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Plakatmotiv: Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen
John Frankenheimer ergibt sich
einer großen Japan-Begeisterung
Titel Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehen
(The Challenge)
Drehbuch Richard Maxwell + John Sayles
Regie John Frankenheimer, USA, Japan 1982
Darsteller Scott Glenn, Toshirô Mifune, Donna Kei Benz, Atsuo Nakamura, Calvin Jung, Clyde Kusatsu, Sab Shimono, Kiyoaki Nagai, Kenta Fukasaku, Shôgo Shimada, Yoshio Inaba, Seiji Miyaguchi, Miiko Taka, Akio Kameda, Hisashi Osaka u.a.
Genre Action
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
30. September 1983
Inhalt

Der Boxer Rick Murphy gerät mitten in eine seit über 30 Jahren andauernde Fehde zwischen den japanischen Brüdern Toru und Hideo Yoshida.

Gemäß einer alten überlieferten Familientradition, in der zwei heilige Schwerter von Generation zu Generation weitergegeben werden, sollte der ältere Bruder Toru die beiden Schwerter von seinem Vater empfangen. Hideo nahm die Schwerter gewaltsam an sich und verlor eines der Schwerter während einer Schlacht im Zweiten Weltkrieg. Toru machte später das Schwert in den USA ausfindig und lässt es nun von Rick nach Japan schmuggeln.

Hideo, inzwischen ein mächtiger Konzernchef, versucht mit allen Mitteln, das Schwert wieder in seinen Besitz zu bringen. Bevor Rick nach Ablieferung des Schwertes wieder in die USA zurückkehren kann, wird er von Ando, einem Handlanger Hideos, in einer Bar gestellt. Er zwingt Rick, zu Toru, der eine Kampfschule in Kyoto unterhält, zurückzukehren und sich ihm als Kampfschüler anzubieten. In einen unbeobachteten Moment soll er das Schwert stehlen und gegen eine stattliche Belohnung Ando aushändigen. Eines Nachts gelingt es Rick tatsächlich das Schwert an sich zu nehmen und unbehelligt zu fliehen.

Plakatmotiv: Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehenUnterwegs jedoch plagt ihn plötzlich das schlechte Gewissen und er entschließt sich, das Schwert zurückzubringen. Toru hatte den Diebstahl vorhergesehen und Rick keinen Augenblick unbeobachtet gelassen. Als er Ricks ehrliche Reue erkennt, nimmt er ihn wieder bei sich auf und der entwickelt sich zu einem gelehrigen Schüler und talentierten Kämpfer. Während seines Aufenthaltes in Torus Schule freundet er sich mit Torus Tochter Akiko und dem siebenjährigen Jiro, der später ebenfalls ein Schwertkämpfer werden möchte, an.

Um an das Gegenstück des Schwertes, das sich noch immer in Hideos Besitz befindet, zu gelangen, fordert Toru seinen Bruder zu einem Duell auf Leben und Tod heraus. Als Toru mit seinen Gefolgsleuten, zu denen auch Rick gehört, seinen Bruder in einem Wald, wo das Duell stattfinden soll, trifft, denkt dieser nicht daran, sich auf die traditionelle Art und Weise zu duellieren und schickt Ando und seine Mannen vor, Torus Schwert mit Waffengewalt zu nehmen. Toru und seine Leute können den Angriff abwehren und im Schutze des Waldes entkommen.

Später versucht ein Vertrauter Torus, der offenbar die Seiten gewechselt hat, das Schwert zu stehlen und wird dabei von Jiro überrascht, der ihn am Diebstahl zu hindern versucht und Alarm schlägt. Dabei wird er niedergeschlagen und schwer verletzt. Durch den Alarm aufgeschreckt stellt Toru seinen ehemaligen Vertrauten und tötet ihn mit einem Schwerthieb. Rick, durch die Verletzung Jiros geschockt und von der Ausweglosigkeit ihrer Lage überzeugt, verlässt die Kampfschule fluchtartig und sucht in einem Hotel Unterschlupf, wo ihn Akiko später aufsucht, um ihn zur Rückkehr zu bewegen. Dabei entwickelt sich zwischen beiden eine Romanze.

Während eines traditionellen Straßenfestes wird Akiko von Ando entführt. Daraufhin dringt Toru zunächst allein in Hideos Konzernzentrale ein, um seine Tochter zu befreien und das Gegenstück seines Schwertes zu holen. Rick ist ihm jedoch heimlich gefolgt und unterstützt ihn im Kampf gegen Hideos Sicherheitstruppe. Nachdem sie diese überwunden haben, treffen sie auf Hideo, Ando und Akiko. Hideo, der sich nun doch auf die Familientradition besonnen hat, ist bereit, gegen seinen Bruder einen Schwertkampf auszutragen. Während des Kampfes schießt Ando plötzlich auf Toru und verletzt ihn an der Schulter, wird aber sogleich von Hideo wegen dieser Eigenmächtigkeit enthauptet. Da Toru nicht mehr weiterkämpfen kann, setzt Rick den Kampf für ihn fort. In einem spektakulären Zweikampf gelingt es ihm schließlich, Hideo zu töten.

Was zu sagen wäre

Plakatmotiv (US): Wenn er in die Hölle will, lass ihn gehenDie Kinogänger sind über John Frankenheimer hinweggegangen. Frankenheimer, Meister schwarz-weißer Verschwörungsthriller, die immer mitten ins Schwarze trafen, hat sein Thema verloren („Die Prophezeiung“ – 1979; „Schwarzer Sonntag“ – 1977; „French Connection II“ – 1975; „Grand Prix“ – 1966; „Der Mann, der zweimal lebte“ – 1966; „Der Zug“ – 1964; Sieben Tage im Mai – 1964; „Botschafter der Angst“ – 1962; Der Gefangene von Alcatraz – 1962). Am Kalten Krieg hat er sich spannungsgeladen abgearbeitet, aber das will heute keiner mehr sehen; heute gucken die Leute Raumschiff-Filme, Filme mit muskelbepackten Heroen. Das ist nicht Frankenheimers Terrain. Ihm bleibt aber sein präzises Handwerk – als Spannungs- und als Action-Inszenierer bleibt er ein Ausnahmetalent. Auch mit „The Challenge“ (dessen deutscher Film eine absurde Beleidigung des Intellekts ist – auch wenn der bei diesem Film nicht unbedingt Zielgruppe ist).

Um sein kostenintensives Handwerk also anwenden zu können, reitet Frankenheimer die Asia-Welle. Japan, Fernost, geheime Ninja-Krieger und wirtschaftliche Erfolge zwischen Tradition und Übermorgen-Initiativen sind seit ein paar Jahren total angesagt – und gefürchtet. Der Film beschreibt eine Welt, in der nach den größten 50 japanischen Firmen „erst mal gar nichts“ folgt und dann irgendwann General Motors. Da jubiliert eine unreflektierte Asia-Sehnsucht, die pauschal die westlichen Werte als dekadent demaskiert.

Das Script von Richard Maxwell und John Sayles erzählt eine Story um ein Samurai-Schwert, beschreibt einen Clash of Cultures, bei dem die Japaner in der ersten Hälfte natürlich die Oberhand haben (weil die Langnasen halt keinen Durchblick haben) und wenn Scott Glenn („Urban Cowboy“ – 1980; Apocalypse Now – 1979), der knurrige Held, den nichts so leicht vom Hocker haut, schließlich gewinnt, dann deshalb, weil er die japanischen Werte verinnerlicht hat.

Wertung: 4 von 9 D-Mark
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