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Plakatmotiv: Bis zum letzten Mann (1948)

Ein Western, der vermeintliche Helden als
Legende des American Way of Life entlarvt

Titel Bis zum letzten Mann
(Fort Apache)
Drehbuch Frank S. Nugent
inspiriert durch die Kurzgeschichte "Massacre" von James Warner Bellah
Regie John Ford, USA 1948
Darsteller

John Wayne, Henry Fonda, Shirley Temple, Pedro Armendáriz, Ward Bond, George O'Brien, Victor McLaglen, Anna Lee, Irene Rich, Dick Foran, Guy Kibbee, Grant Withers, Jack Pennick, Ray Hyke, Movita, Miguel Inclán, Mary Gordon, Philip Kieffer u.a.

Genre Western
Filmlänge 128 Minuten
Deutschlandstart
9. Oktober 1953
Inhalt

Oberst Thursday ist verbittert, weil er den Generalsrang verloren hat und nach Fort Apache versetzt worden ist. Er führt gegen die Warnungen der Offiziere durch seine Indianerpolitik eine Katastrophe herbei, als er die nach Mexiko gezogenen Apachen unter Häuptling Cochise zurück lockt und attackiert.

Er wird mit seiner Kavallerieabteilung aufgerieben. Captain York entkommt mit wenigen Männern und verschweigt vor der Presse die Fehler Thursdays. Er bestätigt die Legende von Thursdays „glorreicher Attacke“ …

Was zu sagen wäre

Owen Thursday ist ein eitler, arroganter und verbitterter Mann. Und er ist Oberst in der Armee der Vereinigten Staaten in den 1870er Jahren. Er war General in den Sezessionskriegen, wurde nach dem Bürgerkrieg aber zurückgestuft. Das hat er nicht verwunden. Und dass er jetzt nach Fort Apache versetzt wurde, in eine Ecke im Südwesten des Landes, abseits der Regionen, in denen man sich als kommandierender Offizier in Schlachten einen Namen machen kann, nimmt er persönlich übel. Plakatmotiv: Bis zum letzten Mann (1948) Die Grundlage für diesen Film von John Ford (Faustrecht der Prärie – 1946; Früchte des Zorns – 1940; Trommeln am Mohawk – 1939; Der junge Mr. Lincoln – 1939; Ringo – 1939) bildet die Kurzgeschichte "Massacre" von James Warner Bellah. Der Titel ist gleichzeitig Programm und irreführend.

John Ford legt einen Film vor, dessen Rahmen von Legendenbildung und der Verehrung der falschen US-Helden erzählt, in einem Bild, das das Leben von Soldaten in einem Fort malt. Weite Strecken seines Films sind gefüllt mit einer romantischen Liebesgeschichte, der Ausbildung von neuen Rekruten, der Liebe zum Whisky bei im Dienst alt gewordenen Soldaten, dem alltäglichen bürgerlichen Zusammenleben auf dem ummauerten Gelände, dem Versuch der Zerstreuung bei gemeinsamen Tanzabenden, von zwischenmenschlichen Regeln und Anstand unter Soldaten, Zivilisten, Männern und Frauen, und den militärpolitischen Pflichten des hier stationierten Regiments. Der militärische Konflikt, sozusagen der rote Handlungsfaden, schleicht sich langsam in die Alltagsbeschreibungen und mündet schließlich durch ein Gemisch aus gesellschaftlicher Verblendung, Größenwahn und hanebüchener Strategie in jenes "Massaker" aus dem Titel der Buchvorlage. Es wirkt, wie eine in den Süden verlegte Neuerzählung der Schlacht am Little Bighorn (im nördlichen Montana), wo General Custer 1876 die historische Niederlage gegen die Sioux und Cheyenne erlitt. In der erfundenen Geschichte von "Fort Apache" treibt der Colonel seine Leute in den Tod gegen den Apachenhäuptling Cochise. Die Apachen selbst werden im Film als Getriebene gezeichnet. Sie wollen keinen Krieg. Aber das ist dem weißen Oberst egal, der für seine Karriere militärische Erfolge braucht. Er reitet seine Männer in den Untergang.

Und wird später als großer Held der Indianerkriege in die US-Geschichte eingehen. Die Soldaten, die die Schlacht überlebt haben, sind zu dem Schluss gekommen, dass den Landsleuten, die jeden Tag auf Farmen, in größer werdenden Städten, in der Prairie gegen widrigste Natur, gegen Banditen, auch gegen Indianer um ihr Überleben kämpfen, mit toten Helden besser gedient ist, als mit toten Versagern, wie es Oberst Thursday in Wahrheit einer ist. In einem Gespräch mit dem Regisseur Peter Bogdanovich erläuterte Ford später seine Sicht der Heldenverehrung: „Wir haben eine Menge Leute, von denen angenommen wird, dass sie große Helden gewesen sind. Und Sie wissen verdammt gut, dass sie es nicht waren. Aber es ist gut für das Land, Helden zu haben, um zu ihnen aufblicken zu können; wie Custer: ein großer Held. Gut, er war es nicht.Geschichte wird von den Siegern geschrieben, sagt ein Sprichwort. So könnte auch der Untertitel zu diesem Film lauten. Die Frage des Umgangs mit Wahrheit und Legende nimmt Ford 1962 in seinem Der Mann, der Liberty Valance erschoss nochmal auf.

Thursday, der kommandierende Oberst, der seine Leute in den Tod schickte, hat die kurze Schlacht überhaupt erst provoziert, hat gegenüber Cochise sein Wort gebrochen. Der war mit seinen Apachen aus dem ihm zugewiesenen Reservat aus nd nach Mexiko gezogen. Plakatmotiv (US): Fort Apache (1948) Grund: Der von der US-Regierung berufene Verwalter hatte Schindluder mit den Indianern getrieben, ihnen defekte Gewehre, billigen Tand und hochprozentigen Schnaps angedreht, statt ordentliche Decken, Zelte und Medikamente. Folglich starben immer mehr Apachen – Frauen, Kinder – an Mangelernährung, durch Kälte und Hunger; wäre Cochise mit seinen Leuten nicht nach Mexiko geflohen, wären sie alle im Reservat umgekommen, erklärt Captain York dem Vorgesetzten Thursday, der davon nichts wissen will, nur auf einen Sieg über die Indianer schielt. Henry Fondy spielt diesen überheblichen Mann, der es kaum erträgt, dass sich seine Tochter nur mit dem Sohn eines Unteroffiziers trifft, mit der erhabenen Grandezza eines höheren Sohnes, der irgendwann den Faden zum Alltag verloren hat (Faustrecht der Prärie – 1946; Ritt zum Ox-Bow – 1942; Rache für Jesse James – 1940; Früchte des Zorns – 1940; Trommeln am Mohawk – 1939; Der junge Mr. Lincoln – 1939; Jesse James – Mann ohne Gesetz – 1939). Sein Thursday schätzt es nicht, dass ihm seine Männer im praktische Umgang mit der Wildnis rund um das Fort und im Umgang mit den Indianern weit voraus sind. Anstatt sich, wie kluge Vorgesetzte, diese Erfahrung zunutze zu machen, hält er ihnen Vorträge über das korrekte Tragen der Uniform und über eine Zweiklassengesellschaft, in der Offiziere und Unteroffiziere kein gemeinsames Leben haben.

John Wayne verkörpert Thursdays Gegenspieler, den aufrechten, erfahrenen Captain York (Die Freibeuterin – 1942; Ringo – 1939; Westwärts! – 1935). Der pflegt einen lockeren Umgang nach Dienstende, lässt seinen Männern Freiheiten, solange sie im Dienst loyal ihren Mann stehen und der deshalb von seinen Leuten geachtet und respektiert wird. Ein Mann, der zu seinem Wort steht und der schwer daran zu kauen hat, dass sein Vorgesetzter dieses Wort, das York dem Indianerhäuptling zum sicheren Geleit zurück ins Reservat gab, bricht. Aber York ist eben auch Soldat und fügt sich ohne weitere Diskussion seinem Kommandanten, wohl wissend, dass das nur im Massaker enden kann.

In spektakulären Bildern aus wagemutigen Kameraperspektiven (zum Beispiel neben und unter galoppierenden Pferden) erzählt John Ford in der grandiosen Kulisse des Monument Valley in Utah eine in einen US-Uniformrock gehüllte allgemein gültige Geschichte über das Zusammenleben von Menschen in Gemeinschaften, die in einer Familie genauso erzählt werden könnte, wie in einer kleinen Stadt, wie in einem Fort: Es geht nur mit Regeln, über deren Einhaltung jemand wachen und sie gegebenenfalls mit Gewalt durchsetzen darf; dieses Gewaltmonopol wiederum funktioniert nur, wenn die Menschen dem oder der Regelüberwacherin vertrauen und frei ihre Meinung artikulieren können. In "Fort Apache" bricht dieses zutiefst amerikanische System auseinander.

Wertung: 6 von 6 D-Mark
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