Irgendwo in den Tiefen des Alls, jenseits der Grenzen der Föderation arbeitet ein Kommandounternehmen der "Sektion 31", des Geheimdienstes der Föderation. Die Männer, Frauen und Chamäleoniten sollen Philippa Georgiou kontaktieren, ehemalige Imperatorin des terranischen Universums – dem Spiegeluniversum.
Mit ihr zusammen soll der Kommandotrupp eine galaktische Bedrohung finden und ausschalten. Niemand weiß, welcher Art diese Bedrohung ist und was sie anrichtet. Philippa Georgiou schließt sich der geheimen Abteilung an und muss sich den Sünden ihrer Vergangenheit stellen …
Rein organisch betrachtet ist "Star Trek: Sektion 31" Fleisch vom Fleisch der Star-Trek-Serie "Discovery", die ab 2017 in fünf Staffeln die Abenteuer des in die ferne Zukunft geschleuderten Raumschiffs Discovery erzählte. "Sektion 31" sollte ein Serien-Spin-off von "Discovery" werden; immerhin gab es da noch eine reizvolle Figur: Philippa Georgiou, Imperatorin des Paralleluniversums der Terraner, die in der ersten Staffel enttarnt worden war, in der dritten wieder auftauchte und dann auf Nimmerwiedersehen verschwand.
Aus diesem "Discovery"-Spin-off ist nie etwas geworden, weil andere Star-Trek-Serienprojekte dazwischen kamen. Und offensichtlich auch, weil die Idee des Spin-offs in dem von Gene Roddenberry erfundenen Star-Trek-Universum nicht zündet. Was zu beweisen ist, indem man sich diese Resteverwertung des schließlich gestorbenen Projektes anguckt. Im Zentrum steht die von Michelle Yeoh (Everything Everywhere All At Once – 2022; Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings – 2021; Last Christmas – 2019; Guardians of the Galaxy Vol. 2 – 2017; Das Morgan Projekt – 2016; Mechanic: Resurrection – 2016; "Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaisers" – 2008; Tiger & Dragon – 2000; Der MORGEN stirbt nie – 1997) gespielte (Ex-)Imperatorin Philippa Georgiou.
Die wird nun von Control, dem Kopf des Geheimdienstes "Sektion 31" gesucht: „Ihre Zielperson ist Philippa Georgiou, ehemalige Imperatorin des terranischen Imperiums. Sie stammt aus einem Paralleluniversum, das für seine extreme Grausamkeit bekannt ist. Doch selbst dort stach Georgiou durch ihre Gräueltaten hervor. 2257 gelangte sie in unser Universum und schloss sich Sektion 31 an. Nach einigen Jahren verloren wir den Kontakt. Kürzlich wurde Georgiou unter einem Decknamen im Grenzgebiet außerhalb der Föderation gesichtet, wo wir auf dem Schwarzmarkt eine neue Bedrohung beobachten. Und da kommt Ihr Team ins Spiel. Das Abkommen der Föderation verbietet uns, diese Grenze zu überqueren, weshalb die Sternenflotte sich nicht die Hände schmutzig machen kann. Sie und Ihr Team 31 nehmen Kontakt zu Georgiou auf und identifizieren und neutralisieren die Bedrohung.“
Nun treten diverse Typen auf, die es mit ihren erstaunlichen Fähigkeiten mit Superhelden-Combos aufnehmen könnten; unter ihnen ist eine Offizieren der Sternenflotte. Die anderen sind keine Starfleet-Offiziere, müssen sich also nicht an alle möglichen völkerverständigenden Regeln halten, gar an eine Oberste Direktive. Sie fliegen auch keinen schmucken Unterteller mit Gondeln im Enterprise-Design. Das Setting, in das uns dieser Film entführt, könnte auch aus Star Wars oder dem "Battlestar Galactica" stammen.
Nach einem kurzen Rückblick, in dem wir erfahren, wie Georgiou zur allmächtigen Imperatorin wurde – indem sie als ultimativen Beweis ihrer Gnadenlosigkeit kaltblütig ihre ganze Familie ermordete und ihren heimlichen Geliebten versklavte – erleben wir ein kompliziertes, den ganzen Film einnehmendes Teambuilding. Die unterschiedlichen Figuren müssen zusammen wachsen, lernen, einander zu vertrauen und all die anderen Sachen machen, die neue Charaktere am Anfang einer neuen TV-Serie machen müssen, um dann die Stadt, das Land, die Welt, das Universum zu retten. Im vorliegenden Fall muss verhindert werden, dass unser bekanntes (Star Trek)Universum von den Schergen des terranischen (Spiegel)Universums mittels einer GODSENT (Gott gesandt) genannten Waffe zerstört und ausgelöscht wird. Unterwegs gilt es, einen Verräter in den eigenen Reihen zu entlarven, alte Schulden zu begleichen und zum Finale die eine Chance zu nutzen, die eigentlich gar keine ist – was dann der einzige halbwegs vertraute Hinweis ist, dass wir uns im Star-Trek-Franchise befinden.
Allerdings ist auch dieser halbwegs vertraute Hinweis keineswegs spannend. Und die neuen Multifunktions-Charaktere machen nicht neugierig. Sie sind nervtötende, undisziplinierte Schwätzer. Möglich, dass die herangewachsene Zielgruppe heute eher auf solche, nun ja, bestenfalls könnte man sie Nonkonformisten nennen, stehen. Aber sie vertragen sich nicht mit den Uniformträgern der Sternenflotte. Deshalb haben die Erben Gene Roddenberrys das Projekt dann wohl auch fallen gelassen: "Sektion 31" taugt nicht als Auftakt für ein neues Star-Trek-Franchise, und als eigenständiger Film fehlt ihm alles: aufregende Settings, ausgereifte Figuren, eine spannende Handlung und Menschen, mit denen ich mich identifizieren mag, die ich nachvollziehen kann.
Sechseinhalb Jahre dauerte zuvor die längste Pause zwischen zwei Filmen aus dem "Star Trek"-Universum. Damals ließ man sich nach der sowohl finanziell als auch kreativ enttäuschenden Kino-Abschiedsvorstellung der "Next Generation"-Crew in Star Trek: Nemesis Zeit, um einen neuen Anlauf für die populäre Marke anzugehen. 2009 legte dann J.J. Abrams ein "Raumschiff Enterprise"-Prequel mit frischem Cast um Chris Pine als Captain Kirk vor, das mit seiner alternativen Zeitlinie letztlich ein Reboot wurde, der bis 2016 zwei Fortsetzungen nach sich zog.
Doch seit Star Trek: Beyond liegt die Reihe brach. Immer wieder gab es Pläne, ihr mit verschiedensten Projekten neues Leinwandleben einzuhauchen. Daraus wurde nie was. Als dann aus dem "Discovery"-Spin-off nichts wurde, wurde aus dem vorliegenden "Sektion 31" der Versuch, der Spielfilmreihe neues Leben einzuhauchen.
