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Plakatmotiv: Double Team (1997)

Ein Film mit ganz wenig Drehbuch aber
viel Rumms und noch mehr Haarfarben

Titel Double Team
(Double Team)
Drehbuch Don Jakoby & Paul Mones
Regie Tsui Hark, USA, Hongkong 1997
Darsteller

Jean-Claude Van Damme, Dennis Rodman, Mickey Rourke, Paul Freeman, Natacha Lindinger, Valeria Cavalli, Jay Benedict, Joëlle Devaux-Vullion, Bruno Bilotta, Mario Opinato, Grant Russell, William Dunn, Asher Tzarfati, Ken Samuels, Sandy Welch, Jessica Forde, Malick Bowens, Dominic Gould u.a.

Genre Action
Filmlänge 93 Minuten
Deutschlandstart
4. Dezember 1997
Inhalt

Der ehemalige US-Geheimagent Jack Quinn lebt mit seiner Frau Kathryn in Südfrankreich. Da wird er von Ex-Kollegen um Unterstützung bei der Jagd auf den Terroristen Stavros gebeten. Stavros soll festgenommen werden, Quinn das Team befehligen, das den Auftrag ausführt. Aber am Zielort in Antwerpen erscheint Stavros plötzlich mit seinem kleinen Sohn, von dem niemand wusste. Quinn, der selber bald Vater wird, ist so irritiert, dass er die falsche Entscheidung trifft.

Stavros entkommt und Quinn wacht in der "Kolonie" auf. In der Kolonie leben lauter ehemalige Top-Agenten, von denen die Außenwelt annimmt, sie seien tot. Auch für Quinn gilt das. Von der Kolonie aus ziehen sie für ihre "Regierungskunden" in den Kampf gegen den weltweiten Terrorismus. Nur einer glaubt nicht an Quinns Tod.

Stavros entführt die hochschwangere Kathryn nach Rom und signalisiert das via Graffiti an einer Hauswand. Stavros weiß, dass Quinn die Nachricht finden wird. Und Quinn findet die Nachricht.

Nur hat Quinn jetzt ein großes Problem. Die Insel, auf der er sich in der Kolonie befindet, ist mit allerlei tödlichen Waffen gesichert inklusive Unterwasser-Laser. Und regelmäßig muss er sich an einem Fingerabdruckscanner melden, will er nicht auf der Stelle tot umfallen.

Wie soll er von dieser Insel runter? Wie soll er seine Frau und seinen frisch geborenen Jungen retten? Quinn zu Hilfe kommt der schillernde Waffenhändler Yaz …

Was zu sagen wäre

Ein Film, bei dem allen Beteiligten das Drehbuch während der Dreharbeiten augenscheinlich egal war. Was da drin steht, ist weniger wichtig, als dass es ordentlich rummst. Noch während der Vorspann läuft, rempelt sich Jean-Claude Van Damme mit einem gepanzerten Truck quer durchs Gelände über parkende Schützenpanzer und steile Abhänge, durch funkelnde Flussbetten und Hauswände, während hinter und neben ihm die Verfolger zu Bruch gehen oder sich in Feuerbällen auflösen. Da beendet er als Top-Agent eines Geheimdienstes gerade seinen letzten Job. Als nächstes sehen wir ihn mit seiner hochschwangeren Frau in einer lieblichen Villa in Südfrankreich, es ist die große Liebe und der endgültige Lebensentwurf des ehemaligen Agenten. Bis ein Ex-Kollege ihn, der absolut nicht zurück will mit „Es geht um Stavros!“ wieder zurück holt.

"Stavros" muss man nicht weiter hinterfragen, er ist der Dämon, der von allen Geheimdiensten dieser Welt wechselweise angeheuert oder gejagt wird. Plakatmotiv (US): Double Team (1997) Die kennen sich alle persönlich, die Geheimdienstler, bis runter in die mittleren Ränge in denen sich Scharfschützinnen tummeln, die mit einem automatischen Schalldämpfer-Präzisionsgewehr in der Armbeuge auf die Frage „Treffen Sie einen Mann auf 200 Meter damit?“ versprechen „Damit schieße ich einem Kolibri den Pimmel ab!“ Diejenigen Agenten, denen mehr als der Pimmel weggeschossen worden ist und als tot gelten, finden sich auf einer ablegenen, ganz geheim gehaltenen Insel wieder, auf der die gar nicht so Toten für top geheime Zwecke eingesetzt werden. Was das genau für Zwecke sind, wird nicht so genau erklärt. Die totgeglaubten Agenten sitzen in einem großen Rund, sehen sich Geheimdienstvideos an und analysieren dann mit ihrer geballten Geheimdiensterfahrung messerschärfer, als die aktiv noch lebenden Geheimdienstler in ihren Hauptquartieren in den Hauptstädten dieser Welt. Aber eigentlich gibt die Insel vor allem dem Hauptdarsteller Gelegenheit, seine beeindruckende Beinmuskulatur zu präsentieren und dem von ihm gespielten Agenten, zu zeigen, was für ein raffinierter Fuchs er ist, denn er wird der erste sein, der von dieser hochgesicherten Insel unbeschadet flüchten kann. Der Rest ist dann Jagd auf Stavros, der droht, Quinns eben geborenen Sohn als seinen eigenen großzuziehen, nachdem er Quinn und seine Frau ermordet haben wird. Durch Hundertschaften lustvoller Profikiller hindurch arbeitet sich Quinn vor, bis er zum feuerfesten Finale im römischen Colosseum auf Stavros und einen lebenden Tiger trifft.

Irgendwie mischen da auch die anderen Agenten von der geheimen, top gesicherten Insel mit. Es gibt da beispielsweise einen, der versucht den unter Wasser fliehenden Quinn mit einer Plastiktüte über dem Kopf auszuschalten – unter Wasser jemanden mit einer Plastiktüte ersticken zu wollen, ist eine rätselhafte Aktion für einen Profikiller.

Die unklaren Zusammenhänge, wie und was eigentlich diese "Kolonie" auf dieser Insel zu bedeuten hat, wer sie finanziert, wer von ihr profitiert, werden nicht vertieft. Da entfacht Regisseur Tsui Hark lieber die nächste Schießerei oder eine weitere Explosion. Darum geht es ja bei dieser Art Film, da muss man sich nicht wundern, wenn man das dann auch kriegt. Wenn die Szenensplitter nur ein wenig smarter kombiniert werden würden – so, dass ich animiert würde, zu kombinieren, Rätsel zu lösen und die handfeste Lösung dann den einschlägig geschulten Hauptdarstellern zu überlassen – also kurz: mitzufiebern. Statt dessen haben die Produzenten als weiteres Verkaufsargument neben Jean-Claude Van Damme ("Maximum Risk" – 1996; Sudden Death – 1995; Timecop – 1994; Harte Ziele – 1993; Universal Soldier – 1992; "Geballte Ladung" – 1991; "Leon" – 1990) den Basketballspieler Dennis Rodman als exaltierten Waffenhändler eingekauft, der gefühlt in jeder Szene eine andere Haarfarbe hat und grässliche Sonnenbrillen trägt. Variantenreicher wird sein "Schauspiel" nicht und fügt sich damit in die platte Dramaturgie ein, der Explosionen lieber sind als eine smarter Handlung.

"Double Team" ist die erste englisch sprachige Regie für den Hongkong-Chinesen Tsui Hark. Die Produzenten gaben ihm 30 Millionen Dollar, um den Film zu realisieren. Gelohnt hat es sich nicht: In den USA spielte der Film 11,4 Millionen, außerhalb der USA nochmal 36,7 Millionen Dollar ein.

Wertung: 2 von 11 D-Mark
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