Familie McCallister wächst der Weihnachtsstress über den Kopf: Mit Sack und Pack und allen Geschenken wollen sie in diesem Jahr das Fest der Feste im malerischen Paris begehen. Doch Nesthäkchen Kevin hat stets nur Unsinn im Kopf und macht deshalb die aufwendigen Reisevorbereitungen zur Qual. Also wird der naseweise Dreikäsehoch kurzerhand auf den Dachboden verbannt. Hier wünscht er sich nichts sehnlicher als endlich Ruhe von seiner hektischen Familie zu haben. Dieser Wunsch wird ihm im Handumdrehen erfüllt: Schon am nächsten Tag ist es auf einmal totenstill im ganzen Haus.
Offensichtlich sind seine Eltern und Geschwister einfach ohne ihn abgeflogen! Erst im Flieger bemerkt Kate McCallister voller Entsetzen, dass sie ihren Kleinsten in der Aufregung zu Hause vergessen haben. Wie konnte ihnen nur so ein Missgeschick passieren? Gleich nach der Landung in Frankreich setzt sie alles daran, schnurstracks einen Flug zurückzuergattern. Doch so kurz vor Weihnachten scheint es fast unmöglich zu sein, auf direktem Weg zurückzukehren. Flüge sind ausgebucht oder fallen aus – und so beginnt für die McCallisters eine regelrechte Odyssee. Derweil genießt Kevin allein zu Haus seine unverhoffte Freiheit, tobt herum und stellt die Wohnung so richtig auf den Kopf.
Doch der richtige Spaß beginnt für den kleinen Racker erst, als zwei Einbrecher das Domizil der McCallisters ausrauben wollen. Der aufgeweckte Junge bekommt schnell Wind davon und kreiert für die Gangster ein paar heimtückische Fallen. Aber natürlich wollen die Gauner sich nicht von einem Achtjährigen ins Bockshorn jagen lassen. Noch ahnen sie nicht, wozu dieser harmlos wirkende kleine Junge fähig ist, doch schon bald sollen sie es schmerzhaft am eigenen Leib erfahren …
Es ist das Schicksal unserer Zeit, dass niemand mehr Zeit hat. Nicht einmal, um zu überprüfen, ob alle Kinder im Flugzeug nach Paris sitzen. Die Familie ist groß, die Hektik entsprechend, es ist Weihnachten und dann fällt auch noch der Strom aus, was unter anderem zur Folge hat, dass der Wecker am Reisetag nicht klingelt und prompt niemand mehr Zeit für nichts hat.
Teenager-Versteher John Hughes ("Allein mit Onkel Buck" – 1989; She's having a Baby – 1988; Ein Ticket für zwei – 1987; Ferris macht blau – 1986; L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn – 1985; The Breakfast Club – 1985) ist für sein neues Drehbuch eine Altersstufe runter gegangen: Kevin ist acht Jahre alt, wird gespielt von Macaulay Culkin, der durch treuherzige Kulleraugen besticht und über kaum spielerisches Talent verfügt. Braucht er auch nicht, verlangt werden von der Regie hinterlistiges Lächeln, erschrockenes Augen aufreißen und neutral gucken. Das beherrscht Culkin, dem in der deutschen Synchronfassung noch eine enervierende Piepsstimme auferlegt worden ist.
Was der Albtraum beinahe jeder Mutter, ist der Traum eines jeden Kindes: sturmfreie Bude und genug Geld im Haus, um im Supermarkt all die im Alltag verschmähten Tiefkühlsachen zu kaufen. Woher das Geld für Pizzalieferdienst und Supermarkt in den Händen eines Achtjährigen stammt? Irgendwo wird es eine gut gefüllte Haushaltskasse geben. Sowas sollte man in so einem Film nicht fragen, der unter der Regie von Chris Columbus ("Heartbreak Hotel" – 1988; "Die Nacht der Abenteuer" – 1987) eine Stunde vor sich hin plätschert und dann endlich Geschwindigkeit aufnimmt.
Kevin ist also allein zu Hause, aber wir im Kinosessel haben keine Sekunde Angst um den Knirps. Die Mutter im fernen Paris st angemessen in Panik, der Ist der Familie eher auf erhöhter Betriebstemperatur. Und der Junge hüpft auf dem Bett im Elternschlafzimmer und macht mit Papas After Shave schmerzvolle Erfahrungen. Und schließlich setzt er sich gegen professionelle Einbrecher zur Wehr, die ihm in der Nachbarschaft aufgefallen sind. Die Fallen, mit denen er die Banditen am Eindringen in sein Haus hindert, sind sicher technische Meisterleistungen für einen kleinen Jungen, aber auch das wollen wir nicht hinterfragen. Sie sind in diesem Film der einzige Höhepunkt, dazu ein einziger großer Lacher.
"Home Alone" ist ein Weihnachtsfilm. Als solcher drückt er ordentlich auf die Tränendrüse, wandelt einen vermeintlichen Knecht Ruprecht in einen liebevollen Opa und endet in gleich zwei rührseligen Familienzusammenführungen. Diese charmante – in anderen Jahreszeiten würde man sagen: fade – Familiensuppe kommt gut an beim Kinopublikum. Regisseur Chris Columbus hat nur 18 Millionen Dollar Produktionskosten verteilt. Der Film hat dann international 477 Millionen Dollar eingespielt.
Kevin immer wieder allein irgendwo
Der große Erfolg dieses Films führte zu bisher fünf Fortsetzungen. Bei Teil zwei übernahm erneut Chris Columbus die Regie, Teil drei inszenierte Raja Gosnell. "Kevin – Allein gegen alle" wurde direkt für das US-amerikanische Fernsehen produziert, Rod Daniel übernahm die Regie. Während in Teil drei die Figur Kevin gar nicht auftaucht, ist dieser in Teil vier wieder die Hauptperson. Der fünfte Film wurde von Peter Hewitt direkt für das Fernsehen inszeniert. Hier spielt die Figur Kevin erneut keine Rolle. Durch den deutschen Titel "Kevins Cousin allein im Supermarkt" für den Film "Career Opportunities" von 1991 wird der Eindruck erweckt, dass der Film Teil der Reihe sei. Tatsächlich findet sich darin kein Bezug zu "Kevin – Allein zu Haus".
1990: Kevin – Allein zu Haus (Home Alone)
1992: Kevin – Allein in New York (Home Alone 2: Lost in New York)
1997: Wieder allein zu Haus (Home Alone 3)
2002: Kevin – Allein gegen alle (Home Alone 4)
2012: Allein zu Haus: Der Weihnachts-Coup (Home Alone: The Holiday Heist)
Nach der Übernahme von Fox machten sich die Disney Studios daran, die Filmreihe für eine neue, jüngere Generation für ihren Streamingdienst Disney+ zu rebooten. "Nicht schon wieder allein zu Haus" wurde am 12. November 2021 veröffentlicht.
