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Plakatmotiv: Telefon Butterfield 8 (1960)

Ein zähes Melodram
für einen großen Star

Titel Telefon Butterfield 8
(BUtterfield 8)
Drehbuch Charles Schnee + John Michael Hayes
nach dem gleichnamigen Roman von John O’Hara
Regie Daniel Mann, USA 1960
Darsteller

Elizabeth Taylor, Laurence Harvey, Eddie Fisher, Dina Merrill, Mildred Dunnock, Betty Field, Jeffrey Lynn, Kay Medford, Susan Oliver, George Voskovec u.a.

Genre Drama
Filmlänge 109 Minuten
Deutschlandstart
23. Dezember 1960
Inhalt

Gloria Wandrous ist das heißeste Callgirl der Stadt New York. In vielen Nachtclubs ist die schöne Frau bekannt, wie ein bunter Hund. Sie hat schon so einige Männerbekanntschaften hinter sich und viele Verehrer um den Verstand gebracht.

Doch Gloria ist auch wild und unberechenbar. Kein Mann kann sie zähmen. Nur in ihrem Freund Steve Carpenter hat sie eine treue Seele gefunden. Er verurteilt sie nicht. Er verachtet sie nicht – auch wenn das Steves Freundin Norma alles andere als gut findet.

Plakatmotiv (US): Telefon Butterfield 8 (1960)Als Gloria den ebenso schwerreichen wie desillusionierten Weston Liggett kennenlernt, wirft sie das total aus der Bahn. Sie will es nicht, dennoch verliebt sie sich in ihn – und er sich in sie.

Doch wie eine Liebe zwischen zwei solchen Menschen funktionieren könnte, steht in den Sternen geschrieben …

Was zu sagen wäre

Ohne Gloria ist dieses Lokal tot. Sie ist für die Männer, was Baldrian für Kater ist.“ Das ist mal eine Schlagzeile: Elizabeth Taylor, einer der größten, wenn nicht momentan gar der größte Star von Hollywood, spielt ein leichtes Mädchen (Plötzlich im letzten Sommer – 1959; Die Katze auf dem heißen Blechdach – 1958; Giganten – 1956; "Ivanhoe – Der schwarze Ritter" – 1952; Quo Vadis – 1951; "Ein Geschenk des Himmels" – 1951; Vater der Braut – 1950).

Dass dieses Berufsbild von der Hauptdarstellerin eines Filmes aus Hollywood gespielt wird, zeigt nur, dass es zunehmend schwerer fällt, den Hays-Code durchzusetzen – jene Zusammenstellung von Richtlinien zur Herstellung von moralisch einwandfreien Spielfilmen, die regeln, wie Kriminalität sowie sexuelle und politische Inhalte moralisch akzeptabel dargestellt, reguliert und überwacht werden können.

Dass Liz Taylor diese Frau spielt, zeugt einerseits von Mut der Schauspielerin, anderseits von einer gewissen Bosheit des MGM-Studios. Taylor wollte nämlich weg von MGM, sie hatte das Angebot vorliegen, für die Gage von einer Million Dollar die ägyptische Königin Cleopatra zu spielen; aber sie war noch für einen Film an MGM und deren Gagen von 125.000 Dollar je Film gebunden. Und so spielt sie nun Gloria: „Ich war die bekannteste Hure in der ganzen Stadt!“ Das ist die Schlagzeile.

Plakatmotiv (US): Telefon Butterfield 8 (1960)Der Rest ist ein Schuld-und-Sühne-Drama, das Schuld mit Schicksal verwechselt. Taylor spielt eine junge Frau aus deformiertem Elternhaus, schon als 13-Jährige von Freunden der Mutter missbraucht. Das gefiel ihr, zeigte ihr das doch, dass sie Macht über Männer hat, die sie in den folgenden 15 Jahren weidlich ausspielt. Darüber hat sie vergessen, sowas wie einen Beruf zu erlernen, sich eine Perspektive aufzubauen und als sie sich wiederfindet als unglücklich verliebte Frau, da glaubt sie, es sei ihre Schuld, dass alles so gekommen ist, und nicht etwa Schicksal, dem man kaum von der Schippe springen kann. Ihr größtes Unglück ist, dass der Mann, in den sie sich verliebt, Weston Liggett, ähnlich kaputt ist; ein gerissener Aufsteiger, smart, gut aussehend und reich geheiratet. Seitdem fühlt er sich nutzlos, weil er seinen Vorstandsposten im Chemiekonzern seiner Frau zu verdanken hat, der der Chemiekonzern gehört. Da treffen sich zwei Opfer der Gesellschaft, spielen ihre eingeübten Rollen – sie der fröhliche Zeitvertreib, er der harte Macho, der die Drinks spendiert – und scheitern dramatisch.

Um diese Paarkonstellation herum orchestriert Regisseur Daniel Mann allerlei Figuren aus dem psychologischen Handbuch: Glorias bester Freund Steve (gespielt von Taylors Ehemann Eddie Fisher), der ihre Herkunft kennt, bei dem sie sich nicht verstellen muss; ihre Mutter, die sich so in ihre Schuldgefühle vergraben hat ob all dieser widerlichen Freunde von einst, dass sie ihrer Tochter alles durchgehen lässt und eine Erziehung hin zu einem funktionierenden Leben eingestellt hat; Norma, Steves Verlobte, die den Zuschauer daran erinnert, wie es eigentlich laufen sollte zwischen Mann und Frau; und Norma Liggett, die distinguierte Gattin Westons, die jedes Verständnis für ihren nach Anerkennung strebenden Mann hat, ihn Seitenspringen lässt und nur hofft, er möge eines Tages zu ihr zurück finden.

Mit diesen Figuren wird das Drama, fast ein Melodram, durchdekliniert, ohne je Spannung zu erzeugen. Es sagt einiges aus, dass der Film handlungsfrei damit beginnt, dass wir Elizabeth Taylor dabei zusehen, wie sie im knappen Seiden-Negligée aufwacht, aufsteht, durch eine Suite wandert, einen Bourbon trinkt und Zigaretten sucht. Das, was ausgesagt werden soll, kann man natürlich in zwei Minuten erzählen; aber wenn man nichts zu erzählen hat, mag es sinnvoll erscheinen, dem zahlenden Zuschauer die halbnackte Liz Taylor zu zeigen.

Wertung: 3 von 7 D-Mark
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