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Kinoplakat: Bruce Allmächtig
Auf naive Weise göttlich
Ein Capra der Neuzeit
Titel Bruce Allmächtig
(Bruce Almighty)
Drehbuch Steve Koren + Mark O'Keefe
Regie Tom Shadyac, USA 2003
Darsteller Jim Carrey, Morgan Freeman, Jennifer Aniston, Philip Baker Hall, Catherine Bell, Lisa Ann Walter, Steven Carell, Nora Dunn, Eddie Jemison, Paul Satterfield, Mark Kiely, Sally Kirkland, Tony Bennett, Timothy Di Pri, Brian Tahash u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 101 Minuten
Deutschlandstart
12. Juni 2003
Inhalt

Bruce Nolan hat die Schnauze gestrichen voll. Als Fernsehreporter in Buffalo steckt er in der beruflichen Sackgasse, macht Beiträge, die nicht gesendet werden, hat Kollegen, die sich über ihn lustig machen und einen Konkurrenten, der ihm den erhofften Stuhl des Anchorman weg schnappt. Bruce ist also unzufrieden. Auch sein Hund Sam kümmert sich nicht um ihn, pinkelt dauernd ans heimische Sofa. Eigentlich ist da nur Grace, die ihn wirklich liebt. Grace ist Bruces Freundin. Und auch die ist etwas genervt: Seit fünf Jahren sind sie zusammen und Bruce denkt immer nur an seine Karriere, während sie darauf wartet, dass er um ihre Hand anhält.

Bei einer Live-Reportage flippt Bruce aus, wird gefeuert und von einer Gang verprügelt, die er davon abhalten wollte, einen Stadtstreicher zu belästigen und stellt fest: Die Welt ist schlecht.

Und Gott ist an allem schuld.

Das lässt ER sich nicht zweimal sagen und bestellt Burce zu sich. Während der noch an einen gaukelhaften Scherz glaubt, hat GOTT ihm seine Kräfte übertragen. „Damit Du siehst, wie es geht und damit Du nun alles besser machen kannst, als ich. Das wolltest Du doch?” Wie sich bald herausstellt, wollte Bruce vor allem, dass ihm exklusiv geholfen wird: Binnen Stunden hat er seinen Job wieder, ist sein Konkurrent wegen Lächerlichkeit abgesetzt, sind missliebige Reporter anderer Sender wegen Rauschgiftbesitzes verhaftet, hat seine Freundin Grace größere Brüste, beide gemeinsam göttlichen Sex … und Sam pinkelt in die Toilette und klappt danach sogar die Brille wieder runter.

Lästig sind nur die anschwellenden Stimmen in seinem Kopf, die sich als Gebete all jener entpuppen, die auch etwas von Gott wollen. Bruce leitet die Stimmen zu E-Mails um, beantwortet alles mit „Ja!” und schon hat ganz Buffalo im Lotto gewonnen, was den Hauptgewinn auf 17 Dollar schrumpfen lässt und zu einem Aufruhr in der Stadt führt.

GOTT sieht sich gezwungen, seinen Urlaub zu unterbrechen …

Was zu sagen wäre

Uff … ist eigentich Frank Capra wieder auferstanden? Vor zwei Jahren gab es Jim Carrey in dem völlig unterschätzten Im-Kleinstadt-Amerika-zählen-menschliche-Werte-noch-was-Melodram „The Majestic”, dann folgte das Remake von „Mr. Deeds comes to Town” und jetzt der um die wahren Werte ringende „Bruce Allmighty”. Es stimmt wohl: Je schlechter die Grundstimmung, je verzweifelter die Lage der Menschen (Arbeitslosigkeit, Terror, Krieg – ach seufz), desto gefühlsduseliger die Filme.

Genaugenommen ist dieser Film unerträglich, seifig, sülzig und verlogen: Jim Carrey lässt sich 25 Millionen Dollar dafür überweisen, dass er einen Mann spielt, der nach einem Gespräch mit Gott seine Karriere für eine bessere Welt opfert und am Ende eben jenen Job gerne macht, den er zu Beginn so hasst – für ein kleines Hungergehalt. Aber: Seine Freundin hat ihn wieder lieb. Eine Freundin wohlgemerkt, die als fürsorgende Kindergärtnerin darin aufgeht, mit ihrem Liebsten Fotos ins Album zu kleben und darauf zu warten, dass er um ihre Hand anhalten möge.

Kinoplakat (US): Bruce almightyMein GOTT, furchtbar!

Aber warum habe ich dann so viel gelacht und geschmunzelt im in zweiter Woche ausverkauften Kino? Sicher nicht wegen der aufdringlichen Jim-Carrey-Grimassen, die ich eher überflüssig finde. Eher wegen Dialogen wie diesem:

Gott: „Worum möchtest Du beten?”
"Bruce: „Ich bete für Frieden. … Und eine bessere Welt! … Gut?”
Gott: „Das ist toll! Wenn Du Miss Universum werden möchtest. Aber was möchtest Du wirklich?”

Das Drehbuch hält sich nicht auf mit Weltverbesserer-Szenarien; nur hinter vorgehaltener Hand nölen Kritiker, dass noch in den 70er Jahren ein allmächtiger Mr. Jedermann den Weltfrieden herbeigewundert hätte. Heute wundert er sich eine Autostraße ohne Stau und größere Brüste herbei und da ist der Film doch sehr realistisch: Der Mensch ist zunächst einmal egostisch.

Und vielleicht ist tatsächlich nur eine göttliche Eingebung nötig, um alles wieder ins Lot zu bringen. Aber dann bitte mit besseren Spezialeffekten. Die sind in diesem Film des Jahres 2003 unter aller Kanone, erinnern auch an die Zeit Frank Capras; in den 50er Jahren gab es solche Effekte, weil man es nicht besser konnte.

Die Schauspieler: Jim Carrey („Der Grinch” – 2000; „Der Mondmann” – 1999; Die Truman Show – 1998; Cable Guy – Die Nervensäge – 1996; Batman Forever – 1995; „Dumm und Dümmer” – 1994) könnte weniger grimassieren, wobei ich mich frage, ob seine Clint-Eastwood-Nummer eigentlich am Computer nachbearbeitet wurde: Der sieht ja erstaunlich genau so aus, wie das Original! „Friends”-Schnuckel Jennifer Aniston („The Good Girl – 2002; „Rock Star” – 2001; „Alles Routine” – 1999) ist eine hinreißende Grace und ich frage mich, wer eigentlich für die Rolle des GOTT sonst in Frage kommen sollte – außer eben Morgan Freeman („Dreamcatcher” – 2003; „Der Anschlag” – 2002; Im Netz der Spinne – 2001; Mörderisches Spiel – 2000; Deep Impact – 1998; „Amistad” – 1997; Denn zum Küssen sind sie da – 1997; Sieben – 1995; Outbreak – Lautlose Killer – 1995). Wunderbar!

Wertung: 4,50 von 6 €uro
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