Kinoplakat: Carol
Eleganter Langeweiler mit
großen Schauspielerinnen
Titel Carol
(Carol)
Drehbuch Phyllis Nagy
nach einem Roman von Patricia Highsmith
Regie Todd Haynes, UK, USA 2015
Darsteller Cate Blanchett, Rooney Mara, Kyle Chandler, Sarah Paulson, Jake Lacy, John Magaro, Cory Michael Smith, Kevin Crowley, Nik Pajic, Carrie Brownstein, Trent Rowland, Sadie Heim, Kk Heim, Amy Warner, Michael Haney u.a.
Genre Drama, Romantik
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
17. Dezember 2015
Inhalt

Im New York der 1950er-Jahre führt Carol eine unerfüllte Ehe mit ihrem wohlhabenden Mann Harge. Sie lernt die junge Therese kennen, die in einem Kaufhaus arbeitet und von einem besseren Leben träumt. Auf einer gemeinsamen Reise entwickelt sich eine ganz besondere Bindung zwischen ihnen – und schließlich die große Liebe.

Harge will das neue Glück seiner Frau jedoch nicht akzeptieren. Er beauftragt einen Privatdetektiv damit, dem frisch verliebten Paar zu folgen und entscheidende Beweise für das laufende Scheidungsverfahren zu sammeln.

Carol muss schon bald um das Sorgerecht ihrer geliebten Tochter kämpfen. Ihr Mann versucht es ihr mit allen Mitteln zu nehmen …

Was zu sagen wäre

Ein Schauspielerinnenfilm ohne Backstory. Das eigentliche Drama dieses Films ist, dass er außer seinen beiden Hauptdarstellerinnen und der huihuihuiii schlüpfrigen Liebesgeschichte – wir schreiben immerhin noch die prüden 1950er-Jahre – nichts zu erzählen weiß, dass wir nicht schon vor langer Zeit – quasi mit der Muttermilch – assimiliert haben.

Ähnlich einem KZ-Film, bei dem man auch immer schon weiß, dass die mit dem Hakenkreuz am Arm ganz arg böse und die Liebenden ganz arg unschuldig leidend sind, ist es hier mit der verbotenen Liebe zwischen Frau und Frau – zwischen älterer Dame und junger Verkäuferin – bei der weder das sozialle Gefälle noch das Alter eine Rolle spielt. Beide sind zum Gott erbarmen vernünftig, realistisch und nebenbei verliebt. Und wenn es dann ernst wird zwischen den beiden, heben Streicher und Holzblasinstrumente an, auf dass sich der Zuschsuer im Saal nicht allzusehr mit allein mit dem Gesehenen auseinandersetzen muss – nackte Brüste abstrahieren sich zu Streicherklängen besser.

Diese Liebesgeschichte lebt allein über ihre drei Hauptdarstellerinnen. Cate Blanchett gibt die elegante Dame im Pelz, gefangen in gesellschaftlichen Konventionen; das spielt sie gewohnt souverän (Monuments Men – 2014; Blue Jasmine – 2013; Wer ist Hanna? – 2011; Robin Hood – 2010; Der seltsame Fall des Benjamin Button – 2008). Zum Finale hält sie noch die flammende Rede wider den frigiden Zeitgeist, die in ihrem Vernunft betonten Duktus an den guten alten Kramer gegen Kramer (1979) erinnert. Rooney Mara (Her – 2013; Side Effects – 2013; Verblendung – 2011; the social network – 2010) genügen in den meisten Szenen ihre beeindruckend großen Augen, die naiv in die Welt blicken, dazu ein paar wenige Blicke, um neben der australischen Großschauspielerin zu bestehen. Schließlich ist da die Kamera, die ruhig beobachtet, ohne zeitgenössisches Gewackel, die die Liebesgeschichte in sanftweiche Pastelltöne in eleganter Kulisse taucht. Aber da ist eben auch das Script, das wirkt, als sei es für ein Publikum der gezeigten 1950er Jahre geschrieben.

Damals wäre ein Film über eine lesbische Liebe völlig ausreichend gewesen, ja, hätte einen Skandal ausgelöst. Heute ist so etwas eine einfache Liebesgeschichte; wenn die Backstory nicht mehr zu bieten hat, als zornige Ehemänner und professionelle Privatdetektive – ohne weitere Aussage – wird es im Laufe der zwei Filmstunden bald fad.

Großartig gespielt, bezaubernd fotografiert, aber mit zu viel Musik und zu wenig Story.

Wertung: 4 von 8 €uro