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Plakatmotiv: Kevin – Allein in New York (1992)

Ordentlicher Slapstick
nur für die Kleinsten

Titel Kevin – Allein in New York
(Home Alone 2: Lost in New York)
Drehbuch John Hughes
Regie Chris Columbus, USA 1992
Darsteller

Macaulay Culkin, Joe Pesci, Daniel Stern, Catherine O'Hara, John Heard, Devin Ratray, Hillary Wolf, Maureen Elisabeth Shay, Michael C. Maronna, Gerry Bamman, Terrie Snell, Jedidiah Cohen, Senta Moses, Diana Rein, Kieran Culkin, Anna Slotky, Tim Curry, Brenda Fricker, u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 120 Minuten
Deutschlandstart
10. Dezember 1992
Inhalt

Weihnachten, das Fest der Liebe, aber auch der Katastrophen – jedenfalls für Familie McCallister. In diesem Jahr wollen sie mit Kind und Kegel, Onkel, Tante, Nichten und Neffen das Fest der Feste in Florida verbringen. Das Augenmerk von Mutter Kate liegt jetzt ganz besonders auf ihrem kleinen Racker Kevin, denn sie will keinesfalls riskieren, ihn wieder zu vergessen oder zu verlieren.

Doch es kommt, wie es kommen muss: Am Tag des Abflugs geht alles drunter und drüber, weil die McCallisters beinahe verschlafen hätten und am Flughafen verliert Kevin in der Hektik seine Bagage kurzzeitig aus den Augen – und steigt prompt ins falsche Flugzeug.

Statt im sonnigen Florida landet der Zehnjährige im vorweihnachtlichen New York. Er kann sein Glück kaum fassen. Während seine Eltern schier durchdrehen, als sie nach der Landung feststellen müssen, dass Kevin verloren gegangen ist, lässt es sich der Kleine in der Millionenstadt so richtig gut gehen. Schließlich hat der gewitzte Junge die Tasche und damit die Kreditkarte seines Daddys dabei. Also checkt er zunächst im Plaza, dem teuersten Hotel der Stadt, ein, bevor er sich in einer Luxuslimousine ins größte Spielzeuggeschäft der Stadt kutschieren lässt. Dort trifft er auf ein paar alte Bekannte: Die Ganoven Harry und Marv, die im letzten Jahr versucht hatten, bei den McCallisters einzusteigen, treiben sich in dem Laden herum. Kevin ahnt, dass die beiden zwielichtigen Gestalten nichts Gutes im Schilde führen. Tatsächlich planen die Halunken, den Spielwarenladen um die Weihnachtseinnahmen zu bringen.

Doch diese Rechnung haben sie ohne den gewieften Kevin gemacht. Er lockt die trotteligen Gauner in ein alleinstehendes, abbruchreifes Haus, wo sie sich an dem kleinen Naseweis dafür rächen wollen, dass er sie im letzten Jahr übertölpelt und an die Polizei ausgeliefert hat. Sie ahnen nicht, dass Kevin das Haus jedoch bereits für sie präpariert hat. Schon bald holen sie sich ihre ersten Beulen – und dabei soll es nicht bleiben …

Was zu sagen wäre

Wir erleben ein Hollywoodstudio bei seiner liebsten Beschäftigung: der Neuauflage eines Erfolgsfilms. "Home Alone" spülte vor zwei Jahren ein Vielfaches seiner Produktionskosten, das etwa 27-fache, in die Kinokassen. Das ist eine Stange Geld, dachte sich Regisseur Chris Columbus – und drehte diese Fortsetzung. Um völlig auf Nummer Sicher zu gehen, variierte er die bewährte Story nur unwesentlich. Einziger Unterschied: Statt der eigenen Wohnung ist das weihnachtlich geschmückte New York Ort der Handlung.

Da erklärt, warum der Film nochmal eine viertel Stunde länger ist, als sein inhaltlich schon nicht überfrachteter Vorgänger – Manhattan bietet halt mehr Schauplätze, als so ein dreigeschossiges Haus bei Chicago. Aber der Rest ist More of the Same mit immerhin neu geschriebenen Dialogen. Vielleicht, weil es ein zweiter Teil ist, werden einige Gags dann auch gleich zweimal gemacht, etwa, wenn Kevin einer Hotelrezeptionistin erklärt, er sei doch erst zehn Jahre alt, er dürfe ja gar nicht ohne elterliche Begleitung in ein Hotel einchecken. Lustiger wird das deshalb nicht.

Wie schon im Original plätschert auch in New York die Handlung ziellos vor sich hin. Der im Familienverbund eher gestresste Kevin, der allen auf die Nerven geht, erweist sich als gute Junge, der zuerst an Waisenkinder und einsame Damen mit Tauben im Park denkt, bevor er seine Weihnachtsgeschenke aufreißt. Plakatmotiv: Kevin – Allein in New York (1992) Um dann die Erfolgsformel aus Teil 1 zu wiederholen, wird ein Onkel erfunden, dessen Townhouse gerade renoviert wird und in dem Kevin mit seinen Fallen gegen Harry und Marv vorgehen kann – natürlich, es muss sich ja steigern, brutaler als vor zwei Jahren; Marv bekommt mehrere Ziegelsteine an den Kopf gedonnert, erhält einen starken Stromschlag und stürzt mehrere Stockwerke in die Tiefe; über Harry entleeren sich Werkzeugisten und andauernd fliegt er auf die Schnauze. Joe Pesci tut als Harry sein Bestes (GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia – 1990; Brennpunkt L.A. – 1989; Es war einmal in Amerika – 1984; Eureka – 1983; "Wie ein wilder Stier" – 1980) und auch Daniel Stern verdreht unter seiner Pudelfrisurperücke nach Kräften die Augen (City Stickers – Die Großstadt-Helden – 1991; My Blue Haven – Das Schlitzohr von der Mafia – 1990; D.O.A. – Bei Ankunft Mord – 1988; "Milagro – Der Krieg im Bohnenfeld" – 1988; Hannah und ihre Schwestern – 1986; Das fliegende Auge – 1983; American Diner – 1982; Stardust Memories – 1980). Die Rahmenhandlung der wieder nicht übermäßig besorgten Familie in Miami und einem neugierigen Concierge, der sich anlasslos und aus purer Bosheit – und dem The Plaza in New York komplett unangemessen – auf den Jungen einschießt, bleibt ohne Spannung. wir sitzen im Kino und schauen einem Jungen zu, der die Must Haves der großen Stadt New York durchwandert und dabei einer obdachlosen Taubendame Lebensmut zuspricht.

Aber eigentlich warten wir nur darauf, dass die Trotteldiebe wieder in die Fallen laufen. Die meisten Fallen sind dann aber aufgrund ihrer offensichtlichen Brutalität und der Tatsache, dass der Junge sie – anders als im Vorgänger, als er aus seiner Angst eine Tugend machte – aktiv dort hinein lockt, mäßig lustig. Warum die beiden Trottel den Jungen nicht einfach umbringen, wie sie sich das ein ums andere Mal schwören, als sie die Gelegenheit dazu haben, liegt daran, dass sie Trottel sind, und das Drehbuch nicht nur die Altersfreigabe "ab 6 Jahre" braucht, sondern diese auch nicht groß unterbieten will: Das bisschen, das der Film zu bieten hat, ist ordentlicher Slapstick für die Kleinsten.

Wertung: 2 von 10 D-Mark
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