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Plakatmotiv: Fantomas bedroht die Welt (1967)

Dem Maskenball sind
die Ideen ausgegangen

Titel Fantomas bedroht die Welt
(Fantômas contre Scotland Yard)
Drehbuch Jean Halain & Pierre Foucaud
nach Motiven der Romanserie von Pierre Souvestre und Marcel Allain
Regie André Hunebelle, Frankreich, Italien 1967
Darsteller

Jean Marais, Louis de Funès, Mylène Demongeot, Françoise Christophe, Jean-Roger Caussimon, Robert Dalban, André Dumas, Max Montavon, Rita Renoir, Jean Ozenne, Henri Serre, Jacques Dynam, Henri Attal, Antoine Baud, Guy Delorme, Hubert de Lapparent, Bob Lerick, Rico Lopez u.a.

Genre Komödie, Krimi
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
20. Juni 1967
Inhalt

Fantomas-Alarm bei Scotland Yard! Fantomas, der Mann mit den tausend Masken, hat sich auf einem Schloss am schottischen Loch Ness niedergelassen, von dem aus er seine kriminellen Machenschaften steuert: Er erpresst von den reichsten Männern der Welt eine "Sondersteuer" – Diamanten. Der erste Zahlungsverweigerer wird sogleich eiskalt umgebracht und die Herren von Scotland Yard sind gezwungen, seinen erbittertsten und erfahrensten Gegner – Kommissar Juve und sein Team zu Hilfe zu rufen.

Schon am ersten Abend wird der Kriminalist Juve Zeuge eines unglaublichen Vorfalls, der ihn an seinem Verstand zweifeln lässt und ihn wieder mal an den Rand des Wahnsinns treibt. Diesmal soll ihm Fantomas nicht entkommen …

Was zu sagen wäre

Die deutschen Filmtitel der Fastomas-Filme, zumindest die des zweiten und des dritten Films, sind irreführend. Im vorherigen Film, in dem sich Fantomas laut Originaltitel entfesselt, bedrohte er die ganze Welt mit einem Telepathiestrahler. Aber der deutsche Titel ließ ihn gegen Interpol antreten, obwohl es doch wieder gegen Kommissar Juve und den Journalisten Fandor ging. Im vorliegenden Film nun bedroht Fantomas laut deutschem Titel tatsächlich die Welt, dabei will er nur die reichsten Menschen des Planeten erpressen. Plakatmotiv (Fr.): Fantômas contre Scotland Yard (1967) Im Originaltitel geht es diesmal gegen Scotland Yard, was die Franzosen auf den aktuellen Schauplatz hinweisen soll; ging es im letzten Film nach Italien, geht es diesmal nach Schottland, in die nebligen Hochmoore und festungsartige Schlösser. Scotland Yard taucht nur in Person eines verhuschten Beamten auf. Natürlich geht es wieder gegen den ultimativen Kommissar Juve. Und der Reporter Fandor darf auch mit.

Dem Branchenklatsch zufolge war schon ein vierter Fantomas-Film in Planung. Zu dem kam es aber nicht mehr, weil Jean Marais, einst beliebter Darsteller heldenhafter Kerle (Mein Schwert für den König – 1960) und Liebhaber vom Dienst ("Die Schöne und das Biest" – 1946) die Nase voll hatte, neben Louis de Funès nur die zweite Geige zu spielen. Auf dem Plakat und im Vorspann taucht sein Name zwar als erstes auf, aber im Film dreht sich alles um den von Louis de Funès gewohnt erratisch gespielten Kommissar Juve. Es wirkt sogar so, als hätte Regisseur André Hunebelle die ein oder andere, für die Handlung komplett belanglose Szene nur gedreht, damit Marais ein bisschen mehr Dialog und Szenen an der Seite der blonden Mylène Demongeot bekommt; die war es auch, die das Gerücht streute, Marais fühle sich zurückgesetzt, schlechter behandelt und bezahlt. Deshalb, und weil das Trio der Hauptdarsteller überhaupt viel zu teuer geworden war, wurde nichts aus "Fantômas à Moscou".

Nüchtern betrachtet kann Marais aber auch die Nase voll gehabt haben, weil der Film keine Erwartung erfüllt. Fantomas will die reichsten Männer des Planeten um Schutzgeld erpressen. Dass die praktischerweise alle in Großbritannien leben, mag sein, bei Fantomas-Filmen soll man da nicht so pingelig sein. Dass aber die reichsten Männer der Erde oder gar die mächtigsten Gangsterbosse gegen den Mann mit den tausend Masken so überhaupt gar keine Handhabe haben und sich ihm quasi wehrlos ergeben müssen, das ist einerseits dick aufgetragen, nimmt andererseits dem Film aber auch große Spannungsmomente. Es bleibt halt wieder nur das ungleiche Duell gegen den lustigen Kommissar, das wir aber schon so ausgiebig kennen. Plakatmotiv: Fantomas bedroht die Welt (1967) Dass Fantomas im Übrigen nach eigener Aussage die Erde jederzeit komplett zerstören und auf einem fernen Planeten weiter existieren kann, macht es nicht besser. Wozu braucht er dann noch das Schutzgeld der Reichen und Bösen. Wo das Grundprinzip der Komödie unangetastet bleibt – Fantomas ist der überlegene Kriminelle, sein Jäger ein unter hohem Blutdruck leidender Hysteriker – sollte das Umfeld eleganter ausformuliert sein.

Während aber die Handlung nur so mäßig interessant vor sich hindümpelt, holt Hunebelle aus den potenziell großen Szenen nichts heraus. Eine gefühlte Ewigkeit verfolgen wir eine englische Fuchsjagd ohne Höhepunkte, bunt ausgestattet, aber komplett im Studio gedreht, auf der Fantomas einen Lord verschwinden lassen will, den auf derselben Jagd auch dessen Frau töten lassen will, die scharf ist auf den Assistenten des Lords und auf dessen Lebensversicherung – eine Nebenhandlung, die sich in dem Treiben bunter Kostüme und maskierter Schurken zwischen holpriger Schottland-Kulisse verliert. Gedreht wurde – bis auf die Eröffnungssequenz einer simplen Autofahrt – ausschließlich in Frankreich. Die Außenaufnahmen des Schlosses entstanden in der Gironde, rund um das Schloss Roquetaillade, die Innenaufnahmen komplett im Studio. Die sehr britische Institution der Fuchsjagd wurde im Wald von Fontainebleau gedreht.

Die Figuren sind nicht weniger künstlich als die Kulisse. Sie reagieren nicht glaubhaft. Zweimal berichtet ein völlig aufgelöster Juve, in seinem Zimmer liege, bzw. hänge eine Leiche. Und als dann alle in sein Zimmer kommen, ist die Leiche jedesmal weg. Also glaubt ihm keiner – da muss Juve wohl ein bisschen überarbeitet sein. Selbst Super-Journalist Fandor kommt nicht auf die Idee, nachzubohren. Er wenigstens und seine Fotografenfreundin müssten die Tricks und Vorgehensweise von Fantomas doch eigentlich kennen. Nicht in diesem Film. Alle Figuren benehmen sich stets ihrem Klischee entsprechend: der englische Lord herablassend, der Butler servil, aber kühl, die blonde Freundin ängstlich kreischend. Und Fantomas lacht alle paar Minuten sein hämisches Lachen.

Nichts Neues von dem Mann unter der Maske.

Wertung: 2 von 7 D-Mark
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