Der Teenager Jann Mardenborough interessiert sich für den Rennsport. Er fährt gerne "Gran Turismo" auf seiner Playstation und träumt davon, auch einmal an den Start zu gehen.
Währenddessen wird in Tokio die "GT Academy" vorgestellt: Hier sollen die besten Gran-Turismo-Spieler die Möglichkeit bekommen, echte Rennen zu fahren. Als einer der besten Spieler im Vereinigten Königreich erhält Jann die einmalige Möglichkeit, Teil dieser großen Aktion zu werden …
Dies ist die Verfilmung einer Geschichte, die auf wahren Tatsachen beruht. Den Fahrer Mardenborough und die "G(ran)T(urismo) Academy" gab es wirklich. Produziert hat diesen Film das Sony -Columbia-Filmstudio mit seiner Sparte "PlayStation"-Films. Deren Vorspann-Logo erinnert an das der MARVEL- und der DC-Studios: Wir sehen lauter Charaktere aus der PlayStation-Welt, die ja vielleicht alle noch auf ihre Verfilmung warten. "Gran Turismo" ist mit mehr als zwei Stunden Länge der längste Werbeclip der Werbeclip-Geschichte, aber darauf sollte man nun nicht allzu sehr herumreiten. Schließlich haben wir das beim Kauf der Kinokarte ja gewusst.
Aber es gibt doch auch unterhaltsame, lustige, überraschende Werbeclips. Das ist dieser hier alles nicht. Klar drückt er mich mal in den Sessel. In einem Film, in dem es um Geschwindigkeit geht, wäre alles andere auch eine Enttäuschung. Wenn also die CGI-"Kamera" gegen die Fahrtrichtung der Autos über die Strecke fliegt und die Autos unter sich durch zischen sieht, andauernd in eine neue Perspektive umgeschnitten wird, dann kommt unweigerlich auch Rasanz auf.
Nicht, dass es also nicht einen gewissen Spaß macht, diesen Rennautos in ihrer physischen (meist aber digital erzeugten) Wucht zu folgen. Aber allem dazwischen nicht. Das ist, als würde man selber eine Runde Gran Turismo spielen, auf dem heimischen Sofa mit seinem Kleinwagen über die zweidimensionalen Rennstrecken jagen – und zwischendrin dann mal aufs Klo gehen; das entspricht dann im Film der Handlung zwischen den Rennen.
Nichts ist überraschend. Es gibt einen Vater-Sohn-Konflikt, der kein wirklicher Konflikt ist. Weil: Konflikt hieße ja, dass es eine echte, andauernde Meinungsverschiedenheit gibt. Aber die gibt es nicht. Es gibt keine einzige Sekunde, in der ich um meine zweidimensionale Hauptfigur gebangt hätte. Das ist alles Comic. Aber nicht Kino. "Nach einer wahren Geschichte"? Quatsch. Das ist einfach schlichte Action-Dramaturgie. Der unverstandene Held, die giftigen Konkurrenten, die zweifelnden Mechaniker und immer weder aufbauende Kalendersprüche von David Harbour (Black Widow – 2021; "Hellboy – Call of Darkness“ – 2019; Suicide Squad – 2016; Snitch – Ein riskanter Deal – 2013; The Green Hornet – 2011; State of Play – Stand der Dinge – 2009; "Zeiten des Aufruhrs" – 2008; James Bond 007: Ein Quantum Trost – 2008; Brokeback Mountain – 2005; Krieg der Welten – 2005) in der Rolle des Mentors und Teamleiters, der seine eigene tragische Vergangenheit mit Janns Erfolg vergessen machen will.
"Nach einer wahren Geschichte"? Ein schwerer Unfall Janns, der einen Zuschauer an der Strecke das Leben kostet, wird zum Kipppunkt in der Geschichte und entscheidender Baustein für Janns Motivation. Er verliert kurzzeitig den Glauben an sich, und sein Mentor muss nun alle Motivationssprüche aufsagen, die wir aus hundert anderen Filmen kennen. Die wirklich wahre Geschichte ist eine andere. Der reale Jann Mardenborough hatte diesen schweren Unfall auf dem Nürburgring tatsächlich. Nur zwei Jahre später. Als er als Rennfahrer längst etabliert war. Regisseur Neill Blomkamp, der kurz mal als Hoffnung für das zeitgenössische Kino firmierte ("Demonic" – 2021; Chappie – 2015; Elysium – 2013; District 9 – 2009), missbraucht ein tragisches Ereignis, um Spannungselemente in die dröge Gewinnerstory zu bekommen.
Als ernst zu nehmende Biografie nimmt sich der Film zu viele Freiheiten. Als ernst zu nehmender Film ist die Dramaturgie mit ihrem simplen Gut-Böse-Schema zu platt. Die visuelle Umsetzung der Rennen macht Spaß. Aber die habe ich ja schon auf meiner Playstation, wo ich sie sogar beeinflussen kann.
Auch das habe ich natürlich alles vor dem Kino schon geahnt. Das Schlimme ist, dass die Filmemacher wussten, was sie taten. Und den Film trotzdem – oder deswegen – nicht besser gemacht haben.
