinen General Rufius findet er ermordet vor.

Antonius reitet nach Alexandria. Nach Apollodorus’ Nachricht glaubend, Kleopatra sei tot, rammt sich Antonius sein Schwert in den Leib. Apollodorus bringt den sterbenden Antonius zu Kleopatras Gruft, wo er in Kleopatras Armen stirbt. Als Octavian Alexandria erreicht, willigt Kleopatra unter der Bedingung, dass Caesarion und seine Nachfahren über Ägypten herrschen sollen, ein, mit Octavian nach Rom zu kommen; sie schwört ihm beim Leben ihres Sohnes, sich bis dahin nichts anzutun. Doch in ihren Gemächern trifft Kleopatra sogleich die Vorbereitungen für ihre allerletzte Reise und lässt eine Nachricht an Octavian schicken. Dieser findet jedoch nur noch Kleopatras aufgebahrten Leichnam vor …

Plakatmotiv (US): Cleopatra (1963)

Was zu sagen wäre

Dies ist die Geschichte zweier Großreiche, die durch die Lieb zwischen Mann und Frau zum Faustpfand ihrer Herrschenden wurden. Dies ist die Geschichte einer Filmproduktion, die alles besser machen wollte, als einschlägige Vorgänger wie Die Zehn Gebote oder Ben Hur, und die an ihrem Anspruch scheiterte.

Etwas an diesem Film stimmt nicht. Er verkauft sich als Monumentalstück – was man heute Sandalenfilm nennt – setzt aber seine monumentalen Szenen, eine Seeschlacht, Kleopatras Einzug in Rom und ein paar Massenszenen, ganz dosiert ein, geriert sich mehr als ein Kammerspiel, in welchem Herrscher zwischen Tisch und Bett ein bisschen Weltpolitik betreiben und dabei klug formulierte, sophisticated Dialoge sprechen. Lange schauen wir Caesar und Cleopatra zu, wie sie sich umgarnen, umschmeicheln, wie aus ihrer Liebe ein Sohn hervorgeht. Und die ganze Zeit wirkt Caesar, der große Feldherr, wie ein cleverer, augenzwinkernder Stratege, ein charmanter älterer Herr, der Selbstironie, die sogar die Schwierigkeiten der lateinischen Grammatik umfasst, nicht abgeneigt – „Ich habe Eure Kommentare über Eure Feldzüge in Gallien gelesen.“ „Wie vergleicht sich meine Schreiberei mit der Catulls?“ „Nun, sie ist … anders.“ „Langweilig?“ „Vielleicht ein wenig zu viel Beschreibung.“ „Ihr seit taktvoll. Kritiker, wie Brutus zum Beispiel, finden mein Latein grammatisch falsch und zudem ordinär.“ – , der ein junges Mädchen, eine Nichte vielleicht, in dessen Palast besucht und das er später zu sich nach Hause einlädt, was sie nutzt, um in einem etwas zu pompösen Luxuswagen vorzufahren; Liebe sehen wir nicht.

Wenn nach über einer Filmstunde Marcus Antonius die Bühne betritt, ist Caesar gleichzeitig abgemeldet. Da wird der ironische ältere Herr verdrängt von der wortgewaltigen, virilen Kraft des Richard Burton („Der längste Tag“ – 1962; „Das Gewand“ – 1953). Da wird aus dem kaiserlich-pharaonischen Kammerspiel ein Shakespeare-Stück, in dem Marcus Antonius noch einmal Auszüge aus jener berühmten Grabrede auf Caesar hält und den Eindruck des Bühnenstücks verstärkt. Zwischen diesen beiden Polen – hier der ironische ältere Herr, dort der kraftstrotzende, omnipotente Mann – oszilliert Elizabeth Taylor als Titelheldin Kleopatra („Telefon Butterfield 8“ – 1960; „Plötzlich, im letzten Sommer“ – 1959; „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ – 1958; „Giganten“ – 1956; „Ivanhoe – Der schwarze Ritter“ – 1952). Die Leidenschaft der Taylor ist Segen und Fluch dieses Films gleichermaßen.

Taylor war auch Koproduzentin des Films. Das gab ihr Macht über die Produktion. So drückte sie zum Beipiel durch, dass der Film im Todd-AO-Format produziert wurde, das ihr 1958 verstorbener Ehemann Michael Todd entwickelt hatte und an dem sie als Erbin immer noch mitverdiente. Das tut dem Film nicht weh, zeigt aber ihren Einflussbereich. Wegen Taylor mussten die Dreharbeiten immer wieder unterbrochen werden, weil sie schwer erkrankte. Eine andere Produktion hätte irgendwann die Reißleine ziehen, Cleopatra neu besetzen können; aber eine Produzentin kann man nicht entlassen. Taylor wurde krank, mehrmals. Deshalb mussten die Arbeiten am Film immer unterbrochen werden. Anstatt von sich aus zu gehen, wurden andere ausgetauscht.

Regisseur Rouben Mamoulian wurde durch Joseph L. Mankiewicz ersetzt, der in der Postproduktionsphase wiederum durch Darryl F. Zanuck ersetzt wurde. Rex Harrison als Caesar und Richard Burton als Marcus Antonius waren Ersatz für Peter Finch (Geschichte einer Nonne – 1959) und Stephen Boyd (Ben Hur – 1959), die nach den monatelangen Produktionsverzögerungen ausscheiden mussten, weil sie andere Verpflichtungen hatten. Das alles war einer kontinuierlichen Arbeit an einem emotionalen Monumentalstück wie diesem nicht zuträglich, zumal sich Taylor und Burton – Cleopatra und Marcus Antonius – am Set ineinander verliebten, dadurch für empörte Schlagzeilen in der Presse sorgten – beide waren anderweitig verheiratet – und ihr Spiel nicht spielen konnten; sie wirken, als wollten sie unter allen Umständen vermeiden, ihre Liebe vor der kamera auszuleben, weshalb sie … übertreiben.

Ihre Szenen, mal die flammende Liebe, mal der blanke Hass, wirken wie für die Bühne gespielt: laut, gestenreich, dramatisch! Das wirkt – vor allem bei Burton – großartig im Moment, zeigt Emotion, aber kein Gefühl. Die Emotionen des Liebespaares sind schön künstlich so wie die Kulissen schön sind – und künstlich.

Elizabeth Taylor ist Cleopatra. Ich kann der Schauspielerin nicht die Fähigkeit zur Präsenz absprechen, zwischen leiser Drohung und laut herausgeschrienem Liebestremolo ist sie ganz ergeben gefeierte, arrogante Herrscherin über Ägypten. Aber dafür, dass sie der eine Pfeiler von zweien ist, auf denen dieses Shakespeare-Drama, das Shakespeare nie geschrieben hat, steht, ist entweder die Backup-Story über das römische Reich und Cleopatras Ägypten, die die Romanze tragen muss, zu dünn. Oder das Drama ist schlicht zu lang.

 

Wertung: 4 von 7 D-Mark
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