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Plakatmotiv: Botschafter der Angst (1962)

Die zwei Angstgegner der USA
sind Kommunisten und Frauen

Titel Botschafter der Angst
(The Manchurian Candidate)
Drehbuch George Axelrod & John Frankenheimer
nach dem gleichnamigen Roman von Richard Condon
Regie John Frankenheimer, USA 1962
Darsteller

Frank Sinatra, Laurence Harvey, Janet Leigh, Angela Lansbury, Henry Silva, James Gregory, Leslie Parrish, John McGiver, Khigh Dhiegh, James Edwards, Douglas Henderson, Albert Paulsen, Barry Kelley, Lloyd Corrigan, Madame Spivy, Joe Adams, Alyce Allen, Benjie Bancroft u.a.

Genre Drama, Thriller
Filmlänge 126 Minuten
Deutschlandstart
1. März 1963
Inhalt

Der hochdekorierte, als Held gefeierte Soldat Raymond Shaw kehrt zusammen mit Major Ben Marco aus dem Korea-Krieg zurück. Was niemand ahnt: Finstere Kommunisten haben die Soldaten einer Gehirnwäsche unterzogen und sie zu willenlosen Mördern umprogrammiert. Sie sollen das Staatssystem der USA zerstören.

Doch Marco leidet immer stärker unter schlimmen Alpträumen und glaubt, dass mit Shaw etwas nicht stimmt. Er setzt alles daran, Licht hinter das dunkle Geheimnis zu bringen …

Was zu sagen wäre

Der effizienteste Attentäter ist der Attentäter, der nicht weiß, dass er ein Attentäter ist. John Frankenheimer (Der Gefangene von Alcatraz – 1962) greift eine Grundstimmung vor allem in der amerikanischen Gesellschaft auf, die Angst vor dem Kommunismus. Seit 1955 hat der Senatsausschuss gegen unamerikanische Umtriebe zwar sukzessive an Einfluss in der US-Gesellschaft eingebüßt, Plakatmotiv (US): The Manchurian Candidate (1962) seit 1960 werden ehemalige Opfer des Ausschusses rehabilitiert, damit ist aber die theoretische Bedrohung durch die Linken noch nicht aus der Gesellschaft verschwunden.

In Frankenheimers Film haben sich die großen Kommunisten-Staaten Russland und China verschworen, um dem freien Westen mittels teuflischer Wissenschaft den Garaus zu machen. Sie programmieren tapfere US-Soldaten zu willenlosen Killermaschinen um, die auf ein geheimes Zeichen hin aktiv werden. Im Alltag sind sie normale Menschen, die wichtigste (unerkannte) Killermaschine ist sogar mit der höchsten Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet worden. Der Regisseur spielt da effektvoll – und auch effekthascherisch – auf der Klaviatur der Ängste seiner Landsleute, wenn er zeigt, wie ein US-Soldat unter (kommunistischer) Hypnose einen wehrlosen Kameraden erwürgt und einen weiteren erschießt, später noch einen für die Drahtzieher missliebigen Senator und dessen reizende Tochter. Aber auf dem Niveau eines spannenden Paranoia-Thrillers ist das legitim, weil es funktioniert.

Der Film stolpert über Figuren an unerwarteter Stelle. Es gibt drei bemerkenswerte Frauenfiguren im Film, die bemerkenswerter Weise alle blond sind. Die eine, weil sie für Hollywoodverhältnisse überraschend durchtrieben und bösartig ist, eine, die in den Film passt, wie Minnie Mouse in einen Film Noir und eine, weil sie herzerfrischend natürlich, aber eher dem feuchten Traum eines Mannes als der Realität des Jahres 1962 entstiegen ist.

Angela Lansbury spielt die Mutter des heimgekehrten Kriegshelden Raymond Shaw. Zu Beginn wirkt sie einfach wie eine übervorsorgliche Mutter, die ihren Sohn mit strenger Hand führt. Im Laufe des Films zeigt sich, dass sie gerne alle Fäden in der Hand hat, mehr weiß, als wir und einen bösen Plan verfolgt. Die inhaltliche Schwachstelle an ihrer Figur ist ihr zweiter Ehemann, den sie über Intrigen und Morde ins Präsidentenamt bringen will. Dieser Ehemann, dessen Physiognomie an Richard Nixon erinnert, Plakatmotiv (US): The Manchurian Candidate (1962) der 1960 die Präsidentschaftswahl gegen John F. Kennedy verlor und als "Trick Dick" in die Geschichtsbücher einging, ist ein guter Redner, aber derart unterbelichtet, dass das jeder in Washington erkennt. Entweder ist das eine sarkastische Spitze von John Frankenheimer gegen den aktuellen Politikbetrieb, oder einfach eine bewusst ignorierte Irritation. Eine solche ist auch Janet Leigh (Die Wikinger – 1958; Psycho – 1960;  "Im Zeichen des Bösen" – 1958; Prinz Eisenherz – 1954), die die neue Freundin des albträumenden Major Ben Marco spielt. Sie taucht auf wie Kai aus der Kiste, ist sofort fasziniert von dem verwirrten, zitternden Marco, für den sie ihren Verlobten verlässt und dem sie gleich eine Vertraute wird. Diese Rolle sitzt so quer in diesem Film, dass man ihr sofort unterstellt, eine Agentin der Kommunisten zu sein. Dabei geht es bei dieser Rolle lediglich darum, dass der Star des Films, Frank Sinatra, eine vorzeigbare Frau an seiner Filmseite haben muss (Verdammt in alle Ewigkeit – 1953). Sie und die Angela-Lansbury-Figur sind Frauen, wie sie in den 40er Jahren die Leinwand bevölkerten, durchtriebene wie Betty Davis im Film Noir oder Katherine Hepburn als Frau, die ihren Willen durchsetzt. Die dritte Frau ist Raymonds Jugendfreundin Jocey, ein strahlend schönes, meist lachendes Mädchen mit einem Senator als Vater, die sich aber trotzdem nicht um gesellschaftliche Konventionen schert; sie ist am wenigstens glaubwürdig von den drei Frauen, aber die wichtigste Funktionsfigur, die im Drehbuch für entscheidende Wendungen sorgt, während Janet Leigh einfach nur da ist und Angela Lansbury nicht für Wendungen sorgt, sondern die Haupthandlung vorantreibt und gestaltet.

Die Männer im Film sind Marionetten, auch ohne kommunistische Gehirnmanipulationen. Sie haben Albträume und werden, aus dem Schlaf geschreckt, von ihren Frauen getröstet (sonst ist das im Film umgekehrt) und reagieren auf das, was die Frauen machen. Schaut man genau hin, wirkt es, als habe der amerikanische Filmproduzent zwei Angstgegner – Kommunisten und Frauen.

Wertung: 4 von 7 D-Mark
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