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Kinoplakat (US): The Last Boy Scout

Düsterer Actionkracher über Schmier-
Geschäfte im American Football

Titel Last Boy Scout – Das Ziel ist Überleben
(Last Boy Scout)
Drehbuch Shane Black + Greg Hicks
Regie Tony Scott, USA 1991
Darsteller

Bruce Willis, Damon Wayans, Chelsea Field, Noble Willingham, Taylor Negron, Danielle Harris, Halle Berry, Bruce McGill, Badja Djola, Kim Coates, Chelcie Ross, Joe Santos, Clarence Felder, Tony Longo, Frank Collison, Bill Medley, Verne Lundquist, Dick Butkus, Lynn Swann, Billy Blanks, Ken Kells, Morris Chestnut, Michael J. Fisher, Doug Simpson, Joe El Rady, David L. McMillan, Benjamin Agee, Donna W. Scott, Denise Ames, Frank Kopyc, Teal Roberts, Sara Suzanne Brown, Ryan Cutrona, Eddie Griffin, John Cenatiempo, Michael Papajohn, Matt Johnston, Edmund Villa, James Keane, Jack Kehler, Duke Valenti, Dennis Garber, Manny Perry u.a.

Genre Action, Crime
Filmlänge 105 Minuten
Deutschlandstart
12. März 1992
Inhalt

Joe Hallenbeck ist ein ausgebrannter Privatdetektiv. Seinen alten Job als Bodyguard hat er verloren, seine Ehe droht zu zerbrechen und seine Tochter hasst ihn. Als sein bester Freund ihn mit einem Überwachungsjob betraut, wird dieser kurz darauf ermordet. Joe springt trotzdem ein und kommt in das Umfeld der Footballszene.

Er soll die Stripperin Cory beschützen, die sich bedrängt fühlt. Er sucht Cory in der Bar auf, in der sie arbeitet und nimmt ihren Auftrag an. Dabei gerät er mit deren Freund aneinander, dem Ex-Stallions-Spieler Jimmy Dix, der aufgrund von Verletzungen, illegalem Glücksspiel und Drogendelikten ausgemustert wurde. Als Joe die Bar verlässt, wird er von Unbekannten niedergeschlagen und kann Cory deshalb nicht beschützen, als diese auf offener Straße erschossen wird. Als Joe und Jimmy am Tatort eintreffen, gelingt es ihnen die Angreifer zu töten, für Cory jedoch kommt jede Hilfe zu spät.

Notgedrungen raufen sich die beiden ungleichen Männer nun zusammen, um die Hintergründe des Verbrechens aufzuklären. In Corys verwüsteter Wohnung kommen beide den Hintergründen auf die Spur: Cory hat Shelly Marcone, den Besitzer der Stallions, erpresst, damit ihr Freund Jimmy Dix wieder für Marcones Team spielen darf. Darüber hinaus scheint auch der örtliche Senator Calvin Baynard in die Sache verwickelt zu sein. Für diesen hat Joe zu seiner Zeit als Agent gearbeitet und der Senator ist auch für Joes Entlassung vor zwei Jahren verantwortlich, weshalb beide seitdem verfeindet sind.

Nur das unfreiwillige Team Hallenbeck/Dix steh den düsteren Plänen noch im Weg …

Was zu sagen wäre

Frauen haben Geheimnisse? Was ist daran überraschend? Der Himmel ist blau. Das Wasser ist nass. Frauen haben Geheimnisse!“ Joe Hallenbeck kann nichts mehr erschüttern, ein Zyniker, der Recht behält, sobald alle tot sind – „what did I tell You?“. Bruce Willis („Billy Bathgate“ – 1991; „Hudson Hawk“ – 1991; „Tödliche Gedanken“ – 1991; „Fegefeuer der Eitelkeiten“ – 1990; Stirb langsam – 1988; ”Sunset – Dämmerung in Hollywood – 1988; „Blind Date“ – 1987) spielt diesen ausgebrannten, unangenehm Typen mit Lust an der Karikatur und sieht nach zwanzig Minuten aus, wie immer – ordentlich zerschlagen und blutend. In vielen ist dieser Hallenbeck das Schwarze Schaf aus der Familie John McClanes; dass er zu dieser Familie gehört, merkt man an seinem großen, enttäuschten Herzen, das an seiner Moral, an seiner Frau, an seiner Tochter scheitert. Life sucks und Hallenbeck hat‘s immer gewusst. Er heißt sicher nicht zufällig Hallenbeck - was sich leicht spricht wie Hell-and-Back.

Dieser Hallenbeck sticht mitten hinein in das Wespennest des Großen Geldes, in den American Football. „Football ist ein sterbendes Tier, Joe“, klagt Football-Boss Sheldon Marcone, wunderbar ekelhaft gespielt von TV-Ikone Noble Willingham. „Es gibt keine Helden mehr! Seit Sonny Werblin Joe Namath 1966 400.000 Dollar zahlte, wollen diese Hurensöhne nur immer noch mehr! Wann hört das auf? Mein Gott, freie Spieler! Gib mir, gib mir, gib mir, gib mir, gib mir! Jetzt nehmen sie Drogen und erschießen sich auf dem Spielfeld“, schimpft Marcone weiter und bilanziert: „Das Publikum hat es satt (is pisspod-tired of it) und wechselt den Sender.“ Deswegen will der Football-Boss Sportwetten legalisieren. Wer wettet, guckt auch zu, ist sein Kalkül. Wer wettet, trägt sein Geld zum Football. Über diese Kaltblütigkeit ist dann sogar Hallenbeck überrascht.

Tony Scott (s.u.) hat einen bösen, dunklen Thriller gedreht, einen Vertreter des Film Noir. „The Last Boy Scout“ ist streng unkomisch. Die in Filmen dieser Art sonst übliche Ironie bleibt draußen. Dabei hat Scott mit Damon Wayans („Kuck' mal, wer da spricht – Teil 2“ – 1990; „Punchline“ – 1988; „Colors – Farben der Gewalt“ – 1988) nicht nur ein gutes Gegengewicht zu Bruce Willis besetzt, sondern mit dem Stand-Up-Comedian auch eine Figur, die leichte Töne einfließen lässt, ohne dabei in Komödie abzudriften –„Come on, Jimmy, denk nach: Was fürde Joe jetzt tun?“, fragt er sich an einer Stelle und kommt zu der Erkenntnis: „Er würde alle erschießen und dann ein paar Zigaretten rauchen.“ Hallenbecks Tochter, 13 Jahre, setzt Tony Scott in deren erster Szene ins Sofa, wo sie „Lethal Weapon“ guckt, ihren Vater als Archloch beschimpft und im Verlauf des Films selbst zur Waffe greift und die kleine Schwester von John McClane gibt.

Diese Szenen haben sichts Ironisches, sie sind zynisch in ihrer Beobachtung, erschreckend in ihrer Wahrhaftigkeit – ich meine nicht das kleine Mädchen, das mit Wumme durch den Wald läuft und brutale Gangster linkt, das ist nur Kino; ich meine das kleine Mädchen, das Acionfilme guckt und dann glaubt, bei den Großen mitmischen zu können; von solchen gibt es viele, quod erat demonstrandum. Vom natürlich notwendigen Happy End abgesehen erzeugt der Film alles andere als eine positive Grundstimmung, seine düstere Brutalität hat ihm hierzulande eine Jugendfreigabe verwehrt – im Kino gilt „FSK 18“.
(Nachtrag 1995): Eine Zeit lang landete der Film gar auf dem Index, im Fernsehen und auf DVD laufen nur gekürzte und sinnentstellte Fassungen (Nachtrag Ende).

Wertung: 8 von 8 €uro
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