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Kinoplakat: Meine teuflischen Nachbarn
Die Hölle sind wir in der
amerikanischen Vorstadt
Titel Meine teuflischen Nachbarn
(The 'Burbs)
Drehbuch Dana Olsen
Regie Joe Dante, USA 1989
Darsteller

Tom Hanks, Bruce Dern, Carrie Fisher, Rick Ducommun, Corey Feldman, Wendy Schaal, Henry Gibson, Brother Theodore, Courtney Gains, Gale Gordon, Dick Miller, Robert Picardo, Cory Danziger, Franklyn Ajaye, Rance Howard u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 101 Minuten
Deutschlandstart
29. Juni 1989
Inhalt

Ray Peterson will eine ruhige Urlaubswoche zu Hause mit seiner Familie verbringen, doch die Neugier der anderen Straßenbewohner, die sich auf die merkwürdigen neuen Nachbarn, die Klopeks, richtet, steckt auch ihn an.

Mysteriöse Geräusche und helle Lichtblitze dringen nachts regelmäßig aus dem Keller der Klopeks. Auch wurden sie bereits bei nächtlichen Grabungsaktionen in ihrem ansonst verwahrlosten Garten beobachtet. Da der Nachbarschaft diese Vorkommnisse nicht ganz geheuer sind, wagt zunächst keiner den Versuch eines Kennenlernens. Als sich aber einer der neuen Nachbarn kurz auf seiner Veranda blicken lässt, ergreifen Ray und sein Kumpel Art Weingartner die Initiative und klopfen am Haus der Klopeks, um sich ihnen vorzustellen. Sie werden von einem Schwarm angriffslustiger Bienen vertrieben, was sofort als böses Omen gedeutet wird.

Auch eine Überwachungsaktion in der folgenden Nacht mit Infrarot, die Rays Nachbar, der pensionierte Soldat Lt. Mark Rumsfield zur Verfügung stellt, bringt keine Ergebnisse. Außer, dass einer der Klopeks einen schweren Müllsack in den Mülleimer vor ihrer Tür stopft – mitten in der Nacht. Ray, Art und Mark beschließen, den Sack am nächsten Morgen zu untersuchen. Blöderweise ist da die Müllabfuhr schon da, die Eimer ausgeleert und die sofortige Durchsung des Laderaums zeitigt – wieder – keine Ergebnisse.

Aber der alte Walter Seznick aus dem haus gegenüber, dessen Pudel immer auf Walter Rumsfields Rasen kackt, ist verschwunden. Jetzt steigern sich die Vorstädter endgültig in den Wahn, die Klopeks seien eine Bande slawischer Menschenschlächter. Während einer großen „Aufklärungsmission“ steigt Ray heimlich in deren Keller und setzt das Haus versehentlich in Flammen …

Was zu sagen wäre

„Es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Diese Binse ist so alt, dass wir sie nicht einmal mehr zur Kenntnis nehmen. Joe Dante erinnert uns daran.

„The 'Burbs“ legt menschliche Abgründe aller Art bloß und er fängt mit den vorgeblich Normalen an. Joe Dantes Vorstadthölle wird beherrscht von Mister und Misses Biedermann; für die das Schlimmste ist, dass ein neuer Nachbar sich nicht konform verhält, sich weder vorstellt noch seinen Garten pflegt. Und was für Biedermänner das sind. Tom Hanks in seiner Paraderolle als unauffälliger Mister Durchschnitt, in dem sich alle Kinozuschauer erkennen können („Punchline“ – 1988; Big – 1988; Schlappe Bullen beißen nicht – 1987; Nothing in Common – 1986; „Geschenkt ist noch zu teuer“ – 1986; Alles hört auf mein Kommando – 1985; Der Verrückte mit dem Geigenkasten – 1985; Bachelor Party – 1984; Splash – Jungfrau am Haken – 1984). Bruce Dern als waffenstarrender, Rasen pflegender Bumskopf ist die gelungene Karikatur des stramm aufrechten US-Bürgers mit der Flagge im Vorgarten („Die Generation von 1969“ – 1988; Driver – 1978; „Schwarzer Sonntag“ – 1977; „Familiengrab“ – 1976; Der große Gatsby – 1974; Lautlos im Weltraum – 1972). In dem Haufen aufgescheuchter Hähne spielt Carrie Fisher die Stimme der Vernunft. Eine undankbare Rolle, die der ehemaligen Prinzessin Leia nicht wirklich viel abverlangt („Hannah und ihre Schwestern“ – 1986; Blues Brothers – 1980).

Kommunikation. Wer nicht schwätzt, sich nicht zur Verfügung hält, ist im amerikanischen Vorstadtkosmos ein Alien, ein Dämon, wahrscheinlich, das suggerieren ja dauernd die Medien, ein Menschenschlächter. Joe Dante, der sich nicht zum ersten Mal die Hölle der Suburbs vornimmt (Die Reise ins Ich – 1987; Explorers - Ein phantastisches Abenteuer – 1985; Gremlins – Kleine Monster – 1984; „Das Tier“ – 1981; Piranhas – 1978), seziert hier mit grobem Messer die moderne Couchpotatoe-Gesellschaft, bei der beständig der Fernseher allerlei Geschichten in Küchen und Wohnzimmer trägt, die sich irgendwann zwangsläufig mit der Wirklichkeit vermischen. Die Moral von der Geschicht: Nicht der Fremde ist gefährlich, sondern die Gesellschaft, in der er leben muss.

Der eigentliche Horror in der heimeligen Vorstadtstraße ist Joe Dantes Hobby-Bürgerwehr, die in bester Fenster-zum-Hof-Manier Verdacht auf Verdacht häuft, daraus Schlüsse bastelt und Situationen auslöst, bei denen ich vor Lachen aus dem Sitz rutsche. Es ist schade, dass am Ende doch das Hollywood-Gesetz siegt, wonach gesellschaftliche Nonkonformität bedrohlich und böse ist, während der Spießbürger zwar faschistische Züge haben darf, aber am Ende als lediglich groteske Erscheinung im Alltag zu Frau und Kind zurückkehren darf. Joe Dante war schon boshafter.

Wertung: 8 von 10 D-Mark
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