Seit seine Frau ihn verlassen hat und der Alkohol zum besten Kumpel wurde, irrt Polizist Jerry Beck haltlos durchs Leben. Erst als ein Kollege erschossen wird, wacht Jerry auf und schiebt den Schnaps beiseite.
Die Spur führt ihn zu einer Neonazi-Organisation …
Die Welt, in der sich Detective Jerry Beck behaupten muss, ist eine ungewohnte. Überall freundliche Menschen, die es gar nicht schätzen, wenn er Kraftausdrücke verwendet und sich deshalb gleich beim Chief beschweren. Die Kollegen vom FBI sind gläubige Christenmenschen, die von dem geschiedenen Raubein mit der Alkoholfahne wenig halten. Irgendwo daneben muss noch eine Welt voller Mörder, Zuhälter und Ladendieben existieren, denn Beck ist dauernd übermüdet, schiebt zunehmende Überstunden vor sich her und das kann ja nicht daran liegen, dass seine Ex-Frau ein Kontaktverbot für sich und die gemeinsamen Kinder erwirkt hat. Vielleicht ist ja seine Arbeit sehr effektiv, die Aufklärungsquote hoch, dass wir von dieser Welt nichts mitbekommen.
Es ist eine seltsame Welt, die uns John Frankenheimer präsentiert.Sie besteht aus Cops, Ladeninhabern, die erschossen werden, und weißen Rassisten. Früher trugen die Kapuzen und waren als Ku-Klux-Klan gefürchtet, heute schwenken sie das Hakenkreuz und nennen sich White Supremacists, die von einem reichen Reverend mit raumgreifenden Latifundien unterstützt und finanziert werden.
John Frankenheimer, der seine große Zeit in den 1960er Jahren als Regisseur beklemmender Verschwörungsthriller hatte (Der 4 1/2 Billionen Dollar Vertrag – 1985; Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen – 1982; "Die Prophezeiung" – 1979; Schwarzer Sonntag – 1977; French Connection II – 1975; Grand Prix – 1966; Der Mann, der zweimal lebte – 1966; Der Zug – 1964; Sieben Tage im Mai – 1964; Botschafter der Angst – 1962; Der Gefangene von Alcatraz – 1962), versucht, aus den US-Nazis Kinofunken zu schlagen.
Seine Intention, seine Landsleute aufzurütteln, aus einem vermeintlichen Dornröschenschlaf zu wecken, um auf die Gefahr, die da aus dem Inneren der Gesellschaft lauert, aufmerksam zu machen, wird deutlich, aber von den Produzenten nicht unterstützt; zwar ermöglichen sie Frankenheimer noch, seine visionäre Kraft in Form aufwendiger Kameraeinstellungen zu verwirklichen, bezahlen ihm heute aber nicht mehr die aufwendige Storyentwicklung mit komplexen Charakteren und auch nicht mehr die A-Klasse der Hollywood-Schauspieler, die sich früher vor Frankenheimers Kamera tummelten.
Don Johnson ist ein guter Mann als Cop in luftigen Anzügen in der TV-Serie "Miami Vice". Die Serie liegt mit vier Staffeln in den letzten Zügen, als der vorliegende Film in Produktion geht. Zwar wurde sie gerade um eine fünfte Staffel verlängert, aber weil die Drehbuchautoren in Hollywood streiken, verzögert sich deren Produktion. Zeit für Johnson, sich für eine Leinwandkarriere zu empfehlen. Das muss er in der Klischee-Cop-Rolle einer Allerwelts-Krimiserie tun. Der Einzelgänger, der über seinen Job die Frau verloren, den Alkohol gefunden, aber seine spezielle Spürnase an seinem Dickkopf nicht verloren hat. Die Rolle füllt Johnson mit allem, was dieses Klischee her gibt. Auf der großen Leinwand allerdings ist sein begrenztes Minenspiel bald fad. Seine besten Szenen sind immer noch die, in denen er sich nicht beirren lässt, mit dem Kopf durch die Wand springt und feuert – im Nebel hört man ihn rufen Vice, Pal, Vice!
Das Drehbuch von Robert Foster basiert auf einer Geschichte von Jerry Beck, dem Cop, den im Film jetzt Don Johnson spielt. Beck hatte seine realen Ermittlungen gegen eine Neonazigruppe aufgeschrieben, als Buch veröffentlicht und die Dreharbeiten auch als technischer Polizeiberater begleitet. Wie viel das im Film Gezeigte mit der vorangestellten Realität gemein hat, lässt sich schwer einschätzen. Auch macht es einem der Film schwer, immer zu verstehen, wie der Film-Cop eigentlich die spuren findet. Nach dem ersten Polizistenmord tippt er sich am Computer durch die Polizeiakten der zuletzt entlassenen Ladendiebe und stößt sofort auf den richtigen Täter und dessen Bewährungshelfer. In der Folge reist der Cop aus L.A. mit Befugnissen auch nur in L.A. durch mehrere US-Staaten, in denen er vor schönen Postkartenkulissen – gedreht wurde hauptsächlich in Kanada – Türen eintritt, Verdächtige verprügelt und sich mit rassistischen Polizisten anlegt.
Dass der Film ausgerechnet in den Weihnachtsfeiertagen angesiedelt ist, scheint eine Masche zu sein. Im vergangenen Jahr machte Bruce Willis als Cop John McLane, der an Weihnachten ein paar Terroristen hochnimmt, in Stirb langsam Schlagzeilen und Kasse. Daran will die Produktion hier vielleicht anschließen. Und scheitert bei diesem Vergleich kläglich. Unterm Strich kann John Frankenheimer mit diesem Action-Film auf B-Movie-Niveau nur in Nuancen an seine gewesenen Schwarz-Weiß-Erfolge anknüpfen.
Ein Rätsel bleibt der Filmtitel: Was es mit "Dead Bang" auf sich hat, lässt sich auch nicht mit dem Anhängsel "Kurzer Prozess" im deutschen Titel erklären; von einem kurzen Prozess ist weit und breit nichts zu sehen.
