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Plakatmotiv: Der Partyschreck (2013)

Ein elegantes Filmkunstwerk,
in dem allerlei kaputt geht

Titel Der Partyschreck
(The Party)
Drehbuch Blake Edwards & Tom Waldman & Frank Waldman
Regie Blake Edwards, USA 1968
Darsteller

Peter Sellers, Claudine Longet, Natalia Borisova, Jean Carson, Marge Champion, Al Checco, Corinne Cole, Dick Crockett, Frances Davis, Danielle De Metz, Herbert Ellis, Paul Ferrara, Steve Franken, Kathe Green, Allen Jung u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 99 Minuten
Deutschlandstart
30. Januar 1969
Inhalt

Der indische Kleindarsteller Hrundi V. Bakshi sprengt aus Versehen eine monumentale Filmkulisse in die Luft. Schnaubend vor Wut ordnet der Regisseur an, den Katastrophen-Schauspieler auf die “Schwarze Liste” zu setzten.

Durch einen Schreibfehler landet Bakshi jedoch auf der “A-Liste” und wird prompt zur pompösen Party der Studiobosse eingeladen. Was für eine Chance, die Hollywood-Bonzen von seinem Talent zu überzeugen! Aber auch auf der rauschenden Feier lässt Bakshi kein Fettnäpfchen aus und geht erst nach Hause, als sich die luxuriöse Villa des Gastgebers in ein gigantisches Schaumbad verwandelt hat, in dem ein Babyelefant gebadet wird …

Was zu sagen wäre

Weil entweder der zunehmend betrunkene Kellner oder Hrundi V. Bakshi die Dinnerparty durch immer neue Pannen verunsichern, fällt es zwischen ungläubigem Staunen und prustendem Lachen nicht gleich auf: Blake Edwards "The Party" ist ein großes Drama über das gesellschaftliche Geschäftsgebaren der Filmindustrie in Hollywood, DVD-Cover: Der Partyschreck (2013) wo Schwarze Listen gegen unliebsame Mitarbeiter kursieren, Filmrollen nur gegen sexuelle Gefälligkeiten vergeben werden und alle ein Alkoholproblem haben. Edwards und sein Freund Peter Sellers entfalten hier ein audiovisuelles Kunstwerk der Dekonstruktion: Eine zu Beginn beeindruckende Villa in den Hollywood Hills, ausgestattet mit allem technischen Schnickschnack, wendet sich gegen ihre Bewohner, zieht ihnen buchstäblich den Boden unter den Füßen weg, macht sie alle nass und seift sie ordentlich ein. Es ist die Tücke des Objekts in Vollendung, wie sie Edwards und Sellers für Der rosarote Panther und Ein Schuss im Dunkeln entworfen haben. Hier bringen sie sie zur Meisterschaft.

Und es ist nicht allein die Schuld des höflichen, schüchternen und dadurch ein wenig ungeschickten Hrundi V. Bakshi, dass die eingangs steife Dinnerparty aus dem Ruder läuft. Obwohl der große Clown Peter Sellers (Siebenmal lockt das Weib – 1967; Casino Royale – 1967; Was gibt's Neues, Pussy? – 1965; Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben – 1964; Lolita – 1962) das sicher auch ganz allein schaffen würde, hat Edwards noch einen Kellner erfunden, der die Drinks, die er unablässig auf Tabletts durch die Partygäste trägt, am liebsten selber trinkt und bald sturzbetrunken ist, sowie die Tochter der Gastgeber, die spät abends mit zahlreichen Freunden von einer Protestveranstaltung zur Party stößt und einen Babyelefanten im Schlepptau hat, der bunt bemalt ist, was den Inder Bakshi, dem Elefanten zu respektierende Lebewesen sind, empört – was bei den achtsamen, zugewandten jungen Leuten dann besagte Schaumparty auslöst.

Dass das zentrale Dinner dieser Dinnerparty in die Hose geht, steht in der Verantwortung des Personals, das einen Stuhl zu wenig hat, was für Bakshi eine unbequeme Sitzhaltung zur Folge hat, und eben einen betrunkenen Kellner beinhaltet. Es gibt viele lustige Situationen in diesem Film, die Sellers und Edwards vor Ort am Set entwickelt, geprobt und mit sehr aufwändiger Videotechnik gefilmt haben, um sich das Timing der Katastrophengags sofort ansehen zu können und nicht zwei Tage auf entwickeltes Filmmaterial warten zu müssen. Der wilde Slapstick à la Laurel & Hardy und Harold Lloyd spielt eine große Rolle. Das Dinner aber ist ein wunderbar choreographierter Stummfilm mit beeindruckender Soundkulisse. Während da der betrunkene Kellner in einer ungeschnittenen Szene ununterbrochen um den Tisch läuft und nicht weiß, wie er die Hühner servieren soll – bis eines schließlich im Diadem einer hoffnungsvollen Jungschauspielerin stecken bleibt – hören wir allerlei Gespräche, verstehen aber kein Wort, es ist eine rhabarberrhabarberrhabarber-Situation. Dazu erklingen von ferne ein paar Jazzklänge von der Band, die im Hintergrund spielt, während der Vordergrund von lauter peinlichen Dinnermomenten beherrscht wird. Große Filmkunst ist das!

Womit wir beim Clown und der Tücke des Objekts kommen. Der indische Schauspieler, den Sellers spielt, kann einem leid tun. Unverhofft kommt er, nachdem er am Filmset zuvor millionenschwere Schäden angerichtet hat, zur Einladung zu dieser Party und steht dort verloren herum, weil er niemanden kennt. Plakatmotiv: Der Partyschreck (2013) Einige entziehen sich seinem Smalltalk, bei anderen geht das Gespräch nicht über die in Variationen wiederholte Feststellung hinaus, dass man sich auf der Party wohl fühle.

Das Chaos bricht sich keineswegs Bahn. Es schleicht sich auf Strümpfen heran – auf denen Bakshi läuft, weil er einen seiner Schuhe an den Swimmingpool verloren hat, schon hier beste Fremdscham-Komik.

Später verirrt er sich an der Schalttafel für die Haustechnik, an der man Theken verschwinden, den Wasserstrahl des Manneken Pis, das zur Zierde im Pool steht, verlängern, oder die Haussprechanlage einschalten kann.

Einmal drückt ihn die Blase und die Toiletten im Partybereich sind dauernd besetzt. Es tut beim Zusehen weh, wie der gequälte Mann durchs Haus stolpert, nach langen Irrwegen endlich ein Bad findet, sich erleichtert, wonach sich die Wasserspülung im Toilettenkasten nicht mehr abstellt, worauf Hrundi beherzt zur tat schreitet, den sehr Deckel vom Spülkasten hebt, um mal nachzuschauen, was dann in einem Deckeneinsturz, einer komplett abgerollten Klopapierrolle, einer überlaufenden Toilette und einem unabsichtlich mutwillig zerstörten Ölgemälde gipfelt.

Diese unbeeindruckt vorgetragene Kunst der Zerstörung, bei der die Kamera interessierter, aber ruhiger Zuschauer bleibt und die Bildmontage auch in mittelschweren Katastrophen nicht in hektischen Bildschnitt verfällt, beweist die hohe Kunst des Timings, die Blake Edwards (Das große Rennen rund um die Welt – 1965; Ein Schuss im Dunkeln – 1964; Der rosarote Panther – 1963; Frühstück bei Tiffany – 1961; Unternehmen Petticoat – 1959) beherrscht, wie vor ihm nur die Meister des Stummfilms Laurel & Hardy, Keaton, Lloyd, Chaplin oder etwas später der Franzose Jacques Tati.

"The Party" ist ein eleganter, süffisanter Abendunterhalter, der nicht auf dauerndes Schenkelklopf-Lachen angewiesen ist, weil Peter Sellers ein charmanter Chaot ist, der sich zwischen den Katastrophen verlieben darf und weil Partylöwe Blake Edwards geradezu nestbeschmutzende Seitenhiebe auf die, nunja, Gepflogenheiten des Hollywood-Business setzt.

Wertung: 7 von 8 D-Mark
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