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Kinoplakat: Das Geisterhaus
Großes Drama, große Akteure,
in einem mitreißenden Epos
Titel Das Geisterhaus
(The House of Spirits)
Drehbuch Bille August
nach dem gleichnamigen Roman von Isabel Allende
Regie Bille August, Portugal, Deutschland, Dänemark, USA, Frankreich 1993
Darsteller Meryl Streep, Glenn Close, Jeremy Irons, Winona Ryder, Hannah Taylor-Gordon, Antonio Banderas, María Conchita Alonso, Vanessa Redgrave, Armin Mueller-Stahl, Jan Niklas, Teri Polo, Sarita Choudhury, Vincent Gallo, António Assunção u.a.
Genre Drama
Filmlänge 141 Minuten
Deutschlandstart
21. Oktober 1993
Inhalt
Das Epos erzählt die Geschichte vom chilenischen Großgrundbesitzer Esteban Trueba und seiner Familie. Trueba, ein Mann aus einfachsten Verhältnissen, kommt durch harte Arbeit als Goldgräber und Farmer zu Vermögen und Macht.

Trueba möchte Rosa del Valle, Tochter einer gutsituierten Familie, heiraten und als er – durch eine Goldader zu Wohlstand gelangt – heimkehrt, um Rosa zu heiraten, wird diese Opfer eines Giftanschlags, der eigentlich ihrem Vater, einem Politiker, gilt. Clara, die jüngere Schwester Rosas, die über übernatürliche Fähigkeiten verfügt und den Tod vorausgeahnt hat, verstummt, weil sie sich schuldig fühlt. Erst Jahre später, als Esteban, inzwischen als Farmer zu Vermögen gekommen, um ihre Hand anhält, bricht sie ihr Schweigen. Sie heiratet Esteban.

Gleichzeitig nimmt Esteban seine Schwester Férula, die über Jahre die schwerkranke Mutter gepflegt hat und deshalb ledig geblieben ist, auf Drängen Claras in seine Familie auf. Férula und Clara entwickeln eine herzliche Beziehung.

Die Ehe ist zunächst glücklich. Die Tochter Blanca wird geboren. Sie entwickelt schon als Kind eine innige Beziehung zu Pedro Tercero García, dem Sohn von Estebans Vorarbeiter. Esteban, dem dieser Umgang missfällt, schickt Blanca auf ein Internat. In den Ferien und nach Abschluss der Schulzeit trifft sie sich heimlich mit Pedro, der inzwischen zu einem klassenbewussten Arbeiter geworden ist und die anderen Arbeiter zum Aufstand gegen die Grundbesitzer aufruft. Esteban verjagt ihn daraufhin von seiner Farm Las Tres Marías.

Zunehmend entfremdet sich Esteban von seiner Familie. Clara zieht mit Blanca ins Haus ihrer Eltern. Pedro indessen flieht vor Esteban, der angekündigt hatte, ihn zu töten, sollte er ihn mit Blanca erwischen …

Was zu sagen wäre

Ein großes, saftiges Drama. Es folgt nicht durchgängig dem Roman von Isabel Allende, erhält aber Geist und Moral der Vorlage. Signifikanter Unterschied zum Roman liegt in der Figur der Blanca, die verhaftet, verhört, gefoltert wird. Im Roman erleidet deren Tochter Alba dieses Schicksal.

„Das Geisterhaus“ ist Familienepos; und Familienepos gibt Bille August uns – manchmal etwas zu satt, wenn er Hans Zimmer von der Kette lässt, der dann selbst die romantischsten Szenen noch mit elektronischen Violinen weichsymphoniert. August und sein Kameramann Jörgen Persson baden in satten Farben und weiten Landschaften. Darin bieten tolle Schauspieler den großen Auftritt – Herzeleid in Cinemascope. Der Film erzählt bündig, schweift nicht aus – er hat ja auch genug Stoff zu verarbeiten, die Romanvorlage umfasst 500 Seiten. Ein Zeitraum von rund 50 Jahren muss abgedeckt werden, da leistet nicht nur das MakeUp-Department ganze Arbeit; vor allem der virile Jeremy Irons als Esteban altert in erstaunlich echt wirkender Maske, die ohnehin elfenhaft schimmernde Meryl Streep wird mit dem Alter blasser und blasser, die gerne kantige Glenn Close (Hook – 1991; „Die Affäre der Sunny von B.“ – 1990; „Gefährliche Liebschaften“ – 1988; Eine verhängnisvolle Affäre – 1987; „Das Messer“ – 1985; Der Unbeugsame – 1984; „Der große Frust“ – 1983; „Garp und wie er die Welt sah“ – 1982) verhärmt als nach Liebe dürstende Férula spürbar.

Bille August erzählt, was er muss, nicht, was ihm gerade einfällt; er hält sich in den unterschiedlichen Zeit-Epochen lang genug auf, um den dramatischen Bogen unter Spannung zu halten, verzichtet dafür aber auf jede Dekorationsballast, der Zeitsprünge verkündet. Das hat der Film nicht nötig: Regie, Maske und Schauspieler machen binnen weniger Sekunden klar, dass gerade ein paar Jahr vergangen sind. Auf diese Weise wechseln sich Politik, Romantik, Geschäft, Familie, Geschacher, Freundschaft und Verrat in kurz gehaltenen Kapiteln ab, hält der Film die Spannung.

Im Zentrum steht Winona Ryder („Zeit der Unschuld“ – 1993; Bram Stokers Dracula – 1992; Meerjungfrauen küssen besser – 1990; Edward mit den Scherenhänden – 1990; Great Balls of Fire – 1989), die als Alba die Rolle ihrer jungen Karriere gefunden hat: romantisch, verletzlich, heißblütig, leidenschaftlich – dass sie eine schöne Frau ist, hilft im Medium Film natürlich auch ein bisschen weiter. Aber unabhängig davon: Wenn sie in den Folterkellern der Militärs, die August als absolut gnadenlose kalte Fische inszeniert, vegetiert, treten wir – im Kinosessel – sofort jeder Revolution bei, die Alba da rausholt.

Um möglichst authentische Außenaufnahmen zu erhalten und dennoch in Europa drehen zu können, wählte Bille August als Drehort die karge Landschaft Portugals, die der chilenischen in weiten Teilen sehr ähnlich ist.

Wertung: 9 von 10 D-Mark
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