IMDB

Plakatmotiv (US): The Bricklayer (2023)

Eine Agenten-Klamotte, die man
auch einfach stehen lassen kann

Titel The Bricklayer - Tödliche Geheimnisse
(The Bricklayer)
Drehbuch Hanna Weg & Matt Johnson
nach dem gleichnamigen Roman von Paul Lindsay aka Noah Boyd
Regie Renny Harlin, USA, Bulgarien, Griechenland 2023
Darsteller

Aaron Eckhart, Nina Dobrev, Clifton Collins Jr., Tim Blake Nelson, Ilfenesh Hadera, Oliver Trevena, Akis Sakellariou, Ori Pfeffer, John T. Woods, Konstantin Adaev, Zachary Willis, David Kennedy, Veronica Ferres, Johanna Harlin, Anastasia Doumtsis, Mihalis Siriopoulos, Teodora Djuric, Cristina Serafini u.a.

Genre Action
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
18. April 2024 (Bluray-Edition)
Inhalt

Die Central Intelligence Agency wird von einem abtrünnigen Ex-Mitarbeiter erpresst. Er ermordet mehrere ausländische Journalisten und lässt es dabei so aussehen, als wären CIA-Agenten dafür verantwortlich.

Nachdem sich zunehmend andere Nationen gegen die USA wenden, holt die CIA den früheren Mitarbeiter Steve Vail aus dem Ruhestand in den aktiven Dienst zurück. Vail und der Erpresser, Victor Radek, waren früher einmal Partner und enge Freunde, bis Radeks Familie brutal ermordet wurde. Jetzt soll Vail Radek ausschalten. Unterstützt wird er dabei von der als Aufpasserin abkommandierten Kollegin Kate …

Was zu sagen wäre

Und wieder ein ausgestiegener Agentenprofi, der von seinen ehemaligen Bossen zurückgeholt wird, weil er der einzige ist, der den aktuellen Fall knacken kann. Die Idee ist nicht ganz neu. Harte Männer und Frauen, die ein friedliches Leben gefunden haben und unversehens zurück in den blutigen Dienst müssen, haben wir in ungefähr 7.386 anderen Filmen vorher schon gesehen. Sie unterscheiden sich in der Form ihres neuen, friedlichen Zivillebens. Mal hat er sich in die ferne Berghütte zurückgezogen, mal ist sie Hausfrau und Mutter geworden, einer fand Heil bei fernöstlichen Mönchen, eine hatte ein Problem mit ihrer Impulskontrolle, der aktuelle Vertreter des Wiedereinstiegs hat sein Glück im Leben eines Maurers gefunden, weil da „ein Ziegel durch seine Form seine Funktion vorgibt. Und nichts anderes“.

Geht es in der Folge um eine Militäroperation, knattert andauernd eine Stars-&-Stripes im Gegenlicht eines Stützpunktes mit marschierenden und singenden Soldaten, handelt es sich in der Folge um eine CIA-Mission, ist der Auftraggeber ein undurchsichtiger Finsterling, wenn möglich mit schiefem Gesicht, der in einem Gebäude sitzt, das aus mehr Glas als Stahlbeton zu bestehen scheint. In zwei von drei Fällen ist der Held mit dem Schurken verwandt, mal befreundet gewesen oder hat sonst eine Rechnung mit ihm offen. Herzlich willkommen bei "The Bricklayer", dem jüngsten Werk des Actionfilmes Renny Harlin (The Misfits – Die Meisterdiebe – 2021; Devil's Pass – 2013; Driven – 2001; Deep Blue Sea – 1999; Tödliche Weihnachten – 1996; Die Piratenbraut – 1995; Cliffhanger – Nur die Starken überleben – 1993; "Ford Fairlane – Rock'n' Roll Detective" – 1990; Stirb Langsam 2 – 1990; Nightmare on Elm Street 4 – 1988).

Auch im weiteren unterscheidet sich der Film nicht von anderen Vertretern des Genres Agenten-Action. Die Hauptfigur bekommt eine junge Aufpasserin an die Seite, die in wenigen Filmminuten als in der Unterwelt unerfahren kieksendes Häuflein Elend entlarvt wird, aber sportlich attraktiv auftritt. Plakatmotiv (US): The Bricklayer (2023) Dazu gibt es einen ehemaligen Informanten/Zuträger/Assistenten, der jetzt Boss des großen, angesagten Clubs der Stadt ist, wo er in einem mit elegant roter Kordel abgesperrten Bereich seinen Drogen und Frauen fröhnt, bis der Club in der nächsten Szene durch eine Prügelei komplett zu Bruch geht. Aus meistens ein Schauplatz: ein mondänes Appartement mit viel Marmor, Stahl und vor allem Glas, welches bei einer weiteren Schlägerei zu Bruch geht.

Und Schlägereien gibt es viele in diesem Film. Steve Vail hat in einer Nacht gleich zwei, bei der soviel Glastische, Fenster, Flaschen, Gesichtsknochen, Arme, Beine, Nasen zu Bruch gehen, dass er froh sein kann, dass sich nichts davon an seinem Körper befindet. Aaron Eckhard hat sich in seiner Karriere mittlerweile in so vielen B-Movie-Prügeleien verdingt, dass er einfach Übung im Prügeln hat ("Rumble Through the Dark" – 2023; "Muzzle – K-9 Narcotics Unit" – 2023; 64 Minutes – Wettlauf gegen die Zeit" – 2019; Midway – Für die Freiheit – 2019; Sully – 2016; London Has Fallen – 2016; Olympus Has Fallen – 2013; The Dark Knight – 2008; Black Dahlia – 2006; "Thank You for Smoking" – 2005; Paycheck – Die Abrechnung – 2003; The Missing – 2003; "The Core – Der innere Kern" – 2003; Das Versprechen – 2001; Nurse Betty – 2000; Erin Brockovich – 2000; An jedem verdammten Sonntag – 1999); sein Vail kommt immer mit wenigen Schrammen da raus, selbst ein Sprengsatz in einem verschlossenen Kellerloch kann ihm, bis auf kurzzeitige Gehörprobleme, nichts weiter anhaben.

Zwischendurch gibt es gefühlige Rückblenden an einen sonnigen Strand, an dem Vail und sein damaliger Kumpel Victor Radek mit seiner schwangeren Frau und einer Tochter eine gute Zeit verbringen und Pläne für Radek machen, der in den USA ein neues Leben beginnen will, aber ein so guter CIA-Killer war, dass die CIA ihn einfach nicht ziehen ließ und erst Radeks Familie umbringen ließ und dann ihn selbst. Irgendwas hat da nicht geklappt. Während Radek blutüberströmte Familie mehrfach fachtauglich ins Bild geschoben wird, konnte Radek selbst einfach so verschwinden. So einfach, wie Vail heute auch nach Jahren außer Dienst immer noch jede Sprengfalle auf viele Meter Entfernung riecht und nicht einen Fehler in der ganzen Verfolgungsarie macht. Kurz: Da stehen sich zwei echte Profis gegenüber, die sich in bester Freundschaft ans Leben wollen. Irgendwann lernen wir auch Vails Ex-Freundin kennen, die ihn einst der Karriere wegen hat sitzen lassen, jetzt das CIA-Büro in Griechenland leitet und so klassisch schön geschminkt ist wie sie undurchsichtig ist. Ihre Rolle in dem Film ist lange so überflüssig – wieso muss der Held eine melancholische Liebesgeschichte haben? Um seine für einen Kinohelden wichtige weiche Seite könnte sich doch auch seine Kollegin kümmern, die von Explosion zu Explosion lockerer wird –, dass sie unbedingt im Finale die ganz große Bedeutung bekommen muss.

Das Drehbuch ist durchgängig von der Stange gekauft, die Action mittelmäßig – wenn man bedenkt, dass Renny Harlin einst Flughäfen und Bergpanoramen sprengen ließ, sind ein paar schnell geschnittene Autojagden und explodierende Granaten hier und da kaum der Rede wert. Die Darsteller sagen Sätze auf, die im Drehbuch stehen, ohne mit Ihnen etwas zu tun zu haben, sind aber wenigstens schön anzuschauen.

Wertung: 2 von 8 €uro
IMDB