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Plakatmotiv: L.A. Story (1991)
Ein romantisches Märchen mit
Witz und Sarah Jessica Parker
Titel L.A. Story
(L.A. Story)
Drehbuch Steve Martin
Regie Mick Jackson, USA 1991
Darsteller Steve Martin, Victoria Tennant, Richard E. Grant, Marilu Henner, Sarah Jessica Parker, Susan Forristal, Kevin Pollak, Sam McMurray, Patrick Stewart, Andrew Amador, Gail Grate, Eddie De Harp, M.C. Shan, Frances Fisher, Iman u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 95 Minuten
Deutschlandstart
20. Juni 1991
Inhalt

Harris K. Telemacher ist promovierter Meteorologe und lebt in L.A. Er ist unglücklich in seiner Beziehung mit Trudi und in seinem Beruf. Bei einem Mittagessen lernt er die britische Journalistin Sara McDowel kennen, in die er sich verliebt.

Auf dem Heimweg haben Harris und Trudi eine Autopanne. Der Wagen kommt gerade noch in einer Haltebucht vor einem leuchtenden Verkehrszeichen zum Stehen. Während Harris versucht, im Motorraum den Fehler ausfindig zu machen, macht das Verkehrszeichen Harris durch einen Funkenschlag auf sich aufmerksam. Das Verkehrszeichen gibt Harris ein Rätsel mit auf dem Weg, dessen Lösung ihm mit seinen Problem helfen soll. Es kommt ihm gerade recht, dass seine Partnerin ihm eine Affäre mit seinem Agenten gesteht und er sich von beiden trennen kann.

Plakatmotiv (US): L.A. Story (1991)Harris sucht wieder das Verkehrszeichen auf, das ihm verkündet, dass das Wetter sein Leben zweimal verändern wird. Auch in seinem Beruf gibt es bald eine Veränderung. Telemacher moderiert eine eher unkonventionelle Wettershow. Er zeichnet vorab eine Wettervorhersage für das Wochenende auf, in dem er Sonnenschein vorhersagt. In Wirklichkeit ist das Wochenende verregnet, infolgedessen kentert Harris' Chef mit seinem Boot und entlässt Harris daraufhin. Dies ist das erste Mal, dass das Wetter sein Leben verändert, so wie es das Verkehrszeichen Harris vorausgesagt hat.

Telemacher und McDowel kommen sich bei einer gemeinsam besuchten Veranstaltung näher. Allerdings sind sie für das folgende Wochenende bereits Verpflichtungen eingegangen. Harris hat der 22-jährigen SanDeE* versprochen, mit ihr über das Wochenende zu verreisen, selbiges gilt für Sara und ihren Ex-Mann. Beide übernachten, ohne es zu wissen, im selben Hotel in den Nebenzimmern und hören mit, wie die jeweiligen Personen im Nebenzimmer mit ihren Liebhabern Sex haben …

Was zu sagen wäre

Victoria Tennant nennt Sir Laurence Olivier ihren Patenonkel. Ihr Beruf ist, wie seiner, die Schauspielerei. Aber anders als ihr Pate, der zu Lebzeiten zu den größten Vertretern dieser Zunft in Großbritannien zählte und immer noch zählt, ist sie eine Gesicht-in-die-Kamera-Halten-und-das-Beste-Hofferin. Sie ist verheiratet mit Steve Martin („Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ – 1988; Ein Ticket für zwei – 1987; Roxanne – 1987; „Der kleine Horrorladen“ – 1986; „Drei Amigos!“ – 1986; Solo für 2 – 1984; „Ein Single kommt selten allein“ – 1984; „Der Mann mit zwei Gehirnen“ – 1983; Tote tragen keine Karos – 1982; „Reichtum ist keine Schande“ – 1979), den sie bei den Dreharbeiten zu Solo für 2 kennt. Deshalb spielt sie jetzt in „L.A. Story“ mit. Das klingt böse, ist aber so: Tennant hat, das konnte man schon 1985 in John Frankenheimers Der 4 1/2-Billionen-Dollar-Vertrag bestaunen, kein Charisma vor der Kamera, sie ist einfach nur blond und hübsch und schaut mit großen braunen Augen ins sonnige L.A., wenn sie erstaunt ist, wenn sie verliebt guckt, wenn sie böse guckt, wenn sie gleich Sex hat; sie bleibt eine leere Hülle mit einem Annie-Hall-Gedächtnishütchen, was wohl ihre biedere Britishness unterstreichen soll, aber eigentlich nur an Woody Allens gleichnamigen Klassiker von 1977 gemahnt, der in Deutschland als Der Stadtneurotiker lief.

Steve Martins Komödie ist so etwas ähnliches. Dort wie hier ein auf der Suche nach sich selbst befindlicher Mann zwischen zwei Beziehungen, Midlifecrisis, gehobenes Bildungsbürgertum und das Portrait einer Stadt. Nur, dass Victoria Tennant halt nicht Diane Keaton ist und durch ihre Flachheit den Film verirbt; kaputt machen kann sie ihn nicht, dafür sind die Bilder und Ideen zu gut, die sich Steve Martin ins Drehbuch geschrieben hat, das er von dem Briten Mick Jackson verfilmen ließ, der als Regisseur viel TV-Serien-Erfahrung mitbringt.

DVD-Cover (US): L.A. Story (1991)Los Angeles ist die Stadt der Oberfläche: Jobs ohne Tiefe in irgendeiner TV-Serienproduktion, rund um die Uhr flattert nichts sagende Werbepost in den Briefkasten, wenn Du ins angesagte Restaurant möchtest mit dem angesagten Namen „L'Idiot“, musst Du einen Einkommensnachweis vorhalten, einen Wohnungsbesitzerausweis und in einem Bewerbungsgespräch wissen, welche Gewürze bei einer Forelle geschmacklich gut miteinander harmonieren. Während die englischen Gäste über Bauhaus, Shakespeare und Literatur parlieren, reden LosAngeliniens über TV-Shows und -Serien. Am Geldautomaten stehen zwei Schlangen; die eine hebt Geld ab, die andere – „Hi, ich bin Bob, ich bin ihr Taschendieb“ – raubt die erste aus.

Von all dem erzählt uns Steve Martin und man wähnt sich lange in einer Sitcom – nur dass die Motive schöner fotografiert sind. Es braucht über eine halbe Stunde, bis sich ein Roter Faden herausschält und sich die Aneinanderreihung sehr witziger Gags zu einem Märchen mt Shakespeare-Touch entwickelt – Hamlet („Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt.“) zitieren die verschiedenen Figuren gerne: „Ich kannte ihn, Horatio; ein Bursch von unendlichem Humor, voll von den herrlichsten Einfällen. Er hat mich tausendmal auf dem Rücken getragen, und jetzt, wie schaudert meiner Einbildungskraft davor! Mir wird ganz übel. Hier hingen diese Lippen, die ich geküßt habe, ich weiß nicht wie oft.

Statt an den düsteren Zweifler mit dem Schädel in der Hand aber erinnert „L.A. Story“ mit seinem prallen Dauer-Sonnenschein, unter dem Sinnsucher spielerisch mal hier mal da stolpern eher – wenn schon Shakespeare – an dessen Sommernachtstraum. Aber das ist vielleicht auch zuviel der Deutung.

Natürlich wird in der Stadt der Autofahrer, wo man sogar die Nachbarin zwewi Häuser weiter mit dem Auto besucht, eine Leuchttafel für Verkehrsinformationen zum Mentor und Orakel der Hauptfigur. Das ist eine schöne Idee, in ihrer Einfachheit bestechend und muktifunktional in diesem romantischen Märchen verwendbar. Bezaubernd ist die Idee, Sarah Jessica Parker als SanDeE* zu besetzen. Aufmerksame Kinogänger kennen sie aus Filmen wie „Footloose“ (1984) oder Disneys „Der Flug des Navigators“ (1986), auch im Fernsehen sieht man sie häufiger. Als quirlige, voller Lebensfreude leuchtende SanDeE* hat sie dem Typus des daueroptimistischen L.A.-Girls Gesicht und Statur für die Ewigkeit gegeben; dauernd in Bewegung, immer zugewandt, von keinerlei Zweifel beseelt. Das ist natürlich ein irrealer Männertraum. Aber der Film ist ja ein Märchen, und in Märchen gibt es Elfen. Und Prinzessinnen mit komischen Hüten ohne jede Ausstrahlung, in die sich der Prinz zu verlieben hat. Manche Märchen enden eben nicht wie ein Märchen. Und mit diesem Gedanken bekommt der Film sogar noch eine philosophische Note.

Wertung: 8 von 10 D-Mark
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