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Plakatmotiv: Lichter der Großstadt (1931)

Chaplin verweigert sich dem Tonfilm und zeigt
statt dessen eine gut choreografierte Nummernrevue

Titel Lichter der Großstadt (Eine Komödien-Romance als Pantomime)
(City Lights)
Drehbuch Charles Chaplin
Regie Charles Chaplin, USA 1931
Darsteller

Charles Chaplin, Virginia Cherrill, Florence Lee, Harry Myers, Al Ernest Garcia, Hank Mann, Jack Alexander, T.S. Alexander, Victor Alexander, Albert Austin, Harry Ayers, Eddie Baker, Henry Bergman, Betty Blair, Buster Brodie, Jeanne Carpenter u.a.

Genre Komödie, Drama
Filmlänge 87 Minuten
Deutschlandstart
1. Februar 1951
Website charliechaplin.com
Inhalt

Bei seinem Streifzug durch die Stadt begegnet der Tramp einem blinden Blumenmädchen, in das er sich unsterblich verliebt, und einen betrunkenen Millionär, den er davon abhalten kann, Selbstmord zu begehen.

Die Freundschaft mit dem Millionär ermöglicht ihm, gegenüber dem Mädchen die Rolle des vornehmen Herrn zu spielen. Als er durch Zufall herausbekommt, dasss sie ihre Miete nicht bezahlen kann, nimmt er Jobs als Straßenreiniger und Boxer an. Schließlich schenkt der Millionär ihm 1000 Dollar., die Polizei hält ihn jedoch für einen Dieb.

Nach Monaten wird der Tramp aus der Haft entlassen. Das Blumenmädchen, das sich von dem Geld eine Augenoperation leisten konnte und nun sehen kann, will ihm ein Almosen geben.

Erst, als sie seine Hand berührt, merkt sie, wen sie vor sich hat …

Was zu sagen wäre

Der Film wirkt, wie ein Best of der Chaplin'schen Gags und Ideen aus seinen zahlreichen Kurzfilmen. Der Boxkampf, der das letzte Drittel der "City Lights" einläutet, ist eine Weiterentwicklung von Ideen aus Chaplins "The Champion" von 1915. Auch das Motiv des betrunkenen Millionärs, der ihm ewige Freundschaft schwört und ihn im nüchternen Zustand aus dem Haus wirft, tauchte in 1921 schon auf in "Die feinen Leute".

Es gibt lauter Szenen, die nicht der Storyentwicklung dienen, sondern Chaplin die Gelegenheit bieten, sein komödiantisches Talent und seine clownesk-brillante Körperbeherrschung einzusetzen – ob er zwar dauernd seine Zigarre anzündet, aber eben doch nie seine Zigarre, ob er einen Mann retten will, der sich in den Fluss stürzt und dabei selbst in herbe Gefahr gerät, das ist jeweils mit kunstvollen Pirouetten aufgeführt und sehr komisch. Chaplin ist in seinem Element; das jedoch ein vergangenes ist.

Im Kino hat der Tonfilm seinen Siegeszug angetreten, Stummfilme halten die Kinogänger für ein ausgestorbenes Genre – der erste Tonfilm, The Jazz Singer, war schon 1927 in die Kinos gekommen. Dennoch präsentiert Chaplin souverän einen Stummfilm, dem er der Einfachheit halber den Untertitel „Eine Komödien-Romance als Pantomime“ beifügt. Eines der US-Plakatmotive feiert seinen Film mit der Botschaft „Too funny for words“. Chaplin ist der Tonfilm fremd. Er glaubt, Ton zerstöre seine spezielle Art der Kunst. Prompt macht er sich über den Tonfilm lustig. Chaplin eröffnet sein Drama mit einer Denkmalenthüllung, bei der zwei Honoratioren der Stadt augenscheinlich gewichtige Worte sprechen, von denen wir aber nur Gekrächze hören – im Original werden diese Töne von einem Saxophon erzeugt. Später verschluckt der Tramp eine Trillerpfeife und weil er dadurch einen fürchterlichen Schluckauf hat, pfeift er ununterbrochen. Auch die Glocke am Boxring bimmelt vernehmlich, was Chaplin gleich für neue Überzeichnungen nutzt.

Erzählerisch bleibt sich Chaplin auch in dieser Nummernrevue Deluxe treu. Er erzählt eine herzerwärmende Geschichte über die einfachen Leute, die sich der täglichen Unbill stellen und weitermachen – der mittellose Tramp, der sich von schnöseligen Zeitungsjungen ärgern lassen muss, schaut dennoch stets optimistisch in die Zukunft: „Morgen singen die Vögel wieder!“ Das blinde Blumenmädchen geht mit ungebrochener Zuversicht jeden Tag daran, mit ihren Blumen wenigstens die Miete reinzuholen und ist dabei von einer entwaffnenden Freundlichkeit zu jedermann (umso bemerkenswerter, wenn man weiß, dass sich Virginia Cherrill, die das Blumenmädchen spielt, und Chaplin nicht leiden konnten – s.u.). Nur der Millionär, der jede Nacht Party macht und zwischendrin mal nach Europa reist, will sich dauernd töten, aus Verzweiflung, weil ihn seine Frau verlassen hat. Anders ausgedrückt: Es lebt sich zwar schwieriger, wenn das Geld knapp ist, aber leichter und offener als beim Millionär, bei dem alle auf sein Geld starren.

Ein schönes Märchen mit einer wunderschönen Schlussequenz.

Wertung: 4 von 6 D-Mark
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