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Plakatmotiv: Bis zur letzten Stunde (1948)

Eine moralische Geschichte
in einem düsteren Setting

Titel Bis zur letzten Stunde
(Kiss the Blood Off My Hands)
Drehbuch Leonardo Bercovici & Walter Bernstein
nach dem Roman "Kiss The Blood Off My Hands" von Gerald Butler
Regie Norman Foster, USA 1948
Darsteller

Joan Fontaine, Burt Lancaster, Robert Newton, Lewis L. Russell, Aminta Dyne, Grizelda Hervey, Jay Novello, Colin Keith-Johnston, Reginald Sheffield, Campbell Copelin, Leyland Hodgson, Peter Hobbes, Harry Allen, Jimmy Aubrey, Timothy Bruce, George Bunny, Melinda Byron, Valerie Cardew u.a.

Genre Drama, Krimi
Filmlänge 79 Minuten
Deutschlandstart
20. November 1953
Inhalt

1948: Bill Saunders ist ein in London gestrandeter kanadischer Weltkriegsveteran, der nach zwei Jahren in deutscher Gefangenschaft psychisch labil ist und zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen neigt. Bei einem Streit in einer Kneipe tötet Saunders versehentlich einen Mann, kann aber unentdeckt entkommen.

Allerdings hat der Schwarzmarkthändler Harry Carter den Vorgang beobachtet. Auf der Flucht vom Tatort klettert Saunders durch ein offenes Fenster in ein Haus und landet im Schlafzimmer der einsamen Krankenschwester Jane Wharton, die ihm spontan Unterschlupf gewährt.

Am nächsten Tag verliert Saunders jedoch erneut die Nerven und schlägt einen Polizisten nieder, wofür er zu einem halben Jahr Haft verurteilt wird. Nach seiner Entlassung versucht Carter, Saunders mit seinem Wissen um die Geschehnisse in der Kneipe zu erpressen, während Jane alles daran setzt, ihn von einem anständigen Leben mit ihr zu überzeugen …

Was zu sagen wäre

Der Weltkrieg ist vorbei, die Städte werden wieder aufgebaut. Zurück bleiben menschliche Ruinen. Die Opfer, die der Krieg hinterlässt, können nicht repariert werden. Mit dieser Prämisse startet der Film seine Geschichte. Sie spielt in den dunklen Seitenstraßen Londons, in denen Pubs, Glücksspiel und Frauen auf das Geld der Versehrten scharf sind. Hier eine heile Haut zu behalten, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne, ist schwer.

Im Mittelpunkt des Films stehen Bill und Jane. Er ein Kriegsveteran nach traumatischer Kriegsgefangenschaft, sie ein einsames Herz, die ihren Mann im Krieg verloren hat. Bill hatte kein gutes Leben, wurde von seinem versoffenen Vater geprügelt, in der Schule gehänselt. Nach seinen Kriegserfahrungen hat er eine sehr kurze Lunte und neigt zu Gewaltausbrüchen. Der ehemalige Artist Burt Lancaster mit den Gesichtszügen eines freundlichen Jungen aus der Nachbarschaft ist in dieser Rolle, die viel Beweglichkeit erfordert, gut besetzt (Du lebst noch 105 Minuten – 1948).

Jane hingegen lebt zurückgezogen das Leben einer fleißigen Krankenschwester, immer da, hilfsbereit, erwartet sie nichts mehr vom Leben. Als Bill ihr auf seiner Flucht ins Schlafzimmer stolpert, ist sie auch wieder hilfsbereit und erwartet lediglich, dass der fremde Mann bis zum Abend aus ihrer Wohnung verschwunden ist. Plakatmotiv (US): Kiss the Blood Off My Hands (1948) Für Joan Fontaine ist der Auftritt als einsame, aber tatkräftige Krankenschwester eine Abkehr von ihren sonstigen Rollen als Dame der besseren Gesellschaft in Kostümfilmen ("Ich küsse Ihre Hand, Madame" – 1948; Verdacht – 1941; Rebecca – 1940).

Der Film braucht viele Szenen, um zum Kern seiner Geschichte zu kommen. Bill und Jane verlieben sich und man weiß nicht genau, ist es Mitleid für den gequälten Verfolgten und Dank für die freundliche Hilfe, oder lieben die sich wirklich? Bill ist nicht ehrlich, verheimlicht Jane den Toten im Pub, für den er, auch wenn es ein Unfall war, verantwortlich ist. Jane versteckt sich hinter ihrer Naivität und fragt lieber nicht zu hartnäckig. Dies ist ein Film aus dem Jahr 1948. Damals waren Frauen noch nicht emanzipiert, gleichberechtigt und eigenständig. Sie waren in vielerlei Hinsicht von Männern abhängig.

Nachdem sie in Notwehr einen Mann ersticht, der sie vergewaltigen wollte, verfällt die eben noch so pragmatische Frau in die weibliche Opferrolle, weiß sich nicht zu helfen, braucht den Mann an ihrer Seite. Das ist den gesellschaftlichen Umständen und Hollywood jener Zeit geschuldet, der Traumfabrik, in der Frauen dem Manne nicht ebenbürtig sein können – Männer prügeln, Frauen mahnen. So überrascht es nicht, dass Jane ihren Peiniger nur verletzt, keineswegs getötet hat; das besorgt der Schurke schließlich selbst, als er einmal mehr Bill erpressen will.

Obwohl der Film unbedingt düster sein will, die Gassen sind dunkel und eng, ständig regnet es, lässt er das gebeutelte Paar am Ende nicht in ein anderes Land fliehen, wo beide ein neues Leben beginnen könnten. Bill, Mann der Tat, würde das tun. Hier behält Jane, die sanfte Hollywood-Frau, die moralische Oberhand. Sie überzeugt Bill, auf die Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu vertrauen und sich zu stellen. Das ist kein befriedigendes Ende, aber 1948 wohl die bessere Botschaft an die Zuschauer gewesen.

Wertung: x von 6 D-Mark
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