IMDB

Plakatmotiv: Désirée (1954)

Ein prachtvoll verkleidetes Nichts
über eine vergessene Liaison

Titel Désirée
(Désirée)
Drehbuch Daniel Taradash
nach dem gleichnamigen Roman von Annemarie Selinko
Regie Henry Koster, USA 1954
Darsteller

Marlon Brando, Jean Simmons, Merle Oberon, Michael Rennie, Cameron Mitchell, Elizabeth Sellars, Charlotte Austin, Cathleen Nesbitt, Evelyn Varden, Isobel Elsom, John Hoyt, Alan Napier, Mary Stewart, Leon Alton, Louis Borel, Sven Hugo Borg, Peter Bourne, Paul Bradley u.a.

Genre Historie, Drama
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
25. Februar 1955
Inhalt

Marseille, 1794: Die junge Désirée Clary verliebt sich in den aufstrebenden General Napoleon Bonaparte. Wegen seiner politischen Ambitionen geht die Idylle zugrunde, doch während Napoleon seine Macht über Europa ausbreitet und Désirée Königin von Schweden wird, bleiben ihre Leben verflochten …

Was zu sagen wäre

Désirée … Die Erwünschte“, haucht Napoleon, der General ohne Kommando, und der historisch missgebildete Zuschauer wundert sich: Ist im Zusammenhang mit Napoleons Liebesleben nicht eine Josephine ausschlaggebend? Ist sie. Merle Oberon spielt sie in diesem Film in einer Nebenrolle. Tatsächlich war Napoleon Bonaparte zunächst mit Désirée Clary verlobt, Tochter aus einer Tuchhändlerfamilie in Marseille. Die Witwe Josephine de Beauharnais heiratet er später dann aus, wie er sagt, karrieretaktischen Gründen.

Wie verliebt der Korse und die Frau aus Marseille während und nach ihrer historisch verbürgten Verlobung wirklich waren, ist offen. Im Film bilden die beiden das emotionale Zentrum, das Weltgeschichte beeinflusst, obwohl Désirée schließlich General Jean-Baptiste Bernadotte heiratet, der später vom schwedischen König adoptiert und in der Folge König Karl XIV. Johann von Schweden wird. Diesen Mann spielt Michael Rennie (Prinz Eisenherz – 1954; Das Gewand – 1953; Der Tag, an dem die Erde stillstand – 1951) als aufrechten Verfechter der Moral, freundlich lächelnd seiner Désirée zugetan und darüberhinaus ein sterbenslangweiliger Mensch. Désirée soll auch nicht halb so charmant und reizend gewesen sein, wie sie Jean Simmons (Das Gewand – 1953) im Film darstellt. Plakatmotiv (US): Désirée (1954) Die Zeitgenossin Laure-Adelaide Abrantès, eine Hofdame am napoleonischen Hof, bezeichnete Désirée Clary in ihren 1831 erschienenen Memoiren als eine „totale Null“. Auch andere Schriftstücke, darunter die von Königin Hedwig, Désirées Vorgängerin, liefern das Bild einer unangenehmen Person, die unhöflich war, unsympathisch und verzogen. Der Film lässt dieses Detail nur anklingen, indem Désirée mit dem strengen schwedischen Hofprotokoll nicht zurechtkommt, sich nicht beugen will und nach Frankreich zurückkehrt.

Regisseur Henry Koster (Das Gewand – 1953; Mein Freund Harvey – 1950) und sein Drehbuchautor Daniel Taradash haben nicht in die Geschichtsbücher geschaut. Sie verfilmen den Roman "Désirée" der in Dänemark lebenden, aber in deutscher Sprache schreibenden Bestsellerautorin Annemarie Selinko, 1951 erschienen und seinerzeit ein in mehrere Sprachen übersetzter Bestseller. Der Roman verbindet, was große Hollywoodstudios lieben: Große Gefühle, prächtige Paläste und mächtige, einflussreiche Menschen. All dies zeigt der Film ausdauernd und im grandiosen Cinemascope-Format, macht dazwischen Zeitsprünge über Monate oder Jahre und liefert doch keine Geschichte, jedenfalls nicht mehr, wenn die ehelichen Verhältnisse geklärt, Napoleon mit Josephine und Désirée mit Bernadotte verheiratet sind. Es gibt keine heimliche Liaison, keine Ehekräche, keine Eifersuchtsszenen, von Napoleons kriegerischen Exzessen erfährt der Zuschauer aus den Tagebuchaufzeichnungen Désirées. Kein Drama nirgends, keine Zuspitzungen.

Aber Marlon Brando als Napoleon (Die Faust im Nacken – 1954; Der Wilde – 1953; Julius Caesar – 1953; Viva Zapata – 1952; "Endstation Sehnsucht" – 1951). Der Schauspieler scheint sich einen Spaß daraus gemacht zu haben, den französischen Säulenheiligen als Herrscher in Posen darzustellen. Brandos Performance ist blutleer, leidenschaftslos, aber macht sich gut auf Aushangfotos am Kino. Brando war damals in einer schlechten Position. Er hatte bei 20th Century Fox einen länger gültigen Vertrag unterschrieben und war schon aus dem ersten gemeinsamen Film, "Sinuhe, der Ägypter", nach Streitigkeiten mit Regisseur und Mitspielern ausgestiegen. Für seine Karriere war diese Entscheidung verheerend, Brando geriet dadurch bei den Produzenten in Misskredit und stand von nun an unter Druck, für oftmals niedrige Gagen in künstlerisch minderwertigen, aber kassenträchtigen Filmen mitzuwirken. Der erste dieser Filme war just "Désirée", wo es auch Streitereien mit dem Regisseur gab, der die Schauspieler in den prachtvollen Kulissen weitestgehend sich selbst überließ.

Dem Zuschauer bleibt die Rolle der Fliege an der Palastwand. Dort schauen wir prachtvoll gekleideten Staatsmenschen beim Reden, Küssen, Tanzen und alltäglichen Dasein zu. Die Männer machen Politik, die Frauen teilen sich auf in jene, die tratschen und Kleider kaufen und Jean Simmons, die ihren Männern erklärt, wie der Mensch tickt und was die Welt im Inneren zusammenhält.

Wertung: 2 von 6 D-Mark
IMDB