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Plakatmotiv: Ant-Man and the Wasp (2018)

Ein luftiger Familienfilm im
schwerblütigen Marvel-Kino

Titel Ant-Man and the Wasp
(Ant-Man and the Wasp)
Drehbuch Chris McKenna & Erik Sommers & Paul Rudd & Andrew Barrer & Gabriel Ferrari
nach den MARVEL-Comics von Stan Lee & Larry Lieber & Jack Kirby
Regie Peyton Reed, USA 2018
Darsteller

Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas, Hannah John-Kamen, Michael Peña, Michelle Pfeiffer, Laurence Fishburne, Walton Goggins, Bobby Cannavale, Judy Greer, Tip 'T.I.' Harris, David Dastmalchian, Abby Ryder Fortson, Randall Park, Divian Ladwa u.a.

Genre Comic-Verfilmung
Filmlänge 118 Minuten
Deutschlandstart
27. Juli 2018
Website http://marvel.com/antman#
Inhalt

Nachdem es Scott Lang einst schaffte, den Subatomaren Raum wieder zu verlassen, tüfteln Hank Pym und seine Tochter Hope an einem Tunnel, einem Weg, wie man diesen Raum betreten und wieder verlassen kann. Beide glauben, dass Hanks im Subatomaren Raum verschollene Frau Janet noch am Leben ist und wollen sie zurückholen.

Scott selbst steht nach den Geschehnissen in Deutschland unter Hausarrest. Die meiste Zeit verbringt er jetzt einfach damit, ein guter Vater für seine Tochter Cassie zu sein. Mit Hank und Hope hat er keinen Kontakt mehr, weil sie durch seinen Auftritt als Ant-Man in Deutschland in den Untergrund fliehen mussten. Doch kurz vor Ablauf seiner Strafe wird er von den beiden doch wieder aus seinem Alltagstrott und zurück ins Abenteuer gerissen: Scott soll bei der Suche nach Hopes Mutter Janet helfen, die vor 30 Jahren bei einer Mission im subatomaren Raum verschwand.

Doch bei ihrer Mission geraten Scott, Hope und Hank mit der mysteriösen Ghost aneinander, die andere Pläne hat …

Was zu sagen wäre

Das Leben als Welten rettender Superheld ist von Dornen durchsetzt. Es verleitet nicht zu Späßen, nicht zu Witzeleien. Im Vergleich zu ihren Kollegen aus dem DC-Universum sind die bunten Superkräfte-Anwender des Marvel Cinematic Univers (MCU) zwar in der Lage, in ihre Wort- und Faustgefechten Momente des comic relief einzustreuen. Aber wenn Captain America und Iron Man aneinandergeraten, weil beider Weltanschauungen nicht kompatibel sind, entsättigt auch das MCU seine Farbenpracht und kennen Cap und Iron Man kein Jetzt lass mal bleiben, Alter! Und vor wenigen Monaten erst traten alle Superhelden des MCU gemeinsam gegen die galaktische Entität Thanos an, der trotzdem mal eben jeden zweiten Bewohner des Universums in einen Aschehaufen verwandelte. Für Witz, gar für irgendeine Art Humor, eignet sich dieses Drama wahrlich nicht. Dafür ist der Body Count einfach zu hoch, auch wenn er im folgenden Teil widerrufen werden wird – das gehört im Superheldencomic zum täglichen Leben und Sterben.

Wie gut, dass irgend jemand auf die Idee kam, der Marvel-Figur Ant-Man, einst Mitbegründer der allerersten Avengers, den Touch des Familiären, des sich ins Unvermeidliche mit einem One Liner rettenden Helden zu geben. Das ist nicht selbstverständlich. Der Ant-Man, der in den Marvel-Comics in den 1960er Jahren auftauchte, war Hank Pam selbst, ein Wissenschaftler, ein steinreicher Eigenbrödler im weißen Kittel, mehr an seiner Laborausstattung interessiert als daran, die Welt zu retten. Er heiratete Janet van Dyne, mit der zusammen er Ameisenmann und die Wespe wurde – beides Gründungsmitglieder der Avengers. Um es kurz zu machen: Die Ehe verlief nicht schön, Pym schlug seine Frau, die sich daraufhin scheiden ließ. "Gewalt in der Ehe", "Scheidung" … das waren bis dato Themen, die hinter vorgehaltener Hand auf Cocktailpartys getrascht oder in Hollywood-Melodramen verhandelt wurden. Aber nicht in einem Superhelden-Comic. Von der Anlage her also passt dieser depressive Ant-Man sehr gut in die farbentsättigte, zunehmend humorlose Welt des MCU.

Der Ant-Man der Marvel-Kinowelt dagegen übernimmt die Rolle, die Spider-Man in den klassischen Comics hatte.

Was er anpackt geht schief. Er macht alles richtig, kommt aber auf keinen grünen Zweig. Scott Lang hilft, wo er kann, holt sich Beulen, rettet Menschen, meint es nur gut und landet dennoch vor dem Richter. Als Vorbestrafter ohnehin nicht gut beleumundet hat er mit seinem Ausflug nach Deutschland gegen das Superhelden-Registrierungsgesetz verstoßen. Er trägt eine elektronische Fußfessel, hat seine neu gewonnenen Freunde Hank Pym und Hope van Dyne wieder verloren und auch sein neu gegründetes Unternehmen für Sicherheits-Software kommt nicht auf die Beine.

In der Figur des Ant-Man haben die Marvel-Verantwortlichen kurzerhand eine Generation weiter geschaltet. Während Iron Man Comic-getreu immer noch Tony Stark ist, Spider-Man immer noch Peter Parker und Captain-America immer noch Steve Rogers, ist Hank Pym heute der verloren wirkende Wissenschaftler, der um seine im Subatomaren verschollene Janet trauert. Im Ant-Man-Universum hat die nächste Generation schon übernommen. Der zweite Film aus diesem speziellen Universum unterstreicht die Richtung des ersten Films: Es geht um Familie und die family values. Und da ist jede Mange Platz für One Liner, für Witz und grotesken Humor.

Aus der Rückschau hat der erste Film nur eine Richtung vorgegeben und ächzte dann unter den Notwendigkeiten einer Origin-Story. Ant-Man wirkte originell, frisch, leicht, weil er eine Überraschung war. Im SFX-lastigen MCU kam er als flockig leichte Unterhaltung daher. In einem Universum, in dem unerklärlich mächtige Wesen mit einem Fingerschnippen Welten zum Einsturz bringen, erzählte Ant-Man von einfachen Leuten, die kämpfen, um nicht in den Abfluss einer Badewanne gespült zu werden. Ant-Man erdete die Welt der übermächtigen Superwesen. Die Fortsetzung setzt noch einen drauf … was das Beste ist, was man über eine Fortsetzung sagen kann. Weil nun klar ist, wer wer ist, wer warum welches Kostüm trägt, geht Peyton Reed gleich in medias res. Dazu gehört, dass Perspektiven keine Sicherheit bieten, Größenverhältnisse außer Kraft gesetzt sind.

Riesige Ameisen helfen Hank Pym, den Tunnel in den Subatomaren Raum zu bauen. Häuser schrumpfen auf Kofferraumgröße. Salzstreuer werden zur Waffe, weil sie in Nullkommanichts auf Menschengröße wachsen und Türen versperren, die winzige Wasp weicht gigantischen Küchenmessern aus, wächst auf Normalgröße, tritt dem Gegner ins Gesicht und schleudert dann einen ins Gigantische gewachsenen Traubenzuckerspender auf Verfolger. Peyton Reed hat die Aufhebung von relativer Größe zum Leitmotiv seines zweiten Ant-Man-Films gemacht. Diese Special-Effect-orientierte Familiengeschichte ist über die zwei Stunden Laufzeit unterhaltsam, kurzweilig, hat keinen Durchhänger. Dennoch geht mir im Kinosessel irgendwann die Luft aus. Bin ich übersättigt? Reicht es nun langsam mit dieser perfekt gepixelten Erzählmaschinierie? Plump gesagt: Mir fehlt mal eine echte Überraschung.

Großes wird klein. Kleines wird groß. Das sowie die Klein-Groß-Klein-Prügeleien von Wasp und Ant-Man wirken hinter der 3D-Brille effektvoll. Nach den zuletzt schwerblütigen Filmen aus dem MCU wirkt "Ant-Man and the Wasp" sommerlich frisch.

Im letzten Drittel des Films wird ein Zwei-Stunden-Countdown in Gang gesetzt, innerhalb dessen die Geschichte entweder ein glorreiches Ende nimmt oder in der Katastrophe endet. Und wir alle wissen, dass es eine Katastrophe in einem solcherart strukturierten Film nicht geben wird. Also sitzen wir ab diesem Zeitpunkt da und schauen zu, was den Autoren noch einfällt, um die Spannung der ticking-clock-Dramaturgie bis in die letzte Sekunde hochzuhalten. Die Autoren machen das gut. Regisseur Peyton Reed macht das gut.

Aber wir schauen eben im Kinosessel – von außen – auf die Arbeit von Autoren und Regisseur, anstatt uns von einer spannenden Geschichte mitreißen zu lassen. Unweigerlich kommt der Moment, in dem ich im Kinosessel denke: Habe ich diese Art Wendung nicht kürzlich erst in dieser anderen NETFLIX-Serie gesehen?

Wertung: 5 von 8 €uro
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