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Plakatmotiv: Ivanhoe – Der schwarze Ritter (1952)

Bunter Abenteuerfilm mit Appell an die
Verständigung der religiösen Vielfalt

Titel Ivanhoe – Der schwarze Ritter
(Ivanhoe)
Drehbuch Noel Langley & Æneas MacKenzie & Marguerite Roberts
nach dem Roman Ivanhoe von Sir Walter Scott
Regie Richard Thorpe, UK, USA 1952
Darsteller

Robert Taylor, Elizabeth Taylor, Joan Fontaine, George Sanders, Emlyn Williams, Robert Douglas, Finlay Currie, Felix Aylmer, Francis De Wolff, Wooland, Sydney, Harold Warrender, Patrick Holt, Roderick Lovell, Sebastian Cabot u.a.

Genre Abenteuer, Drama
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
28. März 1953
Inhalt

England im Jahr 1190: Der englische König Richard Löwenherz wird auf der Rückkehr aus dem Heiligen Land gefangen genommen. Sein Ritter Wilfred von Ivanhoe, ein Sachse, findet ihn nach langer Suche als Geisel von Leopold von Österreich. Der fordert eine ungeheure Summe für die Freilassung des Monarchen. Richards infamer Bruder John, der die Herrschaft an sich gerissen hat, weiß von Richards Verbleib, genießt die Macht jedoch zu sehr, als dass er ihm helfen würde.

Ivanhoe bittet seinen Vater Cedric um das Lösegeld, doch der lehnt schroff ab. Zur selben Zeit wird der jüdische Kaufmann Isaac von York von der Entourage der normannischen Ritter Sir Brian de Bois-Guilbert und Sir Hugh de Bracy überfallen. Ivanhoe rettet ihn und bietet ihm Geleitschutz ins heimatliche Sheffield. Aus Dankbarkeit für die Rettung ihres Vaters besucht Isaacs Tochter Rebecca Ivanhoe und schenkt ihm Juwelen, damit er sich für ein anstehendes Turnier rüsten kann. Dabei verliebt sich die junge Jüdin in den Ritter, wohl wissend, dass der Standesunterschied zwischen ihnen eine Liebesbeziehung unmöglich macht.

Beim Turnier kommt es zum Zweikampf zwischen Bois-Guilbert und Ivanhoe, die beide für Rebecca entflammt sind. Ivanhoe, der als unbekannter schwarzer Ritter in das Turnier gegangen ist, wird verletzt und flieht in die Wälder. Plakatmotiv: Ivanhoe – Der schwarze Ritter (1952) Auch Rebecca muss flüchten und wird gefangen genommen. Jetzt steht die jüdische Gemeinde vor dem Dilemma, das als Lösegeld für König Richard gesammelte Geld für ihre Glaubensgenossin zu verwenden, die von Prinz John als Hexe angeklagt wird …

Was zu sagen wäre

Eine Geschichte aus dem England des 12. Jahrhunderts, als es geschwächt durch den mittlerweile 13. Kreuzzug seiner Könige und der Abwesenheit seiner Ritter leichtes Opfer wurde für die Normannen unter dem Erbschleicher John, Bruder des rechtmäßigen Königs Richard. Wir kennen die Geschichte ein bisschen, weil in dieser Zeit auch die Abenteuer des Robin Hood angesiedelt sind, der in diesem Film hier als Locksley in Erscheinung tritt, Anführer der Geächteten, die sich im Sherwood Forrest verschanzt haben. Mit der realen Historie haben diese Geschichten nur wenig mehr gemein als dass es einige der handelnden Personen tatsächlich gegeben haben soll.

"Ivanhoe" ist aber kein Dokumentarfilm, sondern ein Abenteuerfilm über edle Kämpfer, holde Maiden, Usurpatoren und feige Verräter. Und dies in schönstem Technicolor; die Farben der Ritter strahlen in schönsten Grundfarben, die Landschaften sind in sattes Grün getaucht. Der deutsche Untertitel "Der schwarze Ritter" führt ein wenig in die Irre, denn die schwarze Rüstung trägt Ivanhoe nur einmal bei dem ersten Turnier, als er dem falschen König John klar macht, dass ein neuer Sheriff in der Stadt ist. In der Romanvorlage von Walter Scott steckt König Richard unerkannt in der schwarzen Rüstung. Im Film macht Ivanhoe, außer bei diesem ersten Turnier, keinen Hehl daraus, wer er ist und auf wessen Seite er steht. Irritierend ist auch, dass Ivanhoes Vater ihn verstoßen hat, weil Ivanhoe König Richard in die Kreuzzüge gefolgt ist und ihn dann – plötzlich – wieder aufnimmt; ein erzählerischer Schachzug, um Erzählzeit zu schinden, die inhaltlich kaum Sinn ergibt – wenn man davon absieht, dass dadurch natürlich die dramaturgische Fallhöhe des Helden steigt; Väter und Söhne sind im Hollywoodkino immer ein psychologisch aufgeladenes Konstrukt.

Einen Schwerpunkt legt der bunte Abenteuerfilm auf das Schicksal der Juden im England jener Zeit, die ein abgegrenztes Dasein in der Gesellschaft fristen, ausgeplündert von König Richard, damit der seine Kreuzzüge finanzieren kann, argwöhnisch beäugt von den Christen und abgelehnt von den gerade herrschenden Normannen, die nicht etwa aus den heute skandinavischen Ländern nach England kamen. Diese Normannen haben alle französisch klingende Namen, denn sie kamen aus der französischen Normandie, die so heißt, weil ihre Vorfahren hier im Jahr 911 als aus dem Norden kommende Wikinger vom Fränkischen Reich aufgenommen worden waren, das Christentum annahmen und sich rasch integrierten. Im Grunde ist es also immer der alte Streit zwischen französischen und englischen Reichen, der in diesen Abenteuerfilmen behandelt wird. Plakatmotiv (US): Ivanhoe (1952) Schließlich verbünden sich Angelsachsen* (die der Film als die wahren und echten Engländer betrachtet) und Juden gegen die Normannen und bringen gemeinsam den Frieden. Ein seltener Appell zur Verständigung der Völker in einem bunten Abenteuerfilm. Und was für ein Abenteuer das ist.

Zum Höhepunkt des Films inszeniert Richard Thorpe einen Angriff auf die Burg Torquilstone von Ritter Brian De Bois-Guilbert. Von außen drängt Locksley mit seinen Männern, von innen kämpfen Ivanhoe und seine entwaffneten Mitstreiter. Ein epischer Kampf. Wenn Michael Curtiz' Robin Hood mit seinen Schwert-Duellen als Mutter aller Abenteuerfilme gilt, dann hebt diese Schlacht um Burg Torquilstone den vorliegenden Film in den Stand der Mutter aller Ritterfilme.

Die größere Schlacht, die ohne Schwert, ohne Gewalt, liefern sich zwei Frauen um die Gunst des Helden, die eigentlich nach zehn Filmminuten entschieden schien. Ivanhoe liebt die blonde, zarte Lady Rowena – und die liebt ihn. Aber dann kommt Rebecca, die Tochter des jüdischen Isaac von York, dunkelhaarig, glutäugig, feurig, Elizabeth Taylor (Quo Vadis – 1951; Vater der Braut – 1950). Den Zuschauer führt dieses Beziehungsdreieck in ein Dilemma: Ivanhoe hat doch seiner zartblonden Geliebten, gespielt von der ätherisch schönen Joan Fontaine (Verdacht – 1941; Rebecca – 1940) längst die Treue versprochen; und jetzt kommt diese Feurige, die nahezu alle männlichen Kinozuschauer aus dem Sessel haut? Diesem unverblümt sexistischen Dilemma entgeht der Film am Ende durch die Glaubensfrage: Im 12. Jahrhundert ist es noch unmöglich, dass ein Christ eine Jüdin ehelicht. Also stellt Rebecca kurzerhand fest, dass Ivanhoe eigentlich doch immer seine Rowena geliebt hat und geht mit ihrem greisen Vater und der Gemeinde in Respekt ihren Weg.

<Nachtrag2001>"Ivanhoe" war der erste Film der Ritter-Trilogie des Dreiergespanns Pandro S. Berman (Produktion), Richard Thorpe (Regie) und Robert Taylor (männliche Hauptrolle). Er beschäftigt sich mit dem Höhepunkt der Ritterzeit unter König Richard Löwenherz, während der Nachfolger Die Ritter der Tafelrunde (1953) sich den Anfängen unter König Artus und der dritte Film "Liebe, Tod und Teufel" (1955) dem Ende dieser Ära widmete.

Auf dem Gelände der britischen MGM-Studios in Borehamwood wurde für "Ivanhoe" eine riesige Burganlage errichtet, die später für weitere Ritterfilme genutzt wurde. Die Dreharbeiten fanden von Juli bis September 1951 statt. Ein weiterer Drehort war Doune Castle in Schottland. Das Budget des Films lag bei knapp vier Millionen Dollar.</Nachtrag2001>

Wertung: 5 von 6 D-Mark
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