USA, 1881: Der afroamerikanische Sergeant Braxton Rutledge, direkter Nachkomme von Sklaven, dient in der 9. Kavallerie der US-Armee. Eines Tages wird er bei den Leichen seines Vorgesetzten, Major Dabney, und dessen vergewaltigter Tochter Lucy angetroffen.
Vor dem Militärgericht beteuert er seine Unschuld, was die Vergewaltigung angeht, und plädiert anderweitig auf Notwehr. Sein Anwalt Tom Cantrell setzt sich für Rutledge ein, trotz eines Anfangsverdachts: Als er ihn bei den Leichen auffand, versuchte der Angeklagte zu fliehen.
Die Zeugin Mary Beecher, die Rutledge auf seiner Flucht vor einem Angriff von Apachen gerettet hat,
beharrt als Einzige auf seiner Unschuld. Im Laufe der Zeugenbefragungen zeichnet sich eine andere Erklärung für die Morde ab …
Ein afroamerikanischer Soldat wird angeklagt, ein weißes Mädchen vergewaltigt und ermordet und deren Vater erschossen zu haben. Der Angeklagte war bisher untadelig in seinem Ruf, aber jetzt steht die Meute, die ihn hängen sehen will, mit dem Galgenstrick schon bereit. Seine einzige Chance auf Leumund sind eine weiße Zeugin und sein vorgesetzter Offizier, ein weißer Leutnant, der ihm vor Gericht als Verteidiger zur Seite steht. Es ist ein erstaunlicher Film, denn er ist von 1960. Und er entstand unter der Regie des einst knochenharten Konservativen John Ford (Der letzte Befehl – 1959; Das letzte Hurra – 1958; Der schwarze Falke – 1956; Der Sieger – 1952; Rio Grande – 1950; Der Teufelshauptmann – 1949; Faustrecht der Prärie – 1946; Früchte des Zorns – 1940; Trommeln am Mohawk – 1939; Der junge Mr. Lincoln – 1939; Ringo – 1939). Filmhistorische ist der Film von Bedeutung als erster großer Hollywood-Western, der einen Afroamerikaner als Titelheld hat. An den amerikanischen Kinokassen blieb der Film seinerzeit hinter den Erwartungen zurück, außerhalb der Staaten war er erfolgreicher. Ford schrieb dies der schlechten Werbung des Studios für den Film zu.
Fords Western ist ein Gerichtsdrama, das in Flashbacks das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven nachstellt. Die meisten Szenen wurden im Studio gedreht, meistens sind wir im Gerichtssaal oder an einer Bahnstation, die zu Beginn eine zentrale Rolle spielt. Auch die wurde deutlich erkennbar im Studio aufgebaut, im Hintergrund auf Leinwand gemalt eine der markanten roten Felsformationen des Monument Valley in Utah, das John Ford Ende der 30er Jahre als Drehort für seine Western entdeckte. Dort sind auch alle Außenaufnahmen für diese Film entstanden. Ford spielt mit diesen Motiven, mit der staubigen Enge im rassistisch vermieften Gerichtssaal, in dem ein herrisch mit dem Zeigefinger fuchtelnder Staatsanwalt die Moral weißer Rassisten mit Rechtsprechung verwechselt und den Angeklagten mehrfach auf dessen Hautfarbe reduziert. Dagegen schneidet Ford Bilder aus dem prachtvoll leuchtenden Monument Valley mit besonders bunt gewandeten Indianern, deren Raubzüge nur noch eine Geschichte am Rande darstellen in einem Film, der einen Schritt zurücktritt und den Nimbus des weißen Retters und mutigen Pioniers ein wenig
zumindest der auch Ende des 19. Jahrhunderts schon herrschenden Realität angleicht. Aber wirklich nur ein wenig.
Andere afroamerikanische Schauspieler, die hier als Soldaten einer farbigen Einheit auftreten, dürfen ihren Vorgesetzten Sergeant Rutledge vorbehaltlos bewundern, reden und benehmen sich aber über weite Strecken, wie ungebildete Kinder. Und es ist Jeffrey Hunter, ein weißer Schauspieler mit stechend blauen Augen und stolzer Haltung, der den Farbigen schließlich raus haut und einen weißen Witwer der grausamen Tat überführt. Hunter wird im Vorspann als erster genannt, mit dem Ford vier Jahre zuvor Der Schwarze Falke, auch im Monument Valley, gedreht hatte. Der Mann, der den Titelheld verkörpert, Woody Strode, ein Zehnkämpfer, Footballer und Schauspieler (Spartacus – 1960; König der Freibeuter – 1958; Die zehn Gebote – 1956) taucht im Vorspann erst an vierter Stelle neben anderen Namen auf. Im selben Jahr wurde Strode für seinen Auftritt in Spartacus für den Oscar nominiert. Beide Filme machten aus Strode einen bekannten und respektierten Schauspieler, aber keinen Filmstar. Die Bürgerrechtsbewegung steckte noch in den Anfängen, Hollywood war womöglich nicht reif für einen schwarzen Actionhelden. John Ford soll Strode vorab gesagt haben: „Woody, ich kann aus dir einen Charakterdarsteller machen, aber keinen Star.“
Während die Szenen an Originalschauplätzen vom stolzen Heldenleben der Kavallerie inklusive inszenierter, breitbeiniger Männerposen singen, tritt im Gerichtssaal das Pathos in den Vordergrund. Der improvisierte Saal ist gar nicht groß, dennoch deklamieren Anklage und Verteidigung lautstark in Hauptsätzen ihre unterschiedlichen Ansichten und versuchen auch mal, Zeugen zu beeinflussen, die dann – Irrtum im Drehbuch – auch Sachen erzählen, die sie gar nicht wissen können, weil sie bei denen gar nicht dabei waren. Das Drehbuch stammt von Willis Goldbeck, dem Produzenten des Films, und James Warner Bellah. Bellah war damals ein bekannter Westernschriftsteller (1899–1976), bei dessen Kurzgeschichten in der Saturday Evening Post sich John Ford für gleich mehrere seiner Filme bedient hat. Seine drei Kavallerie-Filme – "Bis zum letzten Mann" (1948); Der Teufelshauptmann (1949); Rio Grande (1950) – basieren auf Erzählungen von Bellah.
Ford inszeniert mit unaufgeregter Hand, zieht sich mit der Kamera auf die Position des Beobachters zurück und lässt das für damalige Verhältnisse noch heikle Drama für sich stehen. Vielleicht ist der Film deshalb nicht gut gealtert. Heute wirkt der moralische Furor, mit dem hier Botschaften gehämmert werden, überzeichnet – aber er sollte ja auch 1960 wirken, nicht heute. Für die Filmuniversitäten und John Ford-Fans freilich ist dieser Film ein spannendes, aufregendes Stück Filmgeschichte.
