Die Sullys finden weiterhin Unterschlupf beim Clan der Metkayina an der Küste Pandoras. Dennoch tun sie sich schwer, zu einer Art Normalität zu finden, denn der Tod von Neteyam während des Kampfes gegen die Resources Development Administration (RDA) der Menschen wiegt immer noch schwer.
Jake, Neytiri, Lo’ak, Tuk, Spider und Kiri müssen alle ihren eigenen Weg finden, mit diesem bitteren Verlust umzugehen. Schließlich entscheiden die Sullys, dass es vor allem für Spider an diesem Ort nicht mehr sicher genug ist. Er soll zurück in die Festung der Omatikaya gebracht werden. Doch auf dem Weg dahin werden sie vom Mangkwan-Clan, dem Volk der Asche, angegriffen. Der Clan hat sich von der Lebensweise der Na'vi abgekehrt, seit ein Vulkanausbruch ihre Heimat in Schutt und Asche gelegt hat.
Die RDA hat den Bau ihrer Festungsstadt auf Pandora beinahe abgeschlossen. Das Kommando dort führt General Ardmore, die vor allem dafür sorgen soll, dass der Abbau der wertvollen Ressourcen ungehindert weitergehen kann. Ihr Vorgänger Quaritch lebt in einem Avatar-Körper weiter und hat weiterhin nur den Auftrag, Jake Sully zu finden und auszuliefern.
Als Langstreckensonden endlich Sullys Aufenthaltsort ausfindig machen, stolpern Quaritch und seine Kommandoeinheit mitten hinein in den Überfall des Mangkwan-Clans auf die fliegende Karawane, der sich die Sullys auf ihrem Weg zur Omatikaya-Festung angeschlossen hatten. Quaritch und die Führerin des Clans, Varang, finden Gefallen aneinander – er, weil sie eine wütende Kämpferin voller Hass auf die Na'vi ist, sie, weil Quaritch so interessante Waffen hat, die „den Donner“ bringen …
Religionskrieg auf dem Mond Pandora: In seinem dritten Avatar-Film treibt James Cameron die Familie Sully in die Arme eines Stammes von Feueranbetern, die der Eywa, jenem einer Gottheit ähnelnden neuronalen Netzwerk des Mondes, abgeschworen haben. „Das Feuer kam vom Berg, verbrannte unsere Wälder. Meine Leute schrieen um Hilfe. Aber Eywa kam nicht!“, sagt Varang, die Anführerin des Mangkwan-Clan. Seitdem leben sie in einem Aschehaufen das Leben von Piraten, reißen Herzen aus Leibern und dürsten nach Rache.
Die Avatar-Filme verbreiten ihre Friedensbotschaft in simplen Handlungsbögen, dafür in Bildern, die die Leinwand sprengen. „Gewalt erzeugt immer nur mehr Gewalt“, sagen die Metkayina. „Der Tod fordert immer nur mehr Tote“, sagt die Hohepriestern der Tulkun. Hätte Sully zu Beginn des neuen Films die Gewehre aus dem letzten Kampf gegen die RDA auf dem Meeresboden gelassen, anstatt sie für mögliche künftige Kämpfe einzusammeln und zu recyceln, hätte er sie nicht bei ihrer fliegenden Reise zur Festung der Omatikaya dabei gehabt und sie also nicht eingesetzt, als Varangs Clan sie überfiel, wäre der Frieden vielleicht länger erhalten geblieben. Aber so lernt nun Varang, die mit Pfeil und Bogen kämpfende Anführerin des Mangkwan-Clan, die Donnerwaffen kennen und sieht mit diesen ihre Chance, sich ihren Platz auf Pandora zu sichern.
Sie weiß noch nichts von "Himmelsmenschen", die mit schweren Panzerfahrzeugen ihre Welt Stück für Stück zerstören.
Mit diesem dritten Teil, der notfalls, sollte er floppen und nicht mehr fortgesetzt werden, als Abschluss einer Trilogie durchgeht, ist James Cameron auf Pandora angekommen (Titanic 1997; True Lies – 1994; Terminator 2: Tag der Abrechnung – 1991; The Abyss – 1989; Aliens – Die Rückkehr – 1986; Terminator – 1984; Piranhas II – Fliegende Killer – 1981). Jetzt kann er Überwältigungskino ohne erzälerisches Pathos liefern, kann all die Prämissen, die er in den Vorgängerfilmen mühsam aufgebaut hat, für sein spezielles Verständnis von Kino nutzen. In der Rückschau wirken die Filme von 2009 und 2022 wie Erklärstücke, was der Mond Pandora ist, was die Menschen dort wollen, was das Volk der Na'vi ist und wie die Natur auf Pandora funktioniert – all das eingebettet in weitschweifig aufbereitete Abenteuergeschichten. Jetzt, wo die Zuschauer das alles wissen, kann das Leben auf Pandora endlich losgehen. Wie in einem Open World Game können wir, ohne zwingend einer Handlung zu folgen, diesen faszinierenden Mond erkunden. Und das ermöglicht uns Cameron dann auch. Bis sowas wie ein Roter Faden sichtbar wird, ist die erste Filmstunde schon rum.
Immer noch versuchen die Menschen, sich auf Pandora festzusetzen. Colonel Quaritsch bleibt der Schurke des Stücks, hat sich aber ein seinem eindimensionalen Zorn etwas überlebt. Immer noch verfolgt er mit einer Armada Jake Sully, den einst abtrünnigen Marine, als ob Militär und RDA nicht eigentlich besseres zu tun hätten, zum Beispiel Pandora dergestalt urbar zu machen, dass Menschen in der giftigen Atmosphäre ohne Hilfsmittel leben können. Außerdem ist da der Menschenjunge Spider, Quaritschs Sohn, der bei den Sullys familiären Unterschlupf gefunden hat, für den aber auch der Schurke weiterhin Vatergefühle hegt, er also manchmal mit nur gedämpftem Zorn in die Schlacht zieht. Seine Vorgesetzten sind ob seiner andauernden Erfolglosigkeit zunehmend genervt von ihrem ehemaligen Top-Soldaten.
Statt weiterhin nur auf den Feind von außen zu fokussieren, eröffnet der neue Avatar-Film jetzt die Bedrohung von innen. Der Mond Pandora hat jetzt eigene, indigene Schurken, eben jene Asche-Leute, die den diversen friedliebenden Völkern das Leben anstrengend machen. So kommt es bald zu einer leidenschaftlichen Verbindung von Mangkwan-Anführerin Varang und Quaritsch.
Auf den einen großen Erzählbogen verzichtet Cameron. Es geht um familiären Zusammenhalt, um einen – im US-Kino unvermeidlichen – Vater-Sohn-Konflikt, um Misstrauen dem Fremden gegenüber, selbst wenn der zu engsten Familie gehört, um gegensätzliche Glaubensansätze und darum, dass man den Frieden nur erreichen kann, wenn man in die Schlacht zieht.
Keines dieser Themen wird dramatisch ausgearbeitet. Keines der Themen ist neu, sie ziehen sich auch durch die Vorgängerfilme. Sie sind die Jonglage, über die James Cameron seine Bilder spielt, uns tiefer in seine fantastische Welt von Pandora zieht. Auch die Handlungsbögen sind Versatzstücke aus den Vorgängern. Wieder geht die RDA auf die Jagd nach den mächtigen Tulkun, aus deren Gehirn sie jene äußerst wertvolle, lebensverlängernde Medizin gewinnen. Wieder wird Eywa beschworen, die schließlich ihr ganzes, beeindruckendes Arsenal in die Schlacht schickt. Wieder wird Neytiri zur zornbebenden Kämpferin, die mit Pfeil und Bogen umgehen kann, wie keine zweite – neu ist ihr Rassismus, den sie gegen Fremde ins Feld führt. Dauernd wird die Patchwork-Familie Sully auseinander gerissen, muss sich wieder finden, wird von Quaritsch gegeneinander ausgespielt und schlägt jedesmal noch wütender zurück: „Sullys halten zusammen“ und „Sullys geben niemals auf“ sind die beiden Wahlsprüche der Familie des Ex-Marinesoldaten Jake Sully.
Zu behaupten, dass Cameron uns Anlass gibt, um die Protagonisten zu bangen, wäre übertrieben. Wir schauen dem inhaltlich auf Streaming-Niveau erzählten Treiben gerne zu, weil die Bilder grandios sind. Cameron benutzt seine dramatischen Szenen streng genommen nur als Vorwand, auf luftig leichte Weise sensationelle visuelle Sacher-Torten auf die Leinwand zu setzen. Wenn die Na'vi auf ihren lederhäutigen Ikran um schwebende Felsen gleiten, im Sturzflug um die Wette jagen, wenn große Handelsschiffe aus Holz, getragen von gigantischen Blasen und gezogen von Rochenartigen Wesen durch die Himmel gleiten, wenn die gigantischen Tulkun mit der Jugend von Pandora Achterbahn schwimmen, entstehen erstaunliche Bilder großer Naturwunder mit einer Tiefe und Schönheit, die den Computer, der dahintersteckt, vergessen lassen; ein Film, für den sich die 3D-Brille lohnt!
Cameron führt das Kino konsequent in die Moderne der Generation Z: Wer 1997 oder später geboren wurde, ist mit fremden Welten in einer weit, weit entfernten Galaxis, mit tapferen Ringe-Suchern, Terminatoren und Zauberlehrlingen in Zauberwelten groß geworden. Der geht nicht mehr für für Verschwörungsthriller, menschliche Dramen oder romantische Komödien ins Kino; und die Kinder dieser Generation dann sowieso nicht mehr.
Die Menschen kaufen nur noch eine Kinokarte, wenn die Leinwand Überwältigung verspricht? Dann bietet ihnen Cameron eben diese Überwältigung und dafür legt er sich richtig ins Zeug.
Die Synthese aus Schauspielern, die per Motion Capture in Na'vi verwandelt werden, mit im Computer gemischten realen und künstlichen Landschaften zu esoterischen Traumwelten setzt den Maßstab, was die Leinwand künftig liefern muss, um Menschen in die Lichtspielhäuser zu locken. Auf dem heimischen Bildschirm – egal wie groß der ist – verlieren solche Filme ihren Glanz.
"Fire and Ash" ist eine mehr als dreistündige Auszeit vom nasskalten Winter, von Putin, Trump und Rentenreformgeschacher draußen vor der Tür. Im Zusammenleben von unterschiedlichen Na'vi-Völkern und Menschen und Avataren und geklonten Avataren und fliegenden Ikran und beeindruckenden Meeressäugern und Gottheiten entwirft der kriegerische Film zudem eine prächtig bebilderte Botschaft zur Völkerverständigung.
Die Avatar-Filme im Kino
- Avatar – Aufbruch nach Pandora (2009)
- Avatar – The Way of Water (2022)
- Avatar: Fire and Ash (2025)
- Avatar 4
- Avatar 5