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Kinoplakat: Flammen am Horizont (1982)
Eine vergnügliche Farce, die aus einem
großen Schatten nicht herausfindet
Titel Flammen am Horizont
(Wrong Is Right)
Drehbuch Richard Brooks
nach dem Roman „The Better Angels“ von Charles McCarry
Regie Richard Brooks, USA 1982
Darsteller Sean Connery, George Grizzard, Robert Conrad, Katharine Ross, G.D. Spradlin, John Saxon, Henry Silva, Leslie Nielsen, Robert Webber, Rosalind Cash, Hardy Krüger, Dean Stockwell, Ron Moody, Cherie Michan, Tony March u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 117 Minuten
Deutschlandstart
17. Dezember 1982
Inhalt

Der Fernsehreporter Patrick Hale arbeitet für das World Television Network. Er bereitet in Afrika eine Reportage über den König Awad vor, als seine Kollegin Sally Blake durch eine Bombe getötet wird.

Der Präsident der USA, Lockwood, der sich die meiste Zeit mit Sportübungen beschäftigt und sich vor dem Herausforderer Mallory fürchtet, befiehlt dem CIA-Direktor die Beseitigung einer unbequemen Person. Der CIA-Direktor beharrt darauf, er müsse eine eindeutige Anweisung bekommen, um später nicht zum Sündenbock zu werden. Lockwood verweigert jedoch eine eindeutige Formulierung. Er buchstabiert zum Schluss K.I.L.L. und wirft den Direktor aus seinen Amtsräumen. Kurz daraufhin wird König Awad getötet.

Kinoplakat (US): Flammen am Horizont (1982)Hale interviewt den Anführer der islamistischen Terroristen Rafeeq. Rafeeq trauert um den König und versichert Hale – der mit dem König befreundet war – dieselben Ziele wie Awad zu verfolgen. Der Terrorist will nukleare Waffen kaufen. Weitere Recherchen Hales ergeben, dass die Regierungsbehörden und die Militärs der USA in das Komplott verwickelt sind.

Eine Serie der Selbstmordanschläge erschüttert die Vereinigten Staaten. Nach einer Ankündigung der Attentate wird der Luftraum über Washington, D.C. gesperrt, doch die Attentäter entführen einen Hubschrauber und springen aus ihm auf die Regierungsgebäude. Eine weitere Ankündigung – die von Rafeeq stammen sollte – verkündet eine Atomexplosion in New York City. Hale nimmt an der Suche nach der Bombe teil und findet zwei Koffer auf dem Dach des World Trade Centers …

Was zu sagen wäre

Es ist nicht passiert, bevor es nicht im Fernsehen passiert ist!“ Ohne das Fernsehen ist alles nichts. Fernsehbilder bewegen die Menschen, die Welt. Das wusste schon Sidney Lumet, der 1976 die noch heute als Standard geltende Mediensatire Network drehte. Richard Brooks macht's eine Nummer größer, erzählt international, aber auch ihm spielen Gegebenheiten aus dem arabischen Raum und Gier auf Öl eine zentrale Rolle.

„Wrong Is Right“ heißt der Film im Original und das trifft den Film viel besser als der dümmliche deutsche Titel, indem irgendwelche Flammen an einem Horizont lodern. In diesem Film lügen alle. Nicht West gegen Ost. Nicht Schwarz gegen Rot. Nicht Politik gegen Reporter. Die Interessengruppen sind kleinteiliger – innerhalb arabischer Öl-Clans, innerhalb westlicher Geheimdienste, innerhalb des Weißen Hauses. Einig nur sind sich alle darin, dass sie das Fernsehen brauchen, um ihre jeweilige Botschaft verbreiten zu können. Und Patrick Hale bedient sie alle, weil er sich als Medium mit keinem gemein machen muss, keine Stellung beziehen muss. Wenn er Geld braucht für Zeugenaussagen, so what: „Das Fernsehen bezahlte eine halbe Million für Exklusivrechte an der Schweinebucht. Eine Million Dollar für Nixon, der sich beim ganzen Land entschuldigt. CBS bezahlte Haldeman, Eisenhower und Johnson. NBC bezahlte John Dean und Robert Kennedys Mörder. ABC bezahlte Lieutenant Valley und servierte zum Frühstück das Massaker in My Lai. (…) Nennst Du das Journalismus? Wir sind im Showbusiness. Make them lough, make them cry, make them Buy and Buy!“ Sean Connery spielt diesen Hale mit Lust und der Freude eines Superstars, der freies Spielfeld hat (Outland – Planet der Verdammten – 1981; „Der erste große Eisenbahnraub“ – 1978; Robin und Marian – 1976; „Der Mann, der König sein wollte“ – 1975; „Der Wind und der Löwe“ – 1975; Die Uhr läuft ab – 1975; Mord im Orient-Express – 1974; „Sein Leben in meiner Gewalt“ – 1973; James Bond 007 – Diamantenfieber – 1971; „Der Anderson Clan“ – 1971; „Das rote Zelt“ – 1969; „Ein Haufen toller Hunde“ – 1965; Marnie – 1964; Die Strohpuppe – 1964; James Bond 007 jagt Dr. No – 1962).

Kinoplakat: Flammen am Horizont (1982)Connery ist der große Star des Films, der sich ihm bis ins Plakatmotiv unterordnet. Da steht Connery in James-Bond-Pose mit Handkamera statt Pistole. Aber weder ist dies' eine Art Bond-Film noch spielt Connery in Brooks' Film eine so souveräne Rolle, wie es das Plakatmotiv andeutet. Dieses Usurpieren des Films durch seinen Hauptdarsteller tut der Dramaturgie des Films nicht gut. Am Ende immerhin darf sich Connery das die ganze Zeit schon schlecht sitzende Toupet vom Kopf reißen. „Finden Sie das denn so wichtig, wer König Awad ermordet?“, fragt der CIA-Boss. „Sie nicht?“, fragt Hale. „Nein!“, sagt der CIA-Chef. Ja, der Mensch ist schlecht, wenn es um Geld und Öl geht. Und wenn es um den freien Zugriff auf das Öl geht, dieses Schmiermittel der modernen Industriegesellschaft, dann ist jedes Mittel recht.

Denn längst geht es nicht mehr um Beweise. In Richard Brooks' Film ist die Welt so unübersichtlich geworden zwischen all ihren Interessengruppen und den Milliarden von Dollar, dass selbst Beweise durch den Wolf gedreht, Wahrheiten atomisiert werden, dass die Lüge von heute die Realität von morgen ist. Gewinner sind die mit dem Geld und die, die Waffen zu verkaufen haben. Da geraten zwei Atomkoffer ins Zentrum des Geschehens, die Hale als Schlüssel zu allem bezeichnet: „(der amtierende Präsident)Lockwood braucht die Bomben, um den vertretbaren Mord zu beweisen. Waffen, um zu beweisen, dass es sie nicht gibt. Und (Präsidentschaftskandidat) Mallory braucht sie, um die Wahl zu gewinnen. Und wir brauchen sie für eine Exklusiv-Story.“ Die westliche Weltmacht agiert zunehmend panisch.

Richard Brooks versucht, seiner Groteske den bösartigen Charme von Kubricks Kalten Kriegern um Dr. Seltsam zu verleihen. Der Präsident auf dem Trimmrad lässt sich beraten von einem sinistren Stabschef, einem beleidigten CIA-Chef und einem Bombengeilen Anti-Terrorexperten. So vielschichtig grotesk sein Film auch ist, Kubrick Schatten bleibt zu groß, um aus diesem herauszutreten.

<Nachtrag2003>Am Ende hängen zwei Atombombenkoffer an der Antenne des World Trade Centers … angesichts 9/11 ist das eine geradezu verblüffend bittere Vision kommender Katastrophen.</Nachtrag2003>

Wertung: 5 von 9 D-Mark
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