Kinoplakat: Flucht ins 23. Jahrhundert
Welt unter Glas, ein Computersystem und
eine beklemmende Vision des Jugendwahns
Titel Flucht ins 23. Jahrhundert
(Logan's Run)
Drehbuch David Zelag Goodman
nach dem Roman "Logan's Run von William F. Nolan und George Clayton Johnson
Regie Michael Anderson, USA 1976
Darsteller Michael York, Richard Jordan, Jenny Agutter, Roscoe Lee Browne, Farrah Fawcett-Majors, Michael Anderson Jr, Peter Ustinov, Randolph Roberts, Lara Lindsay, Gary Morgan u.a.
Genre Science Fiction
Filmlänge 119 Minuten
Deutschlandstart
4. März 1977
Inhalt

Eine futuristische Wohlstandsgesellschaft. Die Menschheit lebt unter Glaskuppeln, nachdem die Welt unbewohnbar geworden sein soll. Um die knappen Ressourcen nicht zu verbrauchen, ist das Altern der Menschen begrenzt – mit ihrem 30. Geburtstag müssen sie sich im Karussell dem Procedere der Erneuerung hingeben. Einige von ihnen werden wieder auferstehen und in einer Art Paradies weiter existieren. Ausgelost wird in einer Art Lotto. Gesteuert wird die gesamte Welt unter Glas von einem Kontrollsystem, das ein vermeintlich allwissender Großcomputer steuert. Das System zu hinterfragen, ist verboten. Und natürlich gibt es Menschen, die der alten Überlieferung des Systems nicht glauben. Weil sie aus dem System fliehen wollen, werden sie Läufer genannt. Um sie einzufangen, werden Sandmänner geschickt.

Logan 5 ist ein erfahrener Sandmann. Vom Computer wird Logan auserwählt, das Versteck der Läufer, die Zuflucht, zu finden und zu zerstören. Zu diesem Zweck soll sich Logan als Läufer ausgeben, soll so die Dissidenten infiltrieren. Mithilfe von Jessica 6, einem Mitglied des Netzwerkes der Läufer, findet er Zugang zum geheimen Treffpunkt. Logans bester Freund, Francis 7, ebenfalls ein Sandmann, ist inzwischen misstrauisch geworden und nimmt die Verfolgung auf. Er wird Zeuge, wie Logan 5 einen weiblichen Läufer nicht exekutiert, wie es seine Pflicht gewesen wäre, sondern stattdessen Fluchthilfe leistet. Francis 7 erschießt den Läufer und greift daraufhin Logan 5 und Jessica 6 an, denen die Flucht in den Untergrund der Stadt gelingt.

Durch ein Labyrinth verfallener und lange nicht benutzter technischer Anlagen gelangen Logan und Jessica in eine Eishöhle oberhalb der Stadt. Dort treffen sie auf den Roboter BOX. Von ihm erfahren sie, dass er alle bisherigen über 1.000 Läufer, die denselben Fluchtweg benutzt haben, gemäß seiner uralten Programmierung eingefroren und dadurch haltbar gemacht hat. Logan kann BOX bezwingen und erreicht zusammen mit seiner Gefährtin die Oberfläche, und stoßen auf die von Pflanzen überwucherten Ruinen von Washington D. C. sowie auf einen bärtigen alten Mann, der weitaus älter ist als die erlaubten 30 Jahre. Durch seine Existenz wird ihnen klar, dass die Altersgrenze ihrer Gesellschaft willkürlich geschaffen wurde und nur der Populationsbegrenzung innerhalb der Stadt dient. Auch wird ihnen klar, dass die künstliche Begrenzung keinen Sinn ergibt, da Leben außerhalb der Kuppelstädte jederzeit möglich wäre.

Bevor sie aber die Menschen unter der Kuppel informieren können, stellt sich ihnen Francis 7 in den Weg, der seine Verfolgung nicht aufgegeben hatte. Es kommt zum Kampf Freund gegen Freund …

Was zu sagen wäre

Ein Klassiker seines Genres. Ausstattung, Frisuren und Ideologie wirken nach bald vierzig Jahren etwas angestaubt, bzw. naiv, aber die Story als solche erfreut sich hoher Relevanz auch im 21. Jahrhundert. Nicht zufällig werkeln die Hollywood-Studios nicht nur an einer Neuverfilmung des Romans (die 2014 fertig sein soll) sondern nehmen auch Versatzstücke daraus immer wieder gerne für Filme ähnlicher Art her – Die Insel (2005) etwa klaut den rigiden Vorschriftenwahn einer nur behaupteten Welt unter der Kuppel, In Time – Deine Zeit läuft ab (2011) das gnadenlose Zeitmanagement. Der Hintergrund dieser offensichtlichen Faszination ist der Jugendwahn, der die Gesellschaft im 21. Jahrhundert erfasst hat; dass diese Storyline auch erlaubt, möglichst junge Schauspieler vor die Kamera zu stellen, die in dem Ausleseprozess, der in diesen Filmen behauptet wird, auch besonders attraktiv sein dürfen, ist ein allseits fröhlich akzeptierter Nebeneffekt.

Nach dem Kinofilm die TV-Serie

„Flucht ins 23. Jahrhundert” wurde mit über neun Millionen US-Dollar Produktionskosten fast so teuer wie Krieg der Sterne ein Jahr später und war an der Kinokasse nach damaliger Sichtweise ein großer Erfolg: In den ersten fünf Tagen spielte der Film 2,5 Millionen US-Dollar wieder ein. Kritik erntete er dafür, dass das Drehbuch sich nur grob an die Romanvorlage von William F. Nolan und George Clayton Johnson hält. Nach dem Film wurde eine 14-teilige Fernsehserie namens „Logan's Run” gedreht, von denen in den Vereinigten Staaten ab September 1977 11 Folgen ausgestrahlt wurden. Offenbar ohne durchschlagenden Erfolg: Die letzten drei Folgen der Serie wurden nicht mehr gesendet.

Einer der Autoren der Romanvorlage, William F. Nolan, entschloss sich, nachdem der Film so erfolgreich war, die Geschichte als Roman weiterzuspinnen und veröffentlichte „Logan's World” sowie „Logan's Search”. Beide Romane orientieren sich an der Literaturvorlage, nicht am Film. Auch als Comic erlebte Logan mehrere Auftritte. Marvel Comics brachte 1977 sieben Comichefte zum Film heraus, Nr. 1 – 5 waren Adaptionen des Films, in Nr. 6 und Nr. 7 versuchte man die Story weiterzuspinnen. Obwohl eine Nr. 8 im Heft 7 angekündigt war, wurde die Serie eingestellt. 1981 ist in Bizarre Adventures #28 eine Geschichte namens „The Huntsman”, eine kurze Logan's-Run-Geschichte, hier verwendet Marvel das alternative Sandmann-Kostüm aus den Testphotos. Die Geschichte ist eine Pre-Movie-Story und war als Back-up-Story für die Serie geplant.

Nach der TV-Serie die Comic-Serien

Adventures Comic brachte 1990 die Miniserie „Logan's Run” heraus, diese sechs Hefte waren eine Adaption der Bücher von Clayton Johnson und William F. Nolan. Die Cover wurden von sechs verschiedenen Zeichnern (Heft 1 von Paul Gulacy) gezeichnet, während der Plot und die Zeichnungen im Heft von Barry Blair waren. Der Inhalt war schwarz-weiß und die Aufmachung war dieses Mal eine ganz andere. Auf der Vorderseite war ein Hinweis „nur für Erwachsene” und im ersten Heft war ein Vorwort von William F. Nolan abgedruckt.

1991 brachte dann Adventures Comic die Serie „Logan's World” heraus, wieder sechs Hefte und mit einem Vorwort von William F. Nolan. Barry Blair übernahm dieses Mal auch die Cover, für Plot und Zeichnungen war er ebenfalls zuständig.

Wertung: 7 von 9 D-Mark