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Plakatmotiv: The Tomorrow War (2021)

Trash-Kracher, der mit Raffinesse
eine subtile Message unterschiebt

Titel The Tomorrow War
(The Tomorrow War)
Drehbuch Zach Dean
Regie Chris McKay, USA 2021
Darsteller

Chris Pratt, Yvonne Strahovski, J.K. Simmons, Betty Gilpin, Sam Richardson, Jasmine Mathews, Edwin Hodge, Ryan Kiera Armstrong, Keith Powers, Mary Lynn Rajskub, Mike Mitchell, Jared Shaw, Alexis Louder, Rose Bianco, Seychelle Gabriel, Alan Trong, Chibuikem Uche, David Maldonado u.a.

Genre Action, Abenteuer, Science Fiction
Filmlänge 140 Minuten
Deutschlandstart
2. Juli 2021 (Streaming Premiere)
Inhalt

Der Untergang der Welt ist nah! In der nicht allzu fernen Zukunft des Jahres 2051 haben Aliens einen vernichtenden Kampf gegen die Menschheit begonnen, der kaum zu gewinnen ist. Von mehr als acht Milliarden Erdbewohnern sind gerade mal noch etwa 500.000 übrig. Um die menschliche Rasse vor dem kompletten Niedergang zu bewahren, nutzen Wissenschaftler die letzte Chance, die ihnen bleibt: Mit Hilfe einer neu entwickelten Technik werden Soldatinnen und Zivilisten aus unserer Zeit in die Zukunft geholt.

Ex-Soldat und Lehrer Dan Forester zählt zu den Rekruten, die für die Zukunft der Welt eintreten müssen. Der Alien-Krieg hält jedoch auch persönliche Veränderungen für Dan bereit, der nur mit der Unterstützung seines entfremdeten Vaters Slade die Welt beschützen kann.

Gemeinsam mit Slade und einer aus der Zukunft stammenden Wissenschaftlerin wird er auf eine ganz besondere Mission geschickt …

Was zu sagen wäre

Im Finale der Fußballweltmeisterschaft im Dezember 2022 in Katar – es spielen Brasilien und eine nicht identifizierbare Nationalmannschaft – unterbricht eine graurosa Wolke das Spiel, düster gekleidete Soldaten betreten das Spielfeld und deren Anführerin spricht zu den Stadionbesuchern und via TV-Übertragung auch gleich zur ganzen Welt. Sie erklärt, dass sie aus dem Jahr 2051 komme, wo eine außerirdische Rasse die Menschheit beinahe ausgerottet habe. Die Menschheit des Jahres 2022 sei nun die letzte Hoffnung der Menschheit im Kampf um deren Überleben. Warum es unbedingt das Jahr 2022 sein muss und nicht irgendein anderes, erklärt der Film in einem seiner charmanten Versuche, dem flotten Trash-Plot Halt zu geben, aber eigentlich ist es egal: Es ist halt so.

Achtung: Spoiler unvermeidlich

Flugs macht sich die ganze Menschheit bereit zum Kampf im Jahr 2051 und nach einem Jahr Vorbereitung werden nun immer Zwangsrekrutierte für sieben Tage in jene Zukunft entsandt, um dort an der Seite der zukünftigen Menschen zu kämpfen, auf dass diese noch eine Chance bekommen; der Kampf geht gegen Aliens, die aussehen, wie Aliens im Kino heute meistens aussehen, ein bisschen Tarantelartig mit sehr großen sehr vielen Zähnen, viel Schleim und eigentlich unverwundbar, nur an Hals und Bauch zu verletzen. Die allermeisten der Zwangsrekrutierten kommen folglich nach sieben Tagen nicht zurück. Also quasi hilft die Elterngeneration der nachfolgenden über den Berg, indem sie ihr Leben opfert. Und damit zum Kampf gegen den Klimawandel und zur Fridays for Future-Bewegung.

Rund 200 Millionen Dollar hat die Produktion dieses Sci-Fi-Trash-Family-Values-Krachers gekostet. Und dennoch schaffen es Drehbuchautor Zach Dean und Regisseur Chris McKay, die Zuschauer in eine faszinierende Allegorie einzulullen: Was können wir heute tun, um das Leben für unsere Kinder später einmal besser zu machen – oder überhaupt nur lebensfähig? Das Wort Klima kommt im Film nicht vor und dass erst der kontinuierlich schwindende Permafrost auf der Nordhalbkugel der Erde die Alieninvasion ermöglicht, ist eine böse kleine Spitze gegen den Klimasünder im Kinosessel, die aber dadurch versüßt wird, dass erst ein von allen gehasster Streber-Schüler den ratlosen Wissenschaftlern die eigentlichen Zusammenhänge erklären kann und das vor seiner ganzen Klasse so cool tut, dass einer der Wissenschaftler stöhnt „Von so einem Moment habe ich mein ganzes Schulleben lang geträumt.

Kurz: Hätten wir das Klima nicht versaut, würde das arktische Eis vermutlich nicht schmilzen, wären also die Aliens nicht frei gekommen, wäre die Erde im Jahr 2051 nicht versaut. Also: Wir (die Heutigen aus dem Filmjahr 2022) müssen was gut machen. Nicht viel anders fordert das Friday for Future.

Aber genug von den jugendlichen Aktivisten in der diesseitigen Welt. Auch im Film ist es die Jugend, die entscheidend voran geht. Die Tochter der Hauptfigur zum Beispiel: Dan Forester ist Biologielehrer, hat im Irakkrieg in einem früheren Leben allerlei Kampferfahrung sammeln können und strebt nach interessanten, die Welt bewegenden Forschungsaufträgen, die ihm aber keiner gibt. Der Mann ist unglücklich in seinem Leben, das mit Frau und neunjähriger Tochter andererseits mit Glück gefüllt ist. Diese Tochter, Muri, bewundert ihren Dad, der ihr ununterbrochen Wissenschaftsfragen zum Knobeln gibt. Sie will später, logisch, mal Wissenschaftlerin werden und Vakzine gegen tödliche Viren entwickeln. Eine kluge Entscheidung. Wie wir seit Ausbruch der Corona-Pandemie wissen, werden wir solche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brauchen. „Wissenschaftler sind die wahren Helden“, sagt Chris Pratt, der auch den Dan Forester als Knuddelteddy spielt wie alle seine Charaktere (Avengers: Endgame – 2019; Jurassic World: Das gefallene Königreich – 2018; Guardians of the Galaxy Vol. 2 – 2017; Passengers – 2016; Die glorreichen Sieben – 2016; Jurassic World – 2015; Guardians of the Galaxy – 2014; Der Lieferheld – 2013; Her – 2013; Zero Dark Thirty – 2012), an einer Stelle, während es rummst und kracht und er wild um sich schießt. Und es wird Tochter Muri sein, die ihrem Dad den richtigen Lösungsweg aufzeigen wird. Im Jahr 2051, wo sie als unumstrittene Offizieren eine Forschungseinheit anführt, die ins letzte Gefecht zieht.

Zwischen zwei wilden, matschigen Schlachten bleibt eine Situation am Strand bei sinkender Sonne, in der Muri und ihr Vater eine familiäre Auseinandersetzung geradebiegen müssen, von der er noch gar nichts weiß, an der sie aber beinahe … lange Rede, kurzer Sinn: Der Mann hat was gut zu machen, was er noch gar nicht falsch gemacht hat, aber das ist schon der Teil, in dem der Film nach kluger Generationen-Allegorie und satter Matsch-Boum-Bang-Action die warmherzigen Family Values feiern will. Was Dan bei seiner Tochter – bislang jedenfalls – richtig gemacht hat, hat dessen Vater bei Dan wohl falsch gemacht. Hier kommt J.K. Simmons (Spider-Man: Far from Home – 2019; Justice League – 2017; The Accountant – 2016; La La Land – 2016; Terminator – Genisys – 2015; #Zeitgeist – 2014; Whiplash – 2014; Labor Day – 2013; Young Adult – 2011; Jennifer's Body – Jungs nach ihrem Geschmack – 2009; Up in the Air – 2009; Spider-Man 3 – 2007) als graubärtiger Pilot und Motorenschrauber ins Spiel, der seinem Dan nicht genug Vater war und deshalb heute die Enkeltochter nicht kennenlernen darf. Da liegt offenbar viel im Argen zwischen Dan und Pa und Dan und der Familie und deshalb dauert der Film zwei Stunden und zwanzig Minuten. Es ist die lange Heldenreise eines Mannes, der sich nur retten kann, indem er in der Zukunft einen Krieg gewinnt.

Filme, die mit Zeitreisen spielen, sollte man nie zu genau hinterfragen. Filme, in denen es dauernd kracht und scheppert, sollte man auch nicht zu sehr hinterfragen, sondern einfach die Füße hochlegen und mit den Jungs kaltes Bier zischen lassen.

Wie aufregend, dass uns dabei dann eine Nachricht unserer Nachkommen mitgegeben wird, die wir in der Tagesschau immer überhören.

Wertung: 5 von 8 €uro
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