Vier Jahre ist es her, seit auf dem kleinen Bahnhof in Black Rock der "Southern Pacific" das letzte Mal angehalten hat. Die Ankunft eines einarmigen Fremden scheint für die Bewohner der Siedlung allerdings keine willkommene Abwechslung zu sein; sie begegnen ihm mit unverhohlenem Misstrauen oder offener Feindseligkeit.
Die Nervosität und Feindseligkeit der Bewohner nimmt spürbar zu, als John Macreedy – so heißt der einarmige Fremde – erklärt, er befinde sich auf der Suche nach einem japanischen Farmer namens Komoko. Der Rancher Reno Smith, mehr oder weniger Chef in Black Rock, erzählt dem Fremden, Komoko sei nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor in ein Internierungslager gebracht worden und seitdem verschwunden. Macreedy schöpft Verdacht und vermutet, Komoko sei einem Mord zum Opfer gefallen.
Währenddessen planen einige Bewohner von Black Rock, den unliebsamen Fremden zu beseitigen, um so zu verhindern, dass ein Geheimnis ans Licht kommt, dass die Menschen von Black Rock vor vier Jahren begraben haben. Dafür gehen diese Männer notfalls über Leichen …
Eine einsam gelegene Kleinstadt, weit abgelegen. So abgelegen, dass die Menschen sofort hellhörig werden, als sie die Bremsen des Zugs am Bahnhof hören. ein Zug hat hier schon vier Jahre nicht mehr gehalten. Ein Fremder steigt aus. Und mischt die Stadtgesellschaft auf.
John Sturges variiert eines der großen Westernmotive – ein Fremder kommt in die Stadt – um eine Parabel über Schuld und Sühne zu erzählen. Seine Kleinstadt Black Rock liegt nicht in unserer Welt, Black Rock existiert in einem Paralleluniversum: Das Leben besteht aus ein paar herumlungernden Männern, einer behauptet, er habe hier eine Farm, die man aber nie sieht.
Eine junge Frau betreibt die einzige Tankstelle am Ort, ihr Bruder das Hotel. Sonst arbeitet niemand – der Sheriff liegt angetrunken in seiner eigenen Zelle, der Leichenbestatter wartet auf Kundschaft. In dieser Stadt passiert nichts. Wenn ein Fremder kommt, kann der also nur Unruhe im Schilde führen.
Sturges zeigt eine Welt voller Misstrauen allem Fremden gegenüber. Es ist das Jahr 1945, der Zweite Weltkrieg ist gerade zu Ende, der auch gegen die Japaner geführt wurde, nachdem die Pearl Harbor angegriffen hatten. Noch bevor der ältliche Besucher, der nur einen Arm hat, einen Satz gesagt hat, haben sich die Männer der Stadt schon gegen ihn positioniert. Ihr Geheimnis wollen sie auf alle Fälle bewahren. Dabei will der Fremde mit größter Höflichkeit nur einen Freundschaftsdienst erledigen, den er einem gefallenen Kameraden versprochen hat. Und als er merkt, wie unbeliebt er im Ort ist, will er auch gleich wieder weg. Aber die nächste Reisemöglicheit in diesem Wüstenstädtchen ist erst am kommenden Vormittag.
Der Film wirkt wie eine Versuchsanordnung, die sich nicht um Realität schert. In kargen Dialogen und strahlenden Cinemascope-Bildern, die Leere und Einsamkeit transportieren und in schönem Widerspruch zur lange Zeit nebulösen Handlung stehen, dekliniert Sturges das Drama eines Mannes ohne Ausweg gegen eine Übermacht von kaltblütigen Männern, deren Front zu bröckeln beginnt, durch. Wer der einarmige Fremde ist, lichtet sich erst nach knapp einer Stunde, ebenso, wo der gesuchte Japaner ist und was die feindseligen Männer zu verbergen haben. Bis dahin überlässt Sturges die großformatigen Bilder dem souveränen Spiel Spencer Tracys (Vater der Braut – 1950; Ehekrieg – 1949; Die Frau von der man spricht – 1942; "Blinde Wut" – 1936; "20.000 Jahre in Sing Sing" – 1932). Sein Macreedy ist ein Mann, der sich durch keine Provokation aus der Ruhe bringen lässt, der im schwarzen Anzug unter schwarzem Hut immer freundlich bleibt, der mit seinem einen Arm keine Chance zu haben scheint, sich im entscheidenden Moment aber zu wehren weiß. Viel haben wir über ihn auch nach dem Abspann nicht erfahren, außer dass er ein integrer Mann ist, der eine Schuld zu begleichen hat. Mehr brauchen wir aber auch nicht zu erfahren über diesen Mann in jener Stadt aus dem Paralleluniversum. Mehr würde die stille Eleganz dieses Films nur stören.
"Stadt in Angst" kreist um eines der weniger erbaulichen Themen der jüngeren US-Geschichte. Nach dem Angriff der Japaner auf der den US-Militärstützpunkt Pearl Harbor errichteten die USA Internierungslager, in die sie US-Bürger japanischer Abstammung sowie eingewanderte Japaner ohne Verhandlung, ohne Anhörung sperrten. Viele Internierte überlebten die Haft nicht. In ein solches Internierungslager soll der im vorliegenden Film gesuchte Japaner Komoko verbracht worden sein. Im Film wird betont, dass Komoko „ein US-Bürger“ sei, womit das Drehbuch die Ungerechtigkeit jener Lager andeutet. Der Film basiert auf dem Roman "Bad Day at Honda" von Howard Breslin. Dies war auch der Arbeitstitel des Films, der jedoch aufgegeben wurde, weil 1953 ein Western mit John Wayne herauskam, der den Titel Hondo trug.
Um Spencer Tracy als Darsteller zu gewinnen, machten die Produzenten aus der Hauptfigur einen Einarmigen, da sie davon ausgingen, kein Schauspieler könne einer solchen Herausforderung widerstehen. Der Vorspann des Films, in dem ein fahrender Zug zu sehen ist, wurde gedreht, nachdem einem Testpublikum die ursprüngliche Eröffnungsszene nicht gefallen hatte.
Nicholas Schenk, der damalige MGM-Präsident, war gegen die Produktion, da er sie für „subversiv“ hielt. Dem Film wurde, ähnlich wie zuvor bereits 12 Uhr mittags, aufgrund der kritischen Erwähnung der Internierungslager für Japaner vorgeworfen, unterschwellige Kritik an der Antikommunismuspolitik des Senators Joseph McCarthy zu üben. Ironischerweise zählen beide Werke zu den Filmen, die am häufigsten im Weißen Haus gezeigt wurden.
