Sam ist eine Geheimagentin, deren bisher härteste Mission darin besteht, ihre beste Freundin auf einer üppigen Hochzeit auf einer Luxusinsel zu beschützen.
Als ein Team von Söldnern die Party stürmt und die Gäste als Geiseln nimmt, wird Sam in einen Kampf hineingeworfen, wie es ihn noch nie gegeben hat – einen Kampf, bei dem sie nicht riskieren kann, ihre Tarnung auffliegen zu lassen oder den großen Tag zu ruinieren …
Okay, das ist schon vom Titel her ein Film, der nicht für Überraschungen steht. Statt "Die hard" mit dem Cop im Unterhemd ist es hier eine Kämpferin im Brautjungfernkleid. Die ist heimlich Geheimagentin und kämpft gegen schwer bewaffnete Gangster auf der Hochzeitsfeier ihrer besten Freundin Betsy. Das heißt: Wer in so einen Film geht, weiß, was ihn erwartet. Das Erwartete habe ich auch bekommen.
Nur nicht so richtig befriedigend. Rebel Wilson (Pain & Gain – 2013; Brautalarm – 2011) ist als einzelkämpfende Agentin keine Sekunde glaubhaft. Sie ist so unbeweglich, dass in den Actionszenen wild geschnitten werden muss, damit die Stuntfrauen ihren Job machen können.
Wilson selbst wirkt steif; das heißt, der gedachte Gag korpulente Frau macht Söldner platt bleibt im Ansatz stecken. Wenn sie sich selbst prügeln muss, müssen die zu verprügelnden Stuntleute warten, bis sie den richtigen Griff angesetzt hat. Das nimmt dem an sich charmanten kleinen Sonntagsfilm viel von seinem potenziellen Charme.
Die Geschichte ist jetzt nicht so überraschend. Die Gangster haben es auf größere Goldreserven abgesehen, die bei der gastgebenden Bräutigamfamilie im Tresor liegen und bekommen es irgendwann mit allen Brautjungfern zu tun. In deren Kreis hatte Sam eigentlich die Organisationsleitung. Weil sie aber aus unbekannten Gründen – ihre Freundinnen wissen nicht, dass sie Geheimagentin ist – dauernd nicht da ist und die anderen sitzen lässt, wird sie von ihrer besten Freundin, der Braut, abgesetzt. Das gibt der Geschichte den nötigen emotionalen Haken, an dem wir ein wenig mit Heldin Sam leiden können, die offenbar auch im Leben abseits von Hochzeiten und Geheimdiensten eine Einzelgängerin ist.
Die Hochzeitsfeier wird ordentlich gecrasht, es bleibt kein Törtchen unvermatscht. Im Nahampf kommen selbst heiße Lockenwickler zum Einsatz, Schraubenzieher und Feuerwehrschläuche. Regie führt Simon West, ein erfahrener Mann im Actiongenre, wo er mit Jason Statham, Sylvester Stallone und den anderen harten Männern gearbeitet hat (Wild Card – 2015; The Expendables 2 – 2012; The Mechanic – 2011; Lara Croft: Tomb Raider – 2001; Wehrlos – Die Tochter des Generals – 1999; Con Air – 1997). Mit den Frauen tut er sich schwerer. Sein Film wirkt, als würde er mit angezogener Handbremse inszenieren, um nur ja nichts falsch zu machen als einziger Mann unter lauter Frauen – und für Frauen. Das Zielpublikum dieses Films ist weiblich.
"Bride Hard" ist ein Film für den bewölkten Sonntagnachmittag zum Tee. Die Menschen sind ordentlich angezogen, es geht ordentlich rund und ein-, zweimal ordentlich lachen kann man auch.
