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Plakatmotiv: Venom – Let There Be Carnage (2021)

Ein Buddy-Movie im Stil der 1980er
mit Bildeffekten im Stil der 2020er

Titel Venom: Let There Be Carnage
(Venom: Let There Be Carnage)
Drehbuch Kelly Marcel & Tom Hardy
mit MARVELs Venom-Character von Todd McFarlane & David Michelinie
Regie Andy Serkis, USA, UK, Kan. 2021
Darsteller

Tom Hardy, Woody Harrelson, Michelle Williams, Naomie Harris, Reid Scott, Stephen Graham, Peggy Lu, Sian Webber, Michelle Greenidge, Rob Bowen, Laurence Spellman, Little Simz, Jack Bandeira, Olumide Olorunfemi, Scroobius Pip, Amrou Al-Kadhi, Beau Sargent, Brian Copeland u.a.

Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 97 Minuten
Deutschlandstart
12. Oktober 2021
Inhalt

Eddie Brock lebt nun schon seit einiger Zeit mit dem außerirdischen Parasiten Venom in seinem Körper und die beiden haben sich mehr oder weniger miteinander arrangiert. Allerdings will Venom am liebsten den ganzen Tag Bösewichte verhauen und seinen gewaltigen Hunger stillen, während Eddie darum kämpft, seine Karriere als Journalist wieder in Gang zu bringen.

Eine passende Gelegenheit könnte der Serienkiller Cletus Kasady sein, dessen Opfer immer noch nicht gefunden wurden und der nur mit Eddie über seine Taten sprechen will. Als Cletus dann hingerichtet werden soll, überlebt er, weil er sich ebenfalls mit einem Parasiten verbunden hat: Als Carnage sorgt er fortan für ein wahres Gemetzel, wobei ihm Frances Barrison alias Shriek hilft, die über Schall-Superkräfte verfügt. Eddie und Venom haben also einiges zu tun …

Was zu sagen wäre

Die Horrorfigur mutiert zum beleidigten Buddy. Weil Eddie Brock es seinem Symbionten nicht gönnt, ständig Menschenhirne zu fressen, macht der ihm nach dem einen weiteren Streit zuviel eine gewaltige Szene, bei der neben dem 2.000-Dollar-Fernseher auch Eddies Motorrad und der Rest seiner Bude zu Bruch gehen. Venom, der Symbiont, ist auf und davon und vergnügt sich fortan mit wechselnden menschlichen Wirten im Nachtleben San Franciscos, wo ihn alle für einen duften Typen mit einem klasse Kostüm halten; blöd nur, dass seine menschlichen Wirte ihn nie lange aushalten und irgendwann unter der Last kotzend zusammenbrechen.

Eddie seinerseits freut sich, Venom endlich los zu sein, diese Stimme in seinem Kopf nicht mehr hören zu müssen. Aber da bricht auch schon der gefährliche Serienmörder Cletus Kasady aus dem Todestrakt San Quentins aus und mit ihm eine bizarre rote, schleimige und vor allem Menschenfressende Kreatur, die sich mit Kasady verbunden hat. Sie ist ein Ableger von Venom, der übertragen wurde, als Eddie Brock den Killer im Gefängnis besuchte und jetzt ist die Hölle los in San Francisco, wo der neue Symbiont, Carnage, nach seinem „Vater“ – Venom – sucht, um den zu töten, Kasady Eddie Brock töten will, weil der Killer den Journalisten für sein Todesurteil verantwortlich macht, und Kasadys Freundin Shriek, deren Stimme Wände zum Einsturz bringen kann, Brocks Freund-Gegner Detective Mulligan töten will, weil der ihr einst ein Auge ausgeschossen hat. Keine gute Zeit, als Buddies getrennte Wege zu gehen. Das merken schnell auch Eddie und Venom, die sich nach tränenseligen Entschuldigungen wieder verbinden und gegen Carnage in die Schlacht ziehen.

Dem Genre des Buddy-Movies gibt die Venom-Serie eine erfrischende Volte, indem die beiden unterschiedlichen Charaktere, die sich zusammenraufen müssen, überhaupt erst aufeinander los gelassen werden können, wenn sie verbunden sind. Sigmund Freund würde über den Kampf von Ich, Es und Über-Ich nachdenken und vielleicht die Frage beantworten können, welches der drei Elemente hier fehlt. Wer ist Ich? Wer ist Es? Die Antwort hängt von der Perspektive ab – Eddie oder Venom? Nachdem beide sich wieder verbunden haben, schaltet Andy Serkis (Mogli – 2018), der hier seine fünfte Regiearbeit abgibt, auf SFX-Action um.

Der Kampf der beiden außerirdischen Symbionten in einer geschlossenen Kirche ist ein Auf und Nieder und Durchstechen unzerstörbarer Körper, die immer wieder neu aufeinander losgehen, während zwischen ihnen noch die anderen Hauptfiguren der Geschichte – Detective Mulligan, die Ex-Verlobte Anne und deren neuen Verlobter Dan – herumlaufen und sich erfreulich cool dabei anstellen. Anstatt hysterisch zu kreischen und ununterbrochen zu rettende Opfer darzustellen, tragen Anne und Dan ihren Teil zum Kampf bei und Detective Mulligan qua Amt sowieso. Spannend ist die Schlacht in der Kirche nicht, man kann sich auch bald zusammenreimen, wie der unendliche Kampf der beiden Symbionten schließlich entschieden werden wird, aber er liefert knackige CGI-Bilder. Lebendiger ist die erste Hälfte des Films, in dem sich Eddie und Venom streiten und finden müssen. Beide Hälften zusammen bieten fruchtschleimige Unterhaltung auf dem Niveau einer modernen TV-Serie, in der diese Geschichte über zwei Folgen laufen würde. Vor allem die Teenager im Saal, die noch unbeschwert gucken können und nicht hinterfragen, wenn die Story mal wieder eine Abkürzung nimmt, haben ihre Freude.

Ebenso wie augenscheinlich auch Woody Harrelson (Midway – 2019; Solo – A Star Wars Story – 2018; Three Billboards outside Ebbing, Missouri – 2017; Planet der Affen: Survival – 2017; Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 2 – 2015; Die Unfassbaren – Now You See Me – 2013; Die Tribute von Panem – The Hunger Games – 2012; Freunde mit gewissen Vorzügen – 2011; 2012 – Das Ende der Welt – 2009; Zombieland – 2009; Robert Altman's Last Radio Show – 2006; Austin Powers – Spion in geheimer Missionarsstellung – 1999; EDtv – 1999; Palmetto – 1998; Wag the Dog – 1997; Welcome to Sarajevo – 1997; Larry Flynt – Die nackte Wahrheit – 1996; Money Train – 1995; Natural Born Killers – 1994; Machen wir's wie Cowboys – 1994; Ein unmoralisches Angebot – 1993; Doc Hollywood – 1991; L.A. Story – 1991), der den Serienmörder Cletus Kasady mit lustvoll diabolischem Spaß am Töten spielt. Es gibt keine Szene mit ihm, in der ihm nicht der Wahnsinn aus den Augen blitzt.

Die Mid-Credit-Scene ergibt keinen Sinn mehr. Da wechseln Eddie und Venom aus einer schäbigen Absteige in mutmaßlich Südamerika urplötzlich in ein schickes Hotelzimmer mit Meerblick und im Fernseher enthüllt J.Jonah Jameson, dass Peter Parker Spider-Man ist. Venom sollte ursprünglich im nächsten Spider-Man-Film No Way Home auftauchen und diese Mid-Credit-Scene war die Ankündigung dazu. "Venom: Let there be Carnage" sollte ursprünglich ein Jahr früher in die Kinos kommen, wurde aber wegen der COVID-19-Pandemie mehrfach verschoben. In der Zwischenzeit wurde Venom, anders als Goblin, Octopus, Electro, Lazard und Sandman aus "No Way Home" gestrichen.

Wertung: 3 von 8 €uro
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