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Plakatmotiv: Ghostbusters II (1989)

Ein fröhlicher Geister-Splash, der
auf New Yorker Zynismus setzt

Titel Ghostbusters II
(Ghostbusters II)
Drehbuch Dan Aykroyd & Harold Ramis
Regie Ivan Reitman, USA 1989
Darsteller

Bill Murray, Dan Aykroyd, Sigourney Weaver, Harold Ramis, Rick Moranis, Ernie Hudson, Annie Potts, Peter MacNicol, Harris Yulin, David Margulies, Kurt Fuller, Janet Margolin, Wilhelm von Homburg, William T. Deutschendorf, Henry J. Deutschendorf II u.a.

Genre Action, Komödie
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
11. Januar 1990
Inhalt

Fünf Jahre nach den damaligen Ereignissen sind die Geisterjäger Ray Stantz, Peter Venkman, Egon Spengler und Winston Zeddemore zurück auf dem Boden der Tatsachen. Die Vier müssten eigentlich wieder die Welt vor Geistern beschützen – wäre ihnen genau dies nicht strengstens untersagt: Nach dem Chaos, das sie vor fünf Jahren anrichteten, wurde ihnen die Lizenz zur Geisterjagt entzogen. Deshalb gehen die Vier jetzt "normalen" Berufen nach und führen ein alltägliches, langweiliges Leben.

Dana ist mittlerweile Mutter des acht Monate alten Oscars. Von dem Vater des Kindes ist sie inzwischen geschieden. Sie arbeitet in dem Manhattan Museum of Art als Restauratorin. Teil einer neuen Sammlung ist ein Gemälde, das den Karpatenfürsten Vigo zeigt. Während sie das Bild selbst abscheulich findet, wird Danas Vorgesetzter Dr. Janosz Poha von dem Gemälde magisch in den Bann gezogen.

Bald darauf weisen viele mysteriöse Ereignisse darauf hin, dass es eine neue bösartige Erscheinung in New York gibt. Als die Geisterjäger nachhaken, entdecken sie einen riesigen Schleimfluss in der Kanalisation, der direkt auf das Museum zufließt. Bei ihren Ermittlungen lösen sie jedoch einen Stromausfall aus, der ihnen die Polizei auf den Hals hetzt. Die Ghostbusters landen deswegen vor Gericht.

Eine Probe des Schleims, die bei der Verhandlung auf dem Tisch steht, reagiert auf die Beschimpfungen des Richters und beschwört schließlich zwei Geister herauf. Dadurch wird der Richter davon überzeugt, dass nur die Ghostbusters gegen eine solche Gefahr angehen können. Daraufhin erhalten Ghostbusters die Lizenz zum Geisterjagen zurück.

Vigo entführt Danas Sohn Oscar. Er versucht, von dessen Körper Besitz zu ergreifen, um so seine finsteren Pläne umsetzen zu können. Der rosarote Schleim aus der Kanalisation breitet sich außerdem weiter aus und umschließt das Museum bald mit einer dicken Schicht. Um die Geister zu bekämpfen, greifen die Ghostbusters zu eigenwilligen Mitteln …

Was zu sagen wäre

Das Leben ist für Helden kein leichtes. Vor allem in New York nicht, der Welthauptstadt des Zynismus? „Wie viel negative Energie muss dazugehören, um einen Fluss dieser Größe hervorzurufen?“ „New York! Was für 'ne Stadt!“ Da ist von einem rosafarbenen „psychomagnetischer Schleimfluss von immensen Proportionen“ die Rede, der sich unter New York aufbaut.

Es ist fünf Jahre her, dass die Ghostbusters im Kino für Furore gesorgt haben und es schmeichelt der Fortsetzung, dass es so lange gedauert hat, bis sie ins Kino kommt; deutet dies doch an, dass die Macher mit dem Erfolg des ersten Films nicht wirklich gerechnet haben und sich außerdem ausführlich Gedanken darüber gemacht haben, was einer Fortsetzung würdig wäre. Die zündende Idee für die Fortsetzung, die im Kern nichts anderes ist, als eine Kopie des Originals, die keiner braucht, wenn statt des Marshmallow-Mannes nun einfach die Freiheitsstatue durch Manhattan stapft, ist die sprichwörtlich kalte Gleichgültigkeit der New Yorker. Plakatmotiv: Ghostbusters II (1989) If You can make it there, You can make it everywhere!“, sang Frank Sinatra über diese Stadt. „Und was soll ich jetzt tun“, fragt der Bürgermeister, als die Geisterjäger ihm erklären, dass die negativen Gefühle seiner New Yorker das Unheil erst heraufbeschwören. „Mich vor die Fernsehkameras stellen und zehn Millionen New Yorkern erzählen, dass sie nett zueinander sein sollen? Sich nicht zu benehmen und all die anderen Mitmenschen wie Dreck zu behandeln ist jedes New Yorkers Gott gegebenes Recht!!“ Und natürlich ist die Boshaftigkeit des New Yorkers letztlich auch nur ein Spiegelbild auf den Menschen als solchen – Hauptsache, er ist erstens nicht schuld und findet zweitens einen, der dafür bezahlt.

Ivan Reitman packt diese kühl kalkulierte Idee in eine fröhliche Beziehungskiste. Peter Venkman versucht, wieder einen Fuß in die Tür seiner Ex Dana Barrett zu bekommen – und Sigourney Weaver (Gorillas im Nebel – 1988; Ghostbusters – 1984; Alien – 1979; Der Stadtneurotiker – 1977) spielt Dana als bezaubernde, künstlerisch talentierte Mutter. Dr. Raymond Stantz und Dr. Egon Spengler, die die "Ghostbusters" reanimieren wollen, verlieren sich leidenschaftlich in wissenschaftlichen Diskursen, die jederzeit ins kulinarische switchen können: „Ganz eindeutig vitale Präsenz.“ „Wir brauchen einen tieferen Einblick.“ „Wie wär's, wenn ich die Aufnahme hier mal durch den Spektronometer gebe?“ „Gut! Ich versuche, die Röntgen noch etwas höher zu kriegen.“ „Okay. Also, was glaubst Du? Chinesisch?“ „Wie wär's mit Thai?“ „Nein, zu würzig. Griechisch?“ „Mexikanisch?“ „Pizza?“ „Artischocken und Sardellen?“ „Erdnussbutter.“ „Okay!“ Und Dr. Janosz Poha versucht, Dana Barrett von sich zu überzeugen, indem er den Geist Vigos wiederbelebt und dafür ausgerechnet Danas Baby braucht.

Der Rest ist paranormale Comedy at its Best. Bill Murray, dessen Figur vom Paranormalen am allerwenigsten Ahnung hat und deshalb mit einer entsprechenden, etwaige Phänomene zynisch wegmoderierenden TV-Show am wirtschaftlich erfolgreichsten unter den Ex-Geisterjägern ist, spielt seinen Venkman mit stoischer Ruhe gegenüber jedem Geisterphänomen; Venkman ist eben New Yorker und kennt also keinen Schmerz. Stanz – Dan Aykroyd (Meine Stiefmutter ist ein Alien – 1988; Schlappe Bullen beißen nicht – 1987; Kopfüber in die Nacht – 1985; Ghostbusters – 1984; Indiana Jones und der Tempel des Todes – 1984; Unheimliche Schattenlichter – 1983; Die Glücksritter – 1983; Blues Brothers – 1980; 1941 – Wo bitte geht's nach Hollywood – 1979) – und Spengler – Harold Ramis (Ich glaub' mich knutscht ein Elch! – 1981) – sind die engagierten Wissens-Sucher, die den Alltag um sie herum vergessen, und Louis Tully – Rick Moranis (Mel Brooks' Spaceballs – 1987; Ghostbusters – 1984; Straßen in Flammen – 1984) – sowie Winston Zeddemore – Ernie Hudson – sind für die lustigen Comiceinlagen zuständig, die dem Film jederzeit seine Leichtigkeit behalten sollen. 

Diese Fortsetzung ist unerwartet unterhaltsam, weil sie die zauberhaften Elemente aus dem Original – die knochentrockenen Wissenschaftler mit der arroganten Attitüde im Kampf gegen komische Schleim-Monster – mit einer charmant boshaften Charakterisierung ihrer Umwelt verbinden: „Bürgermeister, wir sind heute hier, weil ein psychomagnetischer Schleimfluss von immensen Proportionen sich unter dieser Stadt aufbaut!“ „Psycho … was?“ „Psychomagnetisch, Sir. Negative menschliche Emotionen materialisieren sich in Form eines bösartigen psychoreaktiven Plasmas mit explosivem, übernormalem Potenzial.

Okay: Who You gonna call ..?

Wertung: 6 von 10 D-Mark
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