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Plakatmotiv: Frankenstein muss sterben (1969)
Wohliger Schauder mit einem
großartigen Peter Cushing
Titel Frankenstein muss sterben!
(Frankenstein Must Be Destroyed)
Drehbuch Bert Batt + Anthony Nelson Keys
mit Charakteren von Mary Shelley
Regie Terence Fisher, UK 1969
Darsteller

Peter Cushing, Veronica Carlson, Freddie Jones, Simon Ward, Thorley Walters, Maxine Audley, George Pravda, Geoffrey Bayldon, Colette O'Neil, Frank Middlemass, George Belbin, Norman Shelley, Michael Gover, Peter Copley, Jim Collier u.a.

Genre Horror
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
19. September 1969
Inhalt

Der totgeglaubte Baron Frankenstein arbeitet an einem neuen Experiment: einer Gehirnverpflanzung. Um sein Vorhaben in die Tat umsetzen zu können, erzwingt er die Unterstützung des jungen Arztes Dr. Karl Holst, da er von dessen Drogendelikten weiß. Holst arbeitet in einer Irrenanstalt, in der Dr. Frederick Brandt einsitzt, ein Wissenschaftler von zweifelhaftem Ruf, der an demselben Experiment wie Frankenstein arbeitete, ehe er den Verstand verlor.

Der junge Arzt soll dem Baron helfen, Dr. Brandt zu befreien, da nur dieser ein erfolgreiches Verfahren entdeckt hat, nach dem man ein menschliches Gehirn für einen längeren Zeitraum einfrieren kann, ohne dass das Gewebe zerstört wird. Die Befreiungsaktion gelingt, sie bringen ihn in den Keller von Anna Spenglers Pension, Holsts Verlobten. Doch Brandt erleidet einen Herzanfall, den er ohne medizinische Behandlung nicht überleben würde. Frankenstein hat jedoch bereits die Lösung.

Plakatmotiv (UK): Frankenstein must be destroyed – Frankenstein muss sterben (1969)Gemeinsam mit Holst entführt er den Direktor der Irrenanstalt, Professor Richter und verpflanzt Brandts Gehirn in dessen Körper …

Was zu sagen wäre

Nebel wabert durch die nächtlichen Gassen. Ein Arzt geht zu seiner Praxis. Erverliert seinen Kopf. Eine Sense hat ihn abgetrennt. Baron Frankenstein ist wieder unterwegs. Mit dieser Sequenz steigt Hammers Hausregisseur Terence Fisher („Die Braut des Teufels“ – 1968; „Frankenstein schuf ein Weib“ – 1967; Dracula – 1958; „Frankensteins Fluch“ – 1957) in sein neues Frankenstein-Kapitel ein. Blut spritzt großflächig, ein Kopf rollt und die Polizei steht vor Rätseln, die alle irgendwas mit versiierten Ärzten zu tun haben.

Es ist der fünfte Frankenstein-Film aus den Londoner Hammer-Studios, seit sie 1957 mit „Frankensteins Fluch“ das US-amerikanische Original aus dem Jahr 1931 (mit Boris Karloff als Kreatur) neu verfilmt habebn

Baron Frankenstein spielt, wie immer bei Hammer, Peter Cushing. Unter Terence Fishers Regie spielt er in den Hammer-Produktionen abwechselnd den Vampirjäger Dr. Van Helsing in den Dracula-Filmen und eben Baron Frankenstein. Die Zeit dazwischen füllt er mit allerlei Genreauftritten („Die Bestie mit dem Skalpell“ – 1968; „Der Foltergarten des Dr. Diabolo“ – 1967; „Insel des Schreckens“ – 1966; „Die brennenden Augen von Schloss Bartimore“ – 1964; „Das Schwert des Robin Hood“ – 1960; ). Der Schauspieler, dessen Gesicht aussieht, als habe die Natur lediglich einen Fetzen Haut über einen Schädel gezogen, macht aus diesem vordergründig mörderischen Irren einen distinguierten, diabolischen, charmanten, arroganten, leidenschaftlichen Wissenschaftler. Cushing ringt seinem Gesicht, seinen traurigen, immer leicht melancholischen Augen eben mehr ab, als ein auf Schädel gezogener Fetzen Haut das könnte – um im Bild zu bleiben: Er verschreibt sich dieser komplexen Figur mit Haus und Haar. Und er stellt uns vor eine faszinierende Wahl.

Während im Abspann wieder mal alle Beteiligten zu Asche verbrennen – bis zum nächsten Frankenstein-Film – verlassen wir das Kino und diskutieren, was eine Person ausmacht. Denn Baron Frankenstein hat sich wissenschaftlich weiter entwickelt, seit er in „Frankensteins Fluch“ meinte, Körperteile verschiedener Provenienz aneinandernähen zu können und dann würde da mithilfe einiger Blitze schon neues Leben entstehen.

Plakatmotiv (UK): Frankenstein must be destroyed – Frankenstein muss sterben (1969)Mittlerweile hat Frankenstein eine Technik gefunden, mittels derer er einfach ein Gehirn in einen anderen, kompletten, Körper verpflanzt und mit diesem Gehirn, so die Theorie, auch die Persönlichkeit des Menschen, dem das Gehirn gehört. Die Technik ist sauberer, einfacher, aber auch dafür muss freilich ein anderer Mensch sterben – weil: Irgendwohin muss das Gehirn ja verpflanzt werden.

Aber ist der neue Körper mit dem alten, verpflanzten Gehirn dann noch der vorherige Mensch, also jener, den das Gehirn mit seinem alten Körper darstellte? Ella, die Frau des umstrittenen Wissenschatlers Dr. Brandt, der mit Frankenstein einst über die Möglichkeit einer Gehirnverpflanzung korrespondierte, darüber verrückt wurde und nun von Frankenstein, nunja, in gewisser Weise geheilt worden ist, glaubt das nicht. Der Fremde in ihrem Schlafzimmer mit der gräßlichen Narbe rund um den Schädel, der sie so zärtlich anblickt und auch intimste Geheimnisse kennt, ist nicht ihr Mann. Ihren Mann hat sie unlängst begraben.

Der Film ist da nicht so eindeutig. Der neue alte Dr. Brandt mag eine tragische Kreatur sein, wie alle seine Vorgänger, aber er tritt seiner Frau als ihr sie liebender wiewohl leidgeprüfter Ehemann gegenüber und dem Baron klar mit der Härte, die nötig ist, um Kreaturen wie ihn nicht dereinst zur Normalität in den Straßen werden zu lassen. Heißt für den Zuschauer beim anschließenden Wein: Er ist der alte Dr. Brandt in einem neuen Körper. Damit ist er aus Sicht der Wissenschaft ein epochaler Erfolg – ein Mensch kann in einem anderen Körper weiterleben. Aber nicht alles, was die Wissenschaft so herrichtet, ist ja geeignet, auch vervielfältigt zu werden.

Terence Fishers Film steht ehrbar in der Tradtion der Frankenstein-Filme, die immer für wohligen Grusel sorgen, im Grunde aber doch eine philosophische Betrachtung des Menschen zwischen Wissenschaft und Moral sind.

Wertung: 5 von 8 D-Mark
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