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Plakatmotiv: Hustlers – Rache ist sexy (2019)

PopArt bunter Film über die
Selbstermächtigung der Frau

Titel Hustlers – Rache ist sexy
(Hustlers)
Drehbuch Lorene Scafaria
nach dem Artikel "The Hustlers at Scores" von Jessica Pressler
Regie Lorene Scafaria, USA 2019
Darsteller

Constance Wu, Jennifer Lopez, Julia Stiles, Mette Towley, Wai Ching Ho, Emma Batiz, Vanessa Aspillaga, Jay Oakerson, Trace Lysette, Marcy Richardson, Keke Palmer, Mercedes Ruehl, Lili Reinhart, G-Eazy, Cardi B, Lizzo, Konstantine Drakopoulos, Dov Davidoff u.a.

Genre Komödie, Drama
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
28. November 2019
Inhalt

2007: Die junge Dorothy kämpft in New York ums finanzielle Überleben. Sie wohnt mit ihrer Großmutter in einem kleinen Apartment und verdient sich ihren Lebensunterhalt als Stripperin Destiny in einem Nachtclub. Der Erfolg bleibt zunächst aus, weil sie im Heer der erfahrenen Tänzerinnen an der Stange kaum wahrgenommen wird. Nur Ramona nimmt sie wahr, der Star unter den Stripperinnen. Sie nimmt Destiny unter ihre Fittiche, und die beiden bilden ein hervorragendes Team.

Destiny genießt ihren neu gewonnenen Reichtum und führt eine tiefe Freundschaft mit Ramona. Ein Jahr später schlägt die Finanzkrise von 2007 zu, und beide Frauen finden sich ohne Arbeit wieder und verlieren den Kontakt zueinander. In dieser Zeit wird Destiny zu einer alleinerziehenden Mutter, die keine neue Arbeit findet.

Aber Destiny, Ramona und ihre Freundinnen Mercedes und Annabelle wollen sich damit nicht abfinden. Sie hecken eine kriminelle Masche aus, um wohlhabende Kunden auszunehmen: Sie setzen sie unter Drogen, sodass sie selig benebelt sind und sich später an nichts mehr erinnern können, während de Stripperinnen die Kreditkartenkonten der Männer plündern. Doch irgendwann gerät ihr Geschäft außer Kontrolle

Was zu sagen wäre

Die einen werfen mit Geld um sich. Die anderen tanzen.“ Das Leben in Manhattan in den späten Nullerjahren gleicht in der Rückschau einem Tanz auf dem Vulkan. Die Checker von der Wall Street platzen vor Geld aus dem Maßanzug, lassen in den Stripclubs der Wall Street die Mädels tanzen und nehmen sich, was sie kriegen können. So weit, so bekannt. Lorene Scafaria wechselt die Perspektive des Zuschauers. Vor allem die des männlichen.

Viel war in zurückliegenden Filmen zum Thema wie Wall Street (1987) oder Fegefeuer der Eitelkeiten (1990), die von anderen Börsenzeiten, aber denselben Zuständen erzählten, von den selbsternannten Masters of the Universe die Rede, bei denen Frauen über den inhaltlichen Plot einer Trophy Wife nicht hinaus kamen. In "Hustlers" schlagen die Trophy Wifes zurück und die Männer mit deren eigenen Waffen. Wo die Kerle im Maßanzug mit Geld locken, locken die Frauen, die sich hier zu einer Gang zusammenfinden, unverhohlen mit Sex. Und so wenig am Ende die mit Geld Angelockten wirklich mit Reichtum nach Hause gehen, so wenig bekommen die Männer den Sex, mit dem sie angelockt wurden. Aber sie sind um rund 10.000 Dollar ärmer. Das Geschäft lohnt sich. Für die Frauen. Und es ist ebensowenig legal, wie viele Geschäfte, die den Brokern an der Wall Street satte Gewinne einbringen. Wo mit der geplatzten Immobilienblase 2008, die sich zu einer weltweiten Wirtschaftskrise auswuchs, reihenweise Menschen obdachlos und in den Ruin geschickt wurden, greift im Gegenzug die eingeschworene Gang der Stripperinnen zu einem Ketamin/MDMA-Mix, um die Männer gefügig zu machen und deren Kreditkarten zu leeren.

Der Film lebt von der Umkehrung der Perspektive. Sollte man(n) im Kinosessel mal denken, was da für blöde Bitches am Werk sind, muss man nur in die feisten, triefenden Gesichter der Männer in den Stripshows gucken, die der Film weidlich zeigt, um sich wieder klar zu machen, dass es hier nicht in erster Linie um Geld geht. Sondern hier holen sich ein paar Frauen mit Durchsetzungsvermögen und schwesterlichem Zusammenhalt ihre Würde zurück. Und das geht in Manhattan vor allem über das Geld. Dabei ist das mit der Würde auf der Leinwand eine zwiespältige Sache, denn auch Regisseurin Lorene Scafaria weiß, mit Speck fängt man Mäuse. Und so inszeniert sie vor allem in der ersten halben Stunde ein paar feurige Tanzeinlagen der Stripperinnen, die wenig im Verborgenen lassen. Jennifer Lopez legt einen Poledance hin, der den Zuschauer nicht nur im Stripclub den Mund offen stehen lässt, sondern auch im Kinosaal. Das Glotzen ist eingepreist, die weibliche Sexualität nicht erneut ausgebeutet.

Miss Lopez, in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden, fegt und wirbelt mit wenig am Körper und explosiver Energie um die Stange, bis sie unter einem Meer von aus dem männlichen Publikum geworfenen Dollarnoten begraben wird. Lopez, die ihre große Kinozeit hinter sich zu haben schien, liefert als Pelzmantel tragendes Mastermind Ramona mit mütterlicher Strenge ein grandioses Kabinettstück in ihrer langen, wechselvollen Leinwandkarriere ("Manhattan Queen" – 2018; Parker – 2013; Ein ungezähmtes Leben – 2005; "Das Schwiegermonster" – 2005; Angel Eyes – 2001; The Cell – 2000; Out of Sight – 1998; U-Turn – Kein Weg zurück – 1997; Anaconda – 1997; Jack – 1996).

Die erotischen Auftritte der sympathischen Frauencombo bleiben kein Selbstzweck. Sex sells. Aber hier behaupten sich die Frauen mit den Waffen der Frauen – Männer tragen Maßanzüge beim Betrügen und fahren Lamborghini, Frauen tragen Bikini beim Betrügen und steigen anschließend mit Pelzmantel und Louboutins in ihre Cadillacs XT4 – Geschäft ist Geschäft. "Hustlers" ist Feminismus the Pop Art Way: „Du hattest doch einen schönen Abend. Sowas kostet immer ein bisschen.

Die Geschichte, die in Grundzügen auf wahren Begebenheiten beruht, wird in Rückblenden erzählt, in der eine unterforderte Julia Stiles als Reporterin die eben erzählte Geschichte recherchiert. Stiles bekommt in dieser Rolle keinen Raum zur Entfaltung (Jason Bourne – 2016; Silver Linings – 2012; Das Bourne Ultimatum – 2007; Die Bourne Verschwörung – 2004; Mona Lisas Lächeln – 2003; Die Bourne Identität – 2002; Den Einen oder keinen – 2000; 10 Dinge, die ich an Dir hasse – 1999; Vertrauter Feind – 1997) und bleibt blass. Der Regisseurin macht die Rückblende aber die Arbeit einfacher, ein versöhnliches Ende zu konstruieren. Eine sinnvoll eigene Geschichte erzählt die Rahmenhandlung, in die die Rückblenden eingebettet sind, nicht.

"Hustlers" ist ein pop-bunt erzählter Film über die Selbstermächtigung der Frau. Oder, um im Filmsprech zu bleiben, ein ernsthaftes Thema, sexy verpackt.

Wertung: 5 von 8 €uro
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