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Plakatmotiv: El Cid (1961)
Monumentales Kino-Abenteuer
mit monumentalen Legenden
Titel El Cid
(El cid)
Drehbuch Philip Yordan + Fredric M. Frank
Regie Anthony Mann, Italien, USA 1961
Darsteller Charlton Heston, Sophia Loren, Raf Vallone, Geneviève Page, John Fraser, Gary Raymond, Hurd Hatfield, Massimo Serato, Frank Thring, Michael Hordern, Andrew Cruickshank, Douglas Wilmer, Tullio Carminati, Ralph Truman, Christopher Rhodes u.a.
Genre Biografie, Abenteuer
Filmlänge 182 Minuten
Deutschlandstart
25. Mai 1962
Inhalt

Im elften Jahrhundert gerät der spanische Edelmann Rodrigo Díaz eher zufällig in ein Kampfgebiet, das sich am christlichen Grenzland befindet. Er schlägt die angreifenden Mauren in die Flucht und nimmt eine Handvoll Gefangene, die er jedoch entgegen der Order des Königs und um des Friedens willen frei lässt, was ihm den Namen „El Cid“ und neue Verbündete einbringt.

Plakatmotiv: El Cid (1961)Als er sich vor dem Thron für seine Barmherzigkeit verantworten muss, eskaliert die Situation und er tötet den Schwertführer, der ihn zum Duell aufgefordert hat. Dieser war auch gleichzeitig der Vater von Rodrigos Geliebter Jimena. Dadurch macht er sich Feinde in den eigenen Reihen, was letztendlich seine Verbannung nach sich zieht.

Mit seinem ihm treu ergebenen Gefolge, bestehend aus Knappen, Dienern, Rittern und Jimena, flüchtet er sich schließlich zu Al-Mutamin, dem muslimischen Kleinkönig von Saragossa, mit dem ihm seit seines barmherzigen Edelmuts eine Freundschaft verbindet...

Was zu sagen wäre

Die Bedrohung ist monumental. Ben Yusuf, der Berberführer, verlangt von den Mauren Spaniens, ihr Studium der Künste – der Musik, der Literatur, der Malerei – aufzugeben und zurückzukehren zum Studium des Mordens und Brandschatzens im Namen und zu Ehren Allahs; niederzustrecken alle „Ungläubiigen“ und die Welt zu beherrschen im Namen Allahs – erst in Spanien, dann in Europa, dann in der ganzen Welt.

Diese Bedrohung zu bekämpfen bedarf es einer Legende. Und wenn die gerade nicht greifbar ist, bedarf es eines Charlton Heston, der als Ben Hur die Römer und als Moses die Ägypter Mores gelehrt hat. Und wenn dann noch die Fanfaren des Miklós Rózsa aus dem Score donnern, des musikalischen Meisters des Monumentalen, ist die Welt, jedenfalls die Menschheit darauf, in guten Händen.

Dieser Film gehört – das kann man wohl so sagen, ohne die Zukunft zu kennen – zu den letzten großen Monumentalfilmen der Kinogeschichte. Er erzählt eine im Kern zwar authentische, in der Ausschmückung aber komplett zurechtgebogene Legende eines Helden, innerhalb derer wir der Chaltonhestonisierung des Charlton Heston beiwohnen (Ben Hur – 1959; Weites Land – 1958; „Im Zeichen des Bösen“ – 1958; Die zehn Gebote – 1956; Am fernen Horizont – 1955), die ihn für Rollen in Anzug und Krawatte für immer unmöglich machen. Und andere Bigger-than-Life-Typen des Kino können ihm höchstens das Wasser reichen, ihn als edlen Kerl reinen Herzens aber nie ersetzen. In „El Cid“ inszeniert Anthony Mann Heston als Schmerzensmann, eine Art zweiten Jesus, den er in Ben Hur noch nur bestaunen durfte; hier darf er ihn ersetzen, darf sich opfern, auf dass Spanien geeint werde.

Als seine Jimena ihn endlich … endlich wieder in ihr Herz schließt, geschieht dies am Fuße eines Golgatha nachempfunden Kreuzigungshügel (inklusive der drei Kreuze); später liegen er und Jimena in ihrer ersten gemeinsamen Liebesnacht nebeneinander in einer Scheune – als Verbannte, als Heimatlose. Ob das historisch so belegt ist, ist irrelevant – die Maria-und-Josef-Version des spanischen Nationalhelden ist schönstes Kintopp. Mit dem amerikanischen Schuss Rassismus.

Spanier wie Mauren in diesem Film werden von amerikanischen Darstellern gespielt; die, die die Mauren spielen, mkt mehr farbe im Gesicht. Die Mauren werden vorgeführt als Leute, die aus dem Hinterhalt zuschlagen, die ihre Steuern nicht bezahlen, die ihr „bei Allah“ geschworenes Wort brechen. Herbert Lom als Ben Yusuf darf den schon erwähnten Auftaktmonolog zetern, was mit den Ungläubigen zu geschehen habe, und dass Al Kadir, der zu jenen gehört, die Rodrigo zu Beginn des Film lebend aus der Gefangenschaft entlässt und damit das Drama in Gang setzt, keine reine Seele ist, ist auch von Anfang an klar: Frank Thring spielt ihn. Er hat auch Pontius Pilatus in Ben Hur gespielt und den intriganten englischen König Ælle in Die Wikinger (1958). Mit seinem Despotengesicht kann Thring nur verschlagene Schurken spielen. Als Maure Al Kadir darf er seine Leute anfeuern, die Einwohner Valencias, als die vor Hunger auf die Barrikaden gehen, zu massakrieren, zu erschlagen, zu ermorden, während er noch ein halb gegessenes Hühnerbein in Hand hält.

Selbst Al Mutamin, der einzg verlässliche Maure in diesem Film ist ein Scheinriese. Anfangs begnen er und und Rodrigo sich noch auf Augenhöhe, aber je länger der Film dauert, fällt er immer weiter zurück, reitet schließlich in der vierten Reihe hinter dem großen Helden in die Schlacht. Als die beiden sich nach vielen Jahren erstmals wiedersehen, fallen sie sich in die Arme, beide Armeen johlen vor Freude und haben dann zusammen viel Spaß im gemeinsamen Heerlager. „Was kann daran falsch sein?“ fragt Rodrigo lächelnd seinen Freund, den Mauren. Mit der Einigung Spaniens haben die Auswärtigen anderen Glaubens dann aber nichts mehr zu tun. Wenn der böse Berber vertrieben ist, einigen sich die Christen untereinander und damit Spanien.

Plakatmotiv (Wiederaufführung): El Cid (1961)Mit den historischen Fakten aber nimmt es der Film ohenhin nicht so genau. Zwar liegt Valencia heute einigermaßen am Meer, das Valencia im Mittelalter aber nicht; die in und um Valencia spielenden Dramen wurden nicht ganz 100 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Castelló in Peñíscola an der Mittelmeerküste gedreht. Heißt: Irgendwie so wird das mit El Cid, dem Ehrenmann, schon gewesen sein, nur weder an diesem malerischen Strand, an dem er am Ende gleichzeitig tot und als Held entlangreiten kann, noch in dieser ultimativen Heldensaga-Form. Natürlich kann man im Kinosessel der frühen 1960er Jahre nicht erkennen, wie der Stolz eines spanischen, noch dazu selbstlosen spanischen Edelmannes um 1080 herum funktionierte. Aber wenn dessen Jimena annhähernd so standhaft und willensstark war wie Sophia Loren in diesem Film, wird der spanische Edelmann Rodrigo Díaz nicht halb so kasteiend auf Frau und Kinder verzichtet haben, wie der im Film – Heston und Loren sollen sich nicht sonderlich gut verstanden haben während der Dreharbeiten, vielleicht haben sie deshalb vor allem Szenen, in denen sie ihre Liebe deklamieren, nicht aber zeigen.

Wahrscheinlich aber steckt in Charlton Hestons Rolle mehr Rodrigo als in Sophia Lorens Rolle Jimena – und das spielt auch keine Rolle für den Film; es ist nur wichtig, sich das vor Augen zu halten, um sich dem reinen Epos, dem realitätsfreien Melodram hinzugeben. Anthony Mann als Regisseur tut dem Genre des Monumentalfilms gut. Der erfahrene Western-Regisseur hält den Film in der Spur, wenn dessen Monumentalität ihn ins Nirwana des Bla-Bla zu zerren droht. Mann hat genug Filme mit dem nüchternen James Stewart inszeniert, die die Glorie der Pioniere feiern (Meuterei am Schlangenfluss – 1952; Winchester '73 – 1950), um zu wissen, wie man Legende und Drama im Gleichgewicht hält.

Unterm Strich gehört „El Cid“ zu den Big Five des Monumentalfilms – Quo Vadis (1951), Die zehn Gebote (1956), Ben Hur (1959), „El Cid“ (1961), Cleopatra (1963) – weil er eine große Legende in fantastischen Bildern mit großen Gesten erzählt; und weil die spannende Geschichte Spaniens zwischen Mauren und Christen eine ist, die zu selten erwählt wurde fürs Kino.

Und so ritt der Cid durch die Tore der Geschichte und ging ein in die Legende“, heißt es am Ende. Wer fragt nach historischer Genauigkeit, wenn der Titelheld im Gegenlicht, mehr tot als lebendig, aber aufrecht stolz den bösen Mauren, der morden und brandschatzen wollte unter den Ungläubigen, ins Meer zurücktreibt, ins afrikanische Niemandsland, aus dem er kam?

Wertung: 5 von 7 D-Mark
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