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Plakatmotiv: Der Omega-Mann (1971)

Charlton Heston als bewaffneter Jesus
in einer dystopischen Zukunftsvision

Titel Der Omega-Mann
(The Omega Man)
Drehbuch John William Corrington & Joyce Hooper Corrington
nach dem Roman "I am Legend" von Richard Matheson
Regie Boris Sagal, USA 1971
Darsteller

Charlton Heston, Anthony Zerbe, Rosalind Cash, Paul Koslo, Eric Laneuville, Lincoln Kilpatrick, Jill Giraldi, Anna Aries, Brian Tochi, DeVeren Bookwalter, John Dierkes, Monika Henreid, Linda Redfearn, Forrest Wood, Rachel Benson, Stewart East, Steve Goldstein, William Henry u.a.

Genre Action, Drama
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
26. November 1971
Inhalt

In der nahen Zukunft führen die UdSSR und die Volksrepublik China einen Weltkrieg um Ressourcen und territoriale Interessen. Dabei kommen neben konventionellen auch biologische Waffen zum Einsatz. Doch einer der verwendeten Bakterienstämme mutiert und gefährdet somit die komplette Menschheit. Dem US-Militärbiologen Robert Neville gelingt es zwar, ein Antiserum zu entwickeln. Beim Versuch, das Serum zur Massenfertigung zu bringen, stürzt Nevilles Hubschrauber jedoch ab und er kann sich nur noch selbst impfen. Dies hat zur Folge, dass er der vielleicht einzige immune Überlebende der Katastrophe wird. Er lässt sich im verlassenen bzw. ausgestorbenen Los Angeles nieder und führt ein sehr einsames Leben.

Ganz allein ist er jedoch nicht: Diejenigen, die durch die Seuche nicht sofort dahingerafft wurden, haben sich in entstellte Untote verwandelt. Die degenerierten Mutanten nennen sich "Die Familie" und sehen ihre Berufung in der Ausrottung der Zivilisation, die sie für den Untergang der Welt verantwortlich machen – womit Neville ganz oben auf ihrer Abschussliste steht. Aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit trauen sich die Infizierten nur nachts auf die Straße, weswegen sich Neville nach Sonnenuntergang in seiner zur Festung ausgebauten Wohnung verbarrikadieren muss.

Nach einiger Zeit findet er weitere Überlebende der Katastrophe, bei denen die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist. Neville schöpft wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft …

Was zu sagen wäre

Wie wäre das? Der letzte lebende Mensch auf Erden zu sein. Für Robert Neville bedeutet das, tagsüber mit einem Cabrio durch die leeren Straßen der Stadt zu cruisen und sich nachts in seinem Haus zu verbarrikadieren, Schach gegen sich selbst zu spielen, zu trinken und die Mutanten abzuknallen, die sich draußen versammeln und ihn töten wollen. Kein Wunder, dass er kein fröhlicher Mensch ist. Charlton Heston spielt ihn als verbitterten, knurrigen, humorbefreiten Kerl, der gerne mit nacktem Oberkörper auftritt.

Es ist ein pessimistischer Film mit einem entmenschlichten Gesellschaftsbild. Die Mutanten folgen blind ihrem Führer Matthias und Neville folgt gar nichts mehr. Als wir ihn kennenlernen, lebt er ziellos in den Tag hinein, schließt auf alles, was sich bewegt, wobei es erstaunlich ist, wie leer die Straßen sind. Müssten nicht, wenn der Tod die Menschen so unvermittelt und schnell traf, viel mehr Autos mit Leichen herumstehen oder in Unfallszenarien verwickelt sein? Plakatmotiv: Der Omega-Mann (1971) Dafür sieht man in einigen Einstellungen zu Beginn im Hintergrund deutlich Autos fahren oder Menschen die Straße entlang gehen. Und die lichtscheuen Mutanten leben in nur durch Kerzen erleuchteten Kellergewölben, die sehr gut ausgelichtet sind. Regisseur Boris Sagal ging es offenbar nicht in erster Linie um ein visuell überzeugendes Setting. Ihn Interessiert Neville als der Auserwählte.

Für Sagal ist Hestons Figur der zweite Erlöser, den die Menschen ans Kreuz nageln. Immer wieder tauchen biblische Motive auf, ein kleines Mädchen fragt ihn gar „Bist Du Gott?“ Neville gibt sein Blut, um den wenigen Überlebenden zu helfen, Antikörper zu produzieren – Dies ist mein Blut. Nehmt und trinket alle davon, sagte Jesus beim Abendmahl zu seinen Jüngern. Tatsächlich könnte Neville die Menschheit retten. Aber die will schon wieder nicht. Hier sind es die Mutanten, die aus dem Licht fliehen und jede Technik, jede Medizin, für die Neville steht, verabscheuen. Sie machen technische Erfindungen verantwortlich dafür, dass die Menschheit in den Tod getrieben wurde.

Als er auf andere Überlebende trifft, fasst Neville also neue Zuversicht und sieht die Zukunft der kleinen Gruppe auch nicht mehr in der großen, leeren Stadt, sondern irgendwo draußen in einem Wald an einem Flüsschen, den noch kein Mensch je gesehen hat, „ja, ein zweiter Garten Eden. Nur, dass wir diesmal der Schlange nicht trauen“, jubelt Dutch, der die kleine Gruppe Überlebender anführt. Es sind mit einer Ausnahme alles Kinder. Die Ausnahme ist eine Frau, 15 Jahre jünger als Charlton Heston und schon bald dessen Bettgefährtin. Diese Szenen wirken, als habe sich Heston diese Liebesgeschichte vorher vertraglich zusichern lassen, weil ein Kerl wie er auf der Leinwand grundsätzlich nicht ohne Frau im Arm sein kann (Planet der Affen – 1968; Der Verwegene – 1967; Sierra Charriba – 1965; El Cid – 1961; Ben Hur – 1959; König der Freibeuter – 1958; Weites Land – 1958; "Im Zeichen des Bösen" – 1958; Die zehn Gebote – 1956; Am fernen Horizont – 1955; Pony-Express – 1953). Im fertigen Film wirken die Szenen wie ein peinlicher Fremdkörper.

In der Schlussszene bleibt Neville in der Jesus-am-Kreuz-Pose zurück und die Überlebenden brechen in eine ungewisse Zukunft auf mit einer Flasche des Serums, das Neville aus seinem Blut gewonnen hat und das die Wiederherstellung der Menschheit bedeuten kann.

Wertung: 5 von 8 D-Mark
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