In dem Städtchen Whoville laufen die Vorbereitungen für das schönste Fest im Jahr auf Hochtouren. Da werden Geschenke und Dekorationen gebastelt, da wird gekocht und gebacken, da müssen Häuser und Vorgärten geschmückt werden, man stürzt sich in den Einkaufstrubel, denn Weihnachten steht vor der Tür.
Für Kinder ist diese Zeit ganz besonders aufregend – und anstrengend. Denn man muss sehr, sehr brav sein. Sonst kommt der Grinch und holt die Geschenke mitsamt dem Weihnachtsbaum aus den Häusern. Der Grinch hat dazu auch absolut keine Hemmungen, denn sein Herz ist ungefähr halb so groß wie das eines Menschen. Er entwickelt einen ultimativen Plan, das Christfest der ahnungslosen Einwohner zu ruinieren.
Die gemeine Kreatur setzt alles daran, Cindy Lou Who, Marthy May Who, May-Who, Lou Lou Who und all die anderen Whovillians um ihr geliebtes Fest zu bringen. Als Weihnachtsmann verkleidet, will er allen Eltern und Kindern die Dinge, die auf ihren Wunschlisten gestanden haben, stehlen.
Doch irgendwann lernt sogar der hyperaktive Fiesling, dass Weihnachten mehr bedeutet als neue Spielsachen und Leckereien …
„Ich hasse Weihnachten“, knurrt der Grinch und um sicherzugehen, dass es auch alle verstanden haben, schreit er nochmal hinterher: „Ich HASSE es!!“ Und er hat ja recht: Wenn man sich so umschaut im Örtchen Whoville, das in einer Schneeflocke existiert, ist es an Weihnachten erste Bürgerpflicht, viel Geld für irre viel Geschenke auszugeben, die wenige Tage später auf dem Müll landen. Und ansonsten viel zu essen und sein Haus mit bunten Lampions zu behängen. Das Fest der Christwerdung hat sich dem Kommerz ergeben. Das ist die Botschaft, die dieser bunte, verrückte Film hinter ordentlich Tand und aufwändiger Kulisse transportiert.
"Der Grinch" symbolisiert, was passiert, wenn Hollywood auf Weihnachten trifft. Es wird krachledern. Alle schreien immerzu, alles ist grellbunt, selbst die Berge rund um Whoville sehen aus wie bunte Zipfelmützen und am ende liegen sich alle in den Armen. Die Whoviller haben eingesehen, dass sie dem grünen Grinch entsetzlich unrecht getan haben, und der vermeintlich fiese Grinch wurde durch die Liebe der kleinen Cindy Lou doch noch ein Mensch mit vollwertigem Herzen.
In den USA gehört der Grinch zur Weihnachtsfolklore. In Deutschland wuchsen die Kinder mit "Max und Moritz" oder dem "Struwwelpeter" auf. Diese Kinderbuchklassiker mit ihrer mehr oder weniger darin verborgenen Pädagogik sind immer noch in fast jedem Bücherregal zu finden. In Amerika bilden die fantastischen Figuren des Kinderpsychologen und Kinderbuch-Autoren Theodor "Dr. Seuss" Geisel einen festen Bestandteil der Einrichtung eines typischen Kinderzimmers. Dabei sticht das Buch "How the Grinch stole Christmas" heraus.
Ron Howard bietet enttäuschend überreichlich für einen Regisseur seines Rufs (EDtv – 1999; Kopfgeld – 1996; Apollo 13 – 1995; Schlagzeilen – 1994; In einem fernen Land – 1992; Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen – 1991; "Eine Wahnsinnsfamilie" – 1989; Willow – 1988; "Gung Ho" – 1986; Cocoon – 1985; Splash: Jungfrau am Haken – 1984; "Nightshift – Das Leichenhaus flippt völlig aus" – 1982); sein Film liefert von allem zu viel. Vielleicht schauspielerische Leistungen ausgenommen; da kann die Regie hinter dem dauernden ChrashBoumBang aus Spezialeffekten und der wüsten Mischung aus Kitsch und Galle nicht mehr viel rausholen. Das schafft hier nur Jim Carrey ("Ich, beide & sie" – 2000; Der Mondmann – 1999; Die Truman Show – 1998; Cable Guy – Die Nervensäge – 1996; Batman Forever – 1995; Die Maske – 1994). Für den Mimen mit der Gummimine ist die Rolle hinter der grünen Spezialmaske des Grinch ein Glücksfall; Carrey grimassiert nach Herzenslust und zieht traurige Clownsgesichter. Den Rest erledigt die Maske.
Die Zielgruppe des Films sind deutlich die kleinen Zuschauer, die FSK-Freigabe gilt ab 6 Jahre. Die haben sicher viel Spaß an der albernen Blödelei in künstlichen Kulissen mit eitlen Bürgermeistern und herzensguten Eltern und einer wahrlich zuckersüßen Taylor Momsen als kleine Cindy Lou Who. Die Erwachsenen hingegen wundern sich darüber, dass Regieveteran Ron Howard hier statt kreativ kommerziell arbeitet und Kunst mit Klamauk verwechselt.
